Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tübinger Wissenschaftler an Großvorhaben der Biodiversitätsforschung beteiligt

21.05.2014

Im Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Biodiversitätsexploratorien“ werden Zusammenhänge zwischen Landnutzung, Artenvielfalt und Ökosystemprozessen untersucht

In der aktuellen Phase des Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) „Biodiversitätsexploratorien“ haben gleich drei Professoren der Universität Tübingen mit ihren Arbeitsgruppen Projekte eingeworben: Professorin Yvonne Oelmann aus der Geoökologie, Fachbereich Geowissenschaften, untersucht den Phosphatkreislauf in Ökosystemen.


Eine typische, landwirtschaftlich genutzte Untersuchungsfläche in den Biodiversitäts-Exploratorien: Schafweide in der Region Schorfheide-Chorin in Brandenburg.

Ilka Mai


Die Untersuchungen, hier durch sensible Messgeräte der Klimastation, sind nur in Kombination mit der Landnutzung wie zum Beispiel der Wanderschäferei auf der schwäbischen Alb möglich.

Jörg Hailer

Professor Oliver Bossdorf vom Institut für Evolution und Ökologie im Fachbereich Biowissenschaft erforscht die epigenetische Diversität von Pflanzen auf Wiesen- und Weideflächen. Und Professorin Katja Tielbörger vom gleichen Institut möchte gemeinsam mit einem Kollegen der Hebrew University of Jerusalem ein Dogma der Biodiversitätsforschung herausfordern, welches besagt, dass zunehmende Habitatvielfalt automatisch mit einer Zunahme an Arten einhergeht.

Das DFG-Schwerpunktprogramm „Biodiversitätsexploratorien“, das 2007 begann und aktuell rund 40 Projekte umfasst, ist aus der Sorge entstanden, dass der globale Verlust der Artenvielfalt (Biodiversität) auch zum Verlust der Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten von Ökosystemen führen kann. Das Programm, an dem eine Reihe von deutschen Universitäten beteiligt ist, wird von der Universität Bern koordiniert.

Arten werden vor allem verdrängt und gehen verloren, wenn die Landnutzung sich ändert, wie zum Beispiel bei der Intensivierung der Wald- und Grünlandwirtschaft. Es ist bekannt, dass sich Artenverlust negativ auf die Produktivität und Stabilität von Ökosystemen auswirken kann. Dies zieht häufig auch ökonomische Einbußen für die Nutzer von Ökosystemen wie Land- und Forstwirte nach sich.

Über die genauen Beziehungen zwischen der Intensität der Landnutzung, dem Biodiversitätsverlust und der Funktion beziehungsweise dem Nutzwert von Ökosystemen ist jedoch wenig bekannt. Das DFG-Schwerpunktprogramm sei in seinem Anspruch, im Umfang und der Dauer eines der größten und umfassendsten Biodiversitätsprojekte der Welt, sagt Professorin Yvonne Oelmann. In die Untersuchungen seien Tausende von Flächen in Deutschland einbezogen.

Eine Vielzahl von Organismen und Ökosystemprozessen würde untersucht sowie die Diversität nicht nur auf der Ebene der Arten, sondern auch die genetische Vielfalt innerhalb von Arten erfasst. Das Forschungsteam der „Biodiversitätsexploratorien“ möchte zusätzlich zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen praktische Ergebnisse zur optimierten Landnutzung gewinnen, bei der sowohl der Ertrag für die Nutzer als auch die Artenvielfalt maximiert werden können.

In ihrem Teilprojekt widmet sich Professorin Yvonne Oelmann dem Phosphatkreislauf in Ökosystemen. Dem essenziellen Nährstoff Phosphat kommt wachsende Bedeutung zu, da den Prognosen zufolge die nicht-erneuerbaren Düngephosphatreserven zur Neige gehen. Hohe Biodiversität wird mit reduzierten Nährstoffverlusten in Ökosystemen in Verbindung gebracht und soll daher bei unterschiedlicher Landnutzungsintensität auf verschiedenen Zeitskalen untersucht werden.

Professor Oliver Bossdorf untersucht die epigenetische Diversität von Grünlandpflanzen, den krautigen Pflanzen auf Wiesen- und Weideflächen. Er will erforschen, welche Auswirkungen eine Änderung der Landnutzung bei unterschiedlicher genetischer Diversität und Artenvielfalt auf die innerartliche epigenetische Biodiversität hat. Professorin Katja Tielbörger möchte wissen, ob zunehmende Habitatvielfalt und eine Zunahme von Arten tatsächlich immer zusammengehören. In ihren Untersuchungen kombiniert sie theoretische Modelle mit einem neuartigen Experiment auf einem Versuchsfeld der Universität. Die drei Projekte dienen neben der Zuarbeit für das Schwerpunktprogramm auch der engen Verknüpfung und Kooperation dreier Arbeitsgruppen an der Universität Tübingen.

Kontakt:
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

Prof. Dr. Yvonne Oelmann
Fachbereich Geowissenschaften, Geoökologie
Tel. +49 7071 29-72398
yvonne.oelmann[at]uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Oliver Bossdorf
Fachbereich Biologie, Evolutionäre Ökologie der Pflanzen
Institut für Evolution und Ökologie
Tel. +49 7071 29-78809
oliver.bossdorf[at]uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Katja Tielbörger
Fachbereich Biologie, Vegetationsökologie
Institut für Evolution und Ökologie
Tel. +49 7071 29-74246
katja.tielboerger[at]uni-tuebingen.de

Weitere Informationen:

http://www.biodiversity-exploratories.de

Antje Karbe | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie