Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tropische Sekundärwälder können unerwartet große Mengen CO2 aufnehmen

18.05.2016

Durch Waldrodung in den Tropen werden große Mengen Kohlendioxid freigesetzt. Wenn die gerodeten Flächen regenerieren und Sekundärwalder nachwachsen, binden diese erneut CO2. Eine Gruppe Wissenschaftler, zu der auch Dylan Craven vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) gehört, konnte jetzt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Science Advances für lateinamerikanische Wälder zeigen, dass dieses CO2-Bindungspotential erstaunlich hoch ist.

Demnach könnten Sekundärwälder in Lateinamerika in den nächsten vier Jahrzehnten etwa dieselbe Menge CO2 binden, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten dort durch Verbrennung fossiler Energieträger und durch industrielle Prozesse freigesetzt worden ist.


Wald in Panama

Foto: Dylan Craven, iDiv

Somit bietet die Förderung natürlicher Waldregeneration eine preiswerte Möglichkeit, klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre zu binden und gleichzeitig die biologische Vielfalt zu fördern.

Nirgendwo auf der Welt schreitet der Verlust ursprünglicher Wälder, sogenannter Primärwälder, so schnell voran wie in den Tropen. Um Flächen für Ackerbau und Viehzucht zu gewinnen, roden Menschen Urwälder und setzen dabei den in den Bäumen gespeicherten Kohlenstoff als klimaschädliches CO2 frei.

Schätzungen zufolge gehen 8 bis 10 Prozent der anthropogenen CO2-Emissionen auf das Konto von Abholzung und Übernutzung tropischer Wälder. Klimaschutzprogramme zielen bisher vor allem auf die Vermeidung dieser CO2-Emissionen, z. B. durch das Verhindern von Waldrodungen.

Wenn die gerodeten Flächen nicht mehr genutzt werden, wachsen dort neue Wälder, sogenannte Sekundärwälder. Diese binden einen Teil des bei der Rodung freigesetzten CO2. In einer vorangegangenen Studie konnten die auch an der aktuellen Studie beteiligten Wissenschaftler für Lateinamerika bereits im Februar im Fachmagazin Nature zeigen, dass es durchschnittlich nur 66 Jahre dauert, bis die Sekundärwälder 90 Prozent des ursprünglich gespeicherten Kohlenstoffs erneut gebunden haben (oberirdische Biomasse).

Während die Gesamtwaldfläche in Lateinamerika weiterhin abnimmt, nimmt die Fläche nachwachsender Sekundärwälder zu. In den untersuchten Ländern Lateinamerikas bedecken Sekundärwälder 28 Prozent der Gesamtfläche.

Als Sekundärwälder gelten neu angepflanzte Wälder bis zum Alter von 60 Jahren. Die Wissenschaftler wollten wissen, welches Potential diese Wälder haben, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden. Mithilfe von Daten über Alter und Fläche dieser Wälder in Lateinamerika modellierten sie deren oberirdische CO2-Bindung.

Die berechnete oberirdische Kohlenstoffaufnahme beträgt demnach 8,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff - entsprechend 31 Milliarden Tonnen CO2 - über einen Zeitraum von 40 Jahren. Diese Menge entspricht den CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und industriellen Prozessen in Lateinamerika von 1993 bis 2014.

"Es ist erstaunlich wie viel Kohlendioxid diese Sekundärwälder aufnehmen können", sagt Dylan Craven, Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und einer der Autoren der Studie. "Und das bei sehr geringen Kosten. Denn es müssen keine Bäume gepflanzt werden, die kommen von ganz allein. Man muss die jungen Wälder bloß schützen gegen eine erneute Abholzung."

Die neue Studie liefert wichtige Informationen für CO2-Minderungsstrategien in tropischen Ländern, insbesondere in Lateinamerika. Verbunden mit dem Schutz ungerodeter Wälder sowie nachhaltiger Waldnutzung bietet die Förderung natürlicher Waldregeneration somit eine preiswerte Möglichkeit, klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre zu binden und gleichzeitig biologische Vielfalt zu fördern. Volker Hahn

Publikationen:
Chazdon et al. (2016): Carbon sequestration potential of second-growth forest regeneration in the Latin American tropics. Science Advances. 13 May 2016: Vol. 2, no. 5, e1501639. doi: 10.1126/sciadv.1501639
http://dx.doi.org/10.1126/sciadv.1501639
Die Studie wurde gefördert von: the Australian Department of Foreign Affairs and Trade, Consultative Group for International Agricultural Research (CGIAR), the Center for International Forestry Research, Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología,PAPIIT-UNAM, CONACYT, Conselho Nacional de Desenvolvimento Científico e Tecnológico, Instituto Tamanduá, FOMIX-Yucatan, ForestGEO, Fundação de Amparo à Pesquisa de Minas Gerais, Fundación Ecológica de Cuixmala, the Heising-Simons Foundation, HSBC, ICETEX, Instituto Internacional de Educação do Brasil, Instituto Nacional de Serviços Ambientais da Amazônia–Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia, the Inter-American Institute for Global Change, the Motta Family Foundation, NSF, NUFFIC, USAID, INCT Biodiversidade e Uso da Terra na Amazônia, the Silicon Valley Foundation, Stichting Het Kronendak, the Tropenbos Foundation, Wageningen University und der Europäischen Union.

Poorter et al. (2016): Biomass resilience of Neotropical secondary forests. Nature. 11 February 2016: 530, 211–214. doi: 10.1038/nature16512
http://dx.doi.org/10.1038/nature16512

Weitere Informationen:
Dr. Dylan Craven (spricht nur Englisch)
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Tel.: +49-(0)341-973-3135
https://www.idiv.de/the-centre/employees/details/eshow/craven-dylan
sowie
Volker Hahn/Tilo Arnhold, iDiv-Pressestelle
Tel.: +49-(0)341-9733-154,-197
https://www.idiv.de/de/presse/mitarbeiterinnen.html

Links:
University of Connecticut (UConn):
Natural Regrowth of Tropical Forest Helps Reach Climate Goals
http://today.uconn.edu/2016/05/natural-regrowth-tropical-forest-helps-reach-clim...

Gerodete Tropen-Wälder können sich schneller erholen als gedacht
https://www.idiv.de/de/news/news_single_view/news_article/deforested-t.html


iDiv ist eine zentrale Einrichtung der Universität Leipzig im Sinne des § 92 Abs. 1 SächsHSFG und wird zusammen mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Friedrich-Schiller-Universität Jena betrieben sowie in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ.
Beteiligte Kooperationspartner sind die folgenden außeruniversitären Forschungs-einrichtungen: das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie (MPI BGC), das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie (MPI CE), das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA), das Leibniz-Institut Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ), das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB), das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) und das Leibniz-Institut Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG). http://www.idiv.de/de.html

Weitere Informationen:

https://www.idiv.de/de/presse/pressemitteilungen/press_release_single_view/news_...

Tilo Arnhold | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Luftreiniger und Schmutzpumpe: der indische Monsun
15.06.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht 100 % Ökolandwirtschaft in Bhutan – ein realistisches Ziel?
15.06.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics