Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trinkwasser des Gaza-Streifens stark mit Nitrat belastet

15.08.2008
Palästinensische und deutsche Wissenschaftler haben den Behörden des Gaza-Streifens empfohlen, unverzüglich Maßnahmen gegen die überhöhten Nitratwerte im Trinkwasser zu unternehmen.

90 Prozent ihrer Wasserproben hätten Nitratkonzentrationen aufgewiesen, die zwei bis achtmal höher gewesen seien als der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Grenzwert, schreiben Wissenschaftler der Universität Heidelberg und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) im Fachjournal Science of the Total Environment.

Langfristig würde ein Qualitätsmanagement für die Grundwasserressourcen den größten Schutz bieten. Grundwasser ist für die Mehrheit der Bewohner des Gaza-Streifens die einzige Trinkwasserquelle. Nitrat kann bei Kleinkindern unter sechs Monaten zum Mangel an roten Blutkörpern, zu Durchfall und zur Übersäuerung führen. Deshalb empfiehlt die WHO, eine Konzentration von maximal 50 Milligramm pro Liter nicht zu überschreiten. Unveröffentlichten Untersuchungen zufolge hat bereits die Hälfte von 640 getesteten Kleinkindern Anzeichen des Mangels an roten Blutkörpern gezeigt. Die neue palästinensisch-deutsche Studie bestätigt frühere Wasseranalysen und gibt erstmals eine Quelle für die Belastung an. Mit Hilfe von Isotopenuntersuchungen konnten die Forscher nachweisen, dass die Nitratbelastung auf Dünger aus der Landwirtschaft und Abwässer zurückgeht.

Der Gaza-Streifen gehört mit über 2600 Menschen pro Quadratkilometern zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde. Die Bewohner des Gebietes zwischen Mittelmeer, Ägypten und Israel sind durch die Isolation auf Eigenversorgung angewiesen. Die Felder werden hauptsächlich mit Hühner- und Kuhmist gedüngt. Kunstdünger macht lediglich etwa ein Viertel aus. Aufgrund der Geologie und des semiariden Klimas können Verunreinigungen relativ leicht von der Oberfläche in den Grundwasserleiter sickern. Organischer Dünger und Abwässer sind die Hauptursache für die Nitratbelastung im Grundwasser, gefolgt von Klärschlamm und Kunstdünger. Das ergaben die Isotopenverhältnisse 15N/14N des Stickstoffs und 18O/16O des Sauerstoffs im untersuchten Nitrat. Isotope sind Variationen des gleichen chemischen Elementes, die sich durch eine unterschiedliche Anzahl an Neutronen im Atomkern unterscheiden.

18O und 15N sind stabile, also nicht radioaktive Isotope, die schwerer als der "normale" Sauerstoff (16O) oder Stickstoff (14N) sind und dadurch per Massenspektrometer gemessen werden können. "Die niedrigeren Werte des Stickstoff-Isotopes 15N in Klärschlamm zeigen an, dass das Nitrat im Grundwasser von Gaza hauptsächlich auf Gülle als Dünger zurückzuführen ist", erklärt Dr. Karsten Osenbrück vom UFZ. Zwischen 2001 und 2007 hatten die Wissenschaftler siebenmal Wasserproben aus 115 kommunalen und 50 privaten Brunnen genommen. Dabei stellten sie Nitratkonzentrationen zwischen 31 und 452 Milligramm pro Liter fest.

In lediglich 10 von 115 untersuchten kommunalen Brunnen wurde ein Nitratgehalt unterhalb des Richtwertes der Weltgesundheitsorganisation WHO gefunden. Ähnlich dramatisch war die Situation bei den privaten Brunnen: Bis auf drei zeigten alle Brunnen Nitratwerte, die fünf- bis siebenmal über den WHO-Empfehlungen lagen.

Doris Böhme | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=17112

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie