Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tag der Artenvielfalt im namibischen Regenwald

30.05.2011
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) beteiligte sich am diesjährigen Tag der Artenvielfalt in Namibia. Unter dem Motto „Forests for People“ (Wälder für Menschen) versammelten sich dabei mehr als 500 lokale und internationale Teilnehmer im Gemeindewald von Okongo nahe der angolanischen Grenze. Dort ist die Biodiversität durch starke Übernutzung des Waldes gefährdet.

Der „Biodiversity Action Day“ findet jedes Jahr in Namibia statt. Neben Angehörigen der lokalen Ovambo und San Bevölkerungsgruppen aus den umliegenden Siedlungen folgten diverse Schulklassen aus Windhoek, Journalisten, Mitarbeiter verschiedener namibischer Ministerien sowie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) der Einladung des namibischen Ministeriums für Umwelt und Tourismus. Sie alle scheuten die zum Teil lange Anreise nicht und schlugen ihre Zelte im kleinen Dorf Omauni auf.

Ein Team junger namibischer Wissenschaftler von EduVentures wurde mit der Konzeption und Durchführung dieser Veranstaltung betraut. Die am Nationalmuseum angegliederte Organisation EduVentures, geleitet von dem Ex-Berliner Holger Vollbrecht, ist spezialisiert auf Umweltbildung und wissenschaftliche Dienstleistungen. Logistisch wurde das Team von der namibischen Armee unterstützt, angeleitet durch die deutsche Beratergruppe der Bundeswehr.

Ebenfalls dabei war Jörg Melzheimer vom IZW, der als Experte und Gruppenleiter für die Inventarisierung der Säugetier- und Reptilienfauna eingeladen wurde. „Die Herausforderungen sind in jedem Jahr andere“, berichtet Melzheimer, der bereits 2010 am namibischen Tag der Artenvielfalt teilgenommen hatte. Dieser fand am höchsten Gipfel des Landes, dem Brandberg, statt. „Am Brandberg mit seiner hohen Artenvielfalt hatten wir alle Hände mit der Bestimmung und Katalogisierung der gefundenen Säuger und Reptilien zu tun. Hier in Okongo mussten wir uns stundenlang durch das dichte Unterholz kämpfen, um überhaupt einzelne Tiere zu finden.“ Gerade deshalb hatte Dr. Konrad Uebelhör, GIZ-Berater am namibischen Umweltministerium, den von Menschen stark genutzten Gemeindewald von Okongo als diesjährigen Austragungsort gewählt. Artenvielfalt in Afrika sei kein musealer Luxus, sondern erhalte erst als Ressource für die lokale Bevölkerung seine Bedeutung, so Uebelhör.

Im Mittelpunkt des Aktionstages stand deshalb neben der Inventarisierung der biologischen Vielfalt die Nachhaltigkeit der Nutzung des Waldes und seiner Wildtiere. Wissenschaftler, technische Berater der GIZ, Ministeriumspersonal und die Stammesältesten der Dörfer im Gemeindewald berieten gemeinsam über nachhaltige Nutzungsformen des Waldes und seiner natürlichen Ressourcen.

Eine Gruppe untersuchte die Möglichkeit der touristischen Erschließung und Vermarktung des Waldes und seines Wildes. Zwei andere Gruppen beschäftigten sich mit Bienenhaltung und Honigproduktion sowie der Zucht des einheimischen Perlhuhns.

IZW-Mitarbeiter Melzheimer stellte in seinem Vortrag in Okongo den menschlichen Einfluss auf die Biodiversität in den Mittelpunkt. „Der Wald ist strukturell unheimlich vielfältig und einer der schönsten, den ich bisher gesehen habe. Jedoch ist er auch leider einer der wildärmsten Wälder.“ Viele Jahre Guerillakrieg zwischen namibischen Freiheitskämpfern und der südafrikanischen Armee (bis 1989) und der anhaltende Jagddruck durch die lokale Bevölkerung haben die Wildbestände sehr dezimiert.

Artenvielfalt (Biodiversität) bedeutet in Okongo vor allem auch die Erweiterung des täglichen Speiseplans für die Bewohner der angrenzenden Gemeinden. Trotz des Einsatzes unterschiedlichster Methoden, inklusive vollautomatischer Kamerafallen an Wildpfaden und Wasserstellen, kehrte die Gruppe um Melzheimer nach einem Tag im „Dschungel von Okongo“ nur mit einer kurzen Artenliste ins Basislager zurück. Dennoch zieht Melzheimer ein positives Fazit: „Auch in Namibia gilt die Maxime des Tags der Artenvielfalt: Nur was wir kennen und verstehen, werden wir auch achten und schützen. Diesem Zustand sind wir in Okongo ein großes Stück näher gekommen.“

Tangeni, der Dorfälteste aus Omauni schloss den Tag der Artenvielfalt mit seinem Wunsch: „Ich habe hier Antilopen, Löwen und Elefanten im Wald gesehen und mich an ihnen erfreut. Meine Söhne leider schon nicht mehr, aber ich hoffe, dass wenigstens meine Enkel wieder die Tiere des Waldes erleben können.“

Kontakt: Jörg Melzheimer, Wissenschaftler im IZW-Gepardenprojekt in Namibia; Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Tel.: +264 81 1287812, melzheimer@izw-berlin.de

Saskia Donath | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive