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Studierende lernen praxisnah: Rückbau einer Treibstoff-Fabrik für Raketen

18.09.2013
Die BTU Cottbus–Senftenberg entwickelt gemeinsam mit der Sibirischen Föderalen Universität (SFU) Krasnojarsk Konversions-, Sanierungs- und Verwertungskonzepte am Beispiel einer Industriebrache

Ehemals industriell und militärisch genutzte Liegenschaften im Gebiet von Krasnojarsk sind Gegenstand einer Untersuchung, an der vier Lehr- und Fachgebiete der BTU Cottbus-Senftenberg und der SFU Krasnojarsk gemeinsam arbeiten. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist Träger des Anbahnungsprojektes, welches für eine Laufzeit von 15 Monaten bis Juni 2014 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit 28.000€ gefördert wird.

Unter der Leitung von PD Dr.-Ing. habil. Angelika Mettke, Fachgruppe Bauliches Recycling, Fakultät Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik, geht es um die Vorbereitung einer wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit beider Universitäten in Forschung und Lehre. Ausgehend von den vielfältigen Problem- und Fragestellungen, die im Zuge der Thematik Konversion unter extremen praktischen Randbedingungen an einem Fallbeispiel in Russland zu lösen sind (keine Umweltstandards, fehlende technische und technologische Handlungshilfen, äußerste Witterungsbedingungen etc.), sollen gleichzeitig Voraussetzungen für konkrete gemeinsame Forschungsaufgaben und Studienprogramme geschaffen werden.

Der Wissensstand um die Konversion von Flächen unter Berücksichtigung anerkannter Umweltstandards ist an beiden Universitäten sehr unterschiedlich, insbesondere dann, wenn besondere Risikofaktoren in baulicher Hinsicht und dem Schadstoffpotenzial in ihrer Komplexität zu lösen sind. Vorlesungen an der SFU sollen den wissenschaftlichen Hintergrund belegen und damit die Ausbildung von Fachleuten ermöglichen.

Die Lehre an der BTU und an der SFU bilden die Basis für ein interessantes und zugleich außergewöhnliches Lehr- und Forschungsprojekt: den Rückbau einer Fabrik, die Treibmittel für Raketen hergestellt hat. Viele Jahre nach Stilllegung der Anlage lagern Risikostoffe von besonderer Brisanz auf dem Gelände; leicht zugänglich für Dritte. Hierfür ist ein gemeinsamer Studiengang mit „training on the job“ geplant.

Vier Arbeitsgruppen bearbeiten das komplexe Problem: Die Arbeitsgruppe von Prof. Wolfgang Spyra, Forschungsgruppe FRAME Altlasten, befasst sich insbesondere mit der Sanierung und Revitalisierung militärisch genutzter Liegenschaften und Produktionsbetriebe unter dem Forschungsschwerpunkt „nachhaltiger Umweltschutz auf dem Industriesektor“.

Prof. Eike Albrecht, Lehrstuhl Zivil- und Öffentliches Recht mit Bezügen zum Umwelt- und Europarecht, befasst sich gemeinsam mit dem Juristischen Institut an der SFU mit dem Thema Umweltrecht. Prof. Wolfdietrich Kalusche, Lehrstuhl Planungs- und Bauökonomie, widmet sich der Projektentwicklung unter Zugrundelegung der Lebenszyklusbetrachtung von Immobilien.

Die Arbeitsgruppe von Dr. Angelika Mettke bearbeitet aus ganzheitlicher Sicht Aufgabenstellungen zu energetischen Aufwertungen von Gebäudebeständen, Abbruch/Rückbau von Gebäuden und baulichen Anlagen, zur Wiederverwertung von Bauabfällen und Wiederverwendung von Bauteilen sowie zur Verwertung von industriellen Nebenprodukten.

In die Projektbearbeitung werden sowohl deutsche als auch russische Studierende, Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter eingebunden. Im Sommersemester 2014 wird eine Summerschool von Prof. Albrecht und Prof. Kalusche zu diesem Projekt stattfinden. Zuvor werden jedoch russische Kollegen im Dezember 2013 an die BTU Cottbus-Senftenberg kommen.

Weitere Informationen
PD Dr.-Ing. habil. Angelika Mettke, Fachgruppe Bauliches Recycling, Tel.: (0355) 69-2270, E-Mail: mettke@tu-cottbus.de

Johanna Schuppan | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-cottbus.de

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