Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Straße durch den Serengeti-Nationalpark gefährdet Wildtiere: Forscher fordern alternative Route durch Tansania

29.10.2010
Dr. Joseph O. Ogutu von der Universität Hohenheim solidarisiert sich mit Petitionsunterzeichnern gegen Straßenbaupläne der Regierung

Sollte die tansanische Regierung die geplante Straße bauen, könnten Abertausende Gnus, Zebras und Gazellen verdursten. Einmal im Jahr flüchten die Wildtiere vor der Trockenheit in den wasserreichen Nordwesten des Serengeti-Mara-Ökosystems.

Die neue Straße würde ihnen den Weg versperren, fürchten die Autoren einer Studie, die in der September-Ausgabe von „Nature“ veröffentlicht wurde. Einer der Autoren des Artikels ist Dr. Joseph. O. Ogutu vom Fachgebiet Bioinformatik an der Universität Hohenheim. Er spricht sich deutlich gegen das Straßenbauprojekt aus und stellt eine alternative Strecke vor.

Juni in Tansania: Durch die trockene Savanne trampeln über 1,5 Millionen Gnus, Zebras und Gazellen auf ihrem Weg nach Norden. Der Boden bebt unter ihren Hufen, die Wildtiere kreischen und röhren. Im November kehren die Tiere mit dem Ende der Trockenzeit in den Südosten zurück und bringen dort jedes Jahr insgesamt rund 500.000 Nachkommen zur Welt.

„Das Spektakel beginnt jedes Jahr im Juni neu“, sagt Dr. Joseph Ogutu, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet für Bioinformatik unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Peter Piepho. „Wenn im Südosten des Serengeti-Mara-Ökosystems die Trockenzeit beginnt, wandern mehr als eine Million Gnus, 200.000 Zebras und 400.000 Gazellen in den regenreichen Nordwesten im kenianischen Teil des Ökosystems“, erzählt Joseph Ogutu. Der Mara River dort sei die einzige Wasserquelle der Wildtiere während der Trockenzeit.

Seit den sechziger Jahren folgen die Tiere auf derselben Route dem Regen. Die UNSECO erklärte das Ökosystem auch wegen des einzigartigen Phänomens zum Weltkulturerbe. Safari-Touristen aus aller Welt strömen nach Tansania und Kenia. Doch wie lange noch?

Umweltorganisationen kritisieren Straßenbau

Die Regierung Tansanias plant den Bau einer Straße, die die tansanische Küste mit dem Victoria-See verbinden soll. 53 Kilometer davon sollen durch das Serengeti-Mara-Reservoir führen. Diese würde direkt durch die Wanderroute der Wildtiere durchschneiden und sie von den regenreichen Gebieten abhalten. Die Markierungen für den Bau der Straße sollen schon begonnen haben. 480 Mio. Dollar soll die Straße kosten.

Schon seit den 70er und 80er Jahren werde das ökologische Risiko durch die Straße als hoch eingeschätzt. Ein offizielles Gutachten der Regierung dazu stehe noch aus. Umweltorganisationen und Wissenschaftler weltweit schätzen die Auswirkungen des Straßenbaus auf das Ökosystem als dramatisch ein.

Das Ökosystem ist bedroht

Konkret befürchtet Joseph Ogutu Kollisionen, wenn die wandernden Viehherden in wenigen Wochen die Straße kreuzen: „Gutachten rechnen mit circa einem Auto pro Minute.“ Die Unfallgefahr sei hoch – mit Folgen für Mensch und Tier. Doch gerade Maßnahmen, um Kollisionen zu vermeiden, würden die Lebensbedingungen der Tiere verschlechtern.

Den Bau von Brücken und Unterführungen schätzt der Wissenschaftler als nicht realisierbar ein, denn sie könnten die Masse der Tiere nicht aufnehmen. „Eine Umzäunung würde die Wanderungsströme stoppen und damit das Ökosystem verändern. Weniger Artenvielfalt und eine niedrigere Produktivität wären die Folge“, meint Joseph Ogutu.

Das südöstliche Gebiet des Serengeti-Mara-Ökosystems allein biete laut Schätzungen des Wissenschaftlers einen Lebensraum für weniger als 300.000 Gnus. Damit seien über eine Million Gnus bedroht.

Mensch und Tier rücken enger zusammen

Die Anziehungskraft der Straße auf die Bevölkerung sei ein weiterer Faktor der Unsicherheit für das intakte Ökosystem, so Joseph Ogutu. Durch den Kraftfahrzeugverkehr auf der Handelsroute würden Pflanzensamen über die Landesgrenzen hinweg transportiert. So könnten neue Arten eingeschleppt werden.

Der Wissenschaftler rechnet damit, dass der Straßenbau auch Siedlungsbau nach sich zieht. Menschen könnten die Wildtiere mit Krankheiten anstecken – und umgekehrt. Und es könnte vermehrt zu Wilderungen kommen, denn illegalen Jägern würde das Geschäft durch die Straße erheblich erleichtert.

Tourismuswirtschaft muss mit Einbrüchen rechnen

Ein Sechzehntel der tansanischen Bevölkerung ist im Tourismus beschäftigt und die Branche trägt 8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes von Tansania. Doch Tourismus-Unternehmen weltweit solidarisierten sich schon jetzt mit den Gegnern des Straßenbaus. In den USA hat das Thema in den vergangenen Monaten eine hohe mediale Aufmerksamkeit bekommen. Die Ablehnung des Bauprojekts nimmt auch international weiter zu. „Wir rechnen mit einem starken Einbruch in der Branche. Schließlich sind schon die wandernden Gnus und Zebras eine Attraktion für sich“, ist sich Joseph Ogutu sicher.

Wissenschaftler bieten Alternative

Einen alternativen Vorschlag für das Straßenbauprojekt lieferten die Wissenschaftler schon, denn die ökonomischen Vorteile der Handelswege stellen sie nicht in Frage. Sie schlagen eine Route durch den Süden Tansanias vor: „Diese Route berührt das einzigartige Ökosystem des Serengeti-Nationalparks mit den sensiblen Wanderwegen der Tiere nicht und verbindet dennoch die Küste mit dem Victoria-See“, erklärt Joseph Ogutu. Diese Straße wäre dabei nur 50 Kilometer länger als die geplante, würde die ländliche Entwicklung vorantreiben sowie dem Tourismus nicht schaden, behauptet der Wissenschaftler.

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nature/journal/v467/n7313/full/467272a.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

nachricht "Brauchen wir das?" Auf dem Weg zu einer umweltgerechten Bedarfsprüfung von Infrastrukturprojekten
09.08.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie