Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Strafverfolgung von Wilderern schützt Menschenaffen effektiv

08.12.2011
Eine Langzeitstudie beziffert erstmalig den relativen Einfluss von Artenschutz in 16 afrikanischen Ländern und zeigt, wie entscheidend die langfristige Präsenz von Strafverfolgung, Tourismus, Forschung und Nichtregierungsorganisationen für das Überleben von Schimpansen, Bonobos und Gorillas ist.

Aktuellen Studien zufolge verringert sich die Anzahl der afrikanischen Menschenaffen rasant. Viele Gebiete, in denen die Tiere vorkommen, werden kaum verwaltet und geschützt. In Zusammenarbeit mit Feldforschern und Verwaltern afrikanischer Nationalparks untersuchten Leipziger Max-Planck-Wissenschaftler, wie sich das Fehlen von Artenschutz-Bemühungen auf Menschenaffen auswirkt.

Hierfür wurden während der letzten 20 Jahre Daten aus 109 Verwaltungsdistrikten in 16 ost-, west- und zentralafrikanischen Ländern erhoben. Eine langfristige Präsenz von lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen und von Strafverfolgungsbehörden hatte einen messbar positiven Effekt auf Schimpansen, Bonobos und Gorillas. Die nationale Entwicklung, die häufig als Motor für den Artenschutz bezeichnet wird, und eine hohe Bevölkerungsdichte haben sich hingegen negativ auf das Überleben der gefährdeten Menschenaffen ausgewirkt.

„Zum Schutz der natürlichen Ressourcen, insbesondere zur Bekämpfung des Rückgangs der Wildtierbestände, ist es zwingend nötig, effektive Maßnahmen umzusetzen“, ist Sandra Tranquilli vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie überzeugt. Wie erfolgreich verschiedene Schutzaktivitäten sind und wie sie sich über einen großen räumlichen und zeitlichen Rahmen hinweg auswirken, wurde bisher kaum beziffert. „Ein quantitativer Vergleich ist jedoch wichtig, um Natur- und Artenschutzstrategien gezielt zu unterstützen. Er wird im Hinblick auf den rasanten Rückgang vieler afrikanischer Menschenaffenpopulationen dringend benötigt“.

Ihre Studie fokussierte auf vier verschiedene Schutzaktivitäten für den gesamten afrikanischen Kontinent und deren relative Bedeutung: den Einsatz von Strafverfolgungsbehörden (Wildhüter, Nationalpark-Agenten), den Tourismus, der Forschung und der Unterstützung durch Nichtregierungsorganisationen (NROs). Die Auswirkung dieser Maßnahmen wurde in 109 afrikanischen Verwaltungsdistrikten für den Schutz von Schimpansen, Bonobos und Gorillas, die in 16 ost-, west- und zentralafrikanischen Ländern leben, über 20 Jahre (1990-2009) hinweg untersucht. Ergänzend dazu hat die Langzeitstudie auch Umweltbedingungen und den Einfluss des Menschen sowie aktuelle Statusmeldungen zur Situation der Menschenaffen miteingeschlossen.

Demnach verringern langfristig angelegte Schutzaktivitäten die Wahrscheinlichkeit, dass Menschenaffen aussterben - je länger die Maßnahmen andauern, umso weniger wahrscheinlich sterben sie aus. „Die Ergebnisse erbringen den quantitativen Beweis, dass das Risiko für Menschenaffen dort am höchsten ist, wo Wildhüter- und Polizeipräsenz fehlen“, sagt Sandra Tranquilli. „Tourismus, Forschung und die Präsenz von und Unterstützung durch Nichtregierungsorganisationen vor Ort haben aber ebenfalls einen messbaren positiven Einfluss.“

„Es ist für die meisten von uns unvorstellbar, wie schnell die letzten verbleibenden Gebiete unberührter Natur verschwinden. Wenn wir einige dieser Orte für die Zukunft erhalten möchten, brauchen wir mehr Studien dieser Art“, sagt Hjalmar Kühl, der die Natur- und Artenschutzgruppe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie leitet. „Sie helfen uns besser zu verstehen, welche Schutzmaßnahmen am effektivsten sind und in welche Aktivitäten die begrenzt vorhandenen Ressourcen am besten investiert werden sollten.“

„Dies ist ein ausgezeichnetes Beispiel für beweisorientierte Forschung zur Arterhaltung, in der Schutzmaßnahmen und -strategien quantitativ begutachtet werden“, sagt Forscherin Fiona Maisels von der Wildlife Conservation Society. „Diese Studie wird dazu ermutigen, die nur begrenzt vorhandenen Personal- und Finanzressourcen dort einzusetzen, wo sie ein Maximum an Effektivität erreichen – vor Ort in die effektive Strafverfolgung von Wilderern“.

„Das Überleben der afrikanischen Menschenaffen ist von der Strafverfolgung abhängig“, sagt Forscherin Fidèle Amsini, die aus der D.R. Kongo stammt und bei der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft tätig ist. „Es ist auch abhängig von Spenden und den Konsequenzen, die den Behörden afrikanischer Länder entstehen.“

Darüber hinaus empfehlen die Autoren – außer der Anwendung eines beweisorientierten Denkansatzes – ein ständiges Monitoring der Entwicklung der Menschenaffenpopulationen und der ständigen Bedrohungen, um das Überleben der nächsten Verwandten des Menschen sicherzustellen.

Diese Arbeit wurde unterstützt von der Arcus Foundation, der Max-Planck-Gesellschaft und dem US Fish and Wildlife Service; die Daten werden in der A.P.E.S. Datenbank der IUCN verwaltet. Die Arbeit wurde gemeinsam mit Mitarbeitern folgender NROs, Universitäten und Nationalparks durchgeführt: AGRECO, African Wildlife Foundation, Fauna and Flora International, Federal University of Technology (Akure, Nigeria), Garamba National Park (D.R. Kongo), Ghana PADP II-LTS International, Ghana Wildlife Society, Great Ape Trust, Institut National pour l'Environment et la Conservation de la Nature (Burundi), IUCN/SSC Primate Specialist Group, Kalinzu Forest Project, Support for Conservation of Bonobos, Tshuapa-Lomami-Lualaba Project, University of Amsterdam (Amsterdam, Niederlande), University of California (Davis, USA), University College London (London, Großbritannien), University of Ghana (Legon, Ghana), University of Stirling (Stirling, Großbritannien), University of Kyoto (Kyoto, Japan), University of Melbourne (Melbourne, Australien), West African Primate Conservation Action, West Chester University (Pennsylvania, USA), Wild Chimpanzee Foundation, Wildlife Conservation Society, World Wide Fund for Nature, Zoological Society of London.

Originalveröffentlichung:

Tranquilli S., Abedi-Lartey M., Amsini F., Arranz L., Asamoah A., Babafemi O., Barakabuye N., Campbell G., Chancellor R., Davenport T.R.B., Dunn A., Dupain J., Ellis C., Etoga G., Furuichi T., Gatti S., Ghiurghi A., Greengrass E., Hashimoto C., Hart J., Herbinger I., Hicks C.T., Holbech L.H., Huijbregts B., Imong I., Kumpel N., Maisels F., Marshall P., Nixon S., Normand E., Nziguyimpa L., Nzooh-Dogmo Z., Okon D., Plumptre A., Rundus A., Sunderland-Groves J., Todd A., Warren Y., Mundry R., Boesch C. & Kuehl H.
Lack of conservation effort rapidly increases African great ape extinction risk
Conservation Letters, 8. Dezember 2011; doi: 10.1111/j.1755-263X.2011.00211.x
Link: http://doi.wiley.com/10.1111/j.1755-263X.2011.00211.x
Kontakt:
Sandra Tranquilli
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
Abteilung für Primatologie
Tel.: +49 341 3550 205
E-Mail: sandra_tranquilli@eva.mpg.de
Sandra Jacob
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 341 3550 122
Email: jacob@eva.mpg.de
Stephen Sautner, John Delaney
Wildlife Conservation Society
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: + 1 718 220 3682; + 1 718 220-3275
E-Mail: ssautner@wcs.org; jdelaney@wcs.org

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

6. Leichtbau-Tagung: Großserienfähiger Leichtbau im Automobil

23.08.2017 | Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Turbulente Bewegungen in der Atmosphäre eines fernen Sterns

23.08.2017 | Physik Astronomie

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit Algen Arthritis behandeln

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie