Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Smog von Mexiko-Stadt bringt Dauer-Entzündung

04.05.2010
Nachweis im Herz schon bei jungen Erwachsenen möglich

Immer mehr Menschen leben weltweit in Städten mit extrem schlechter Luft. Was das für die Gesundheit bedeutet, hat ein Forscherteam aus der USA und Mexiko um Rodolfo Villarreal nun am Beispiel der mexikanischen Hauptstadt untersucht und auf der Konferenz "Experimental Biology 2010" präsentiert.

Die Entzündungsreaktion des Körper auf die feinsten Smogpartikel führt auf lange Sicht zu einer chronischen Entzündung der Organe wie etwa des Herzens, wurde in der Untersuchung sichtbar. Wie die Folgen ist, hängt wesentlich von der Art der Luftschadstoffe ab.

Kleinstpartikel dringen ins Blut vor

Mexiko-Stadt ist berühmt-berüchtigt für seine hohe Luftverschmutzung. "Die Kessellage der von Bergen umgebenen Stadt sorgt dafür, dass die Abgase nicht weggetragen werden", berichtet Aerosol-Spezialist Werner Hofmann von der Universität Salzburg, der selbst Luftmessungen in Mexiko-Stadt durchgeführt hat. Die wohl offensichtlichste Folge für die Gesundheit ist die hohe Zahl von Asthma- und Lungenkrebserkrankungen in der Stadt.

Schlimme Auswirkungen auch auf andere Körperorgane dürften jedoch auch die Kleinstpartikel unter 2,5 Mikrometer haben, die ungehindert nicht nur von der Lunge, sondern auch in weiterer Folge von der Blutbahn aufgenommen werden. "Die von Verbrennungsmotoren erzeugten Teilchen entsprechen etwa denen, die auch bei Laserdruckern oder Kopierern ausgestoßen werden", so der Salzburger Physiker gegenüber pressetext. In der aktuellen Studie untersuchte man die Wirkung auf die Herzen von 21 jugendlichen Bewohnern von Mexiko-Stadt, die bei Unfällen ums Leben gekommen waren.

Bakterienreste sorgen für Entzündung

Die Untersuchten stammten entweder aus dem Norden oder aus dem Süden der 20-Mio.-Metropole. Die Luft im Süden ist insofern anders, als sie besonders viele Endotoxine enthält. Darunter versteht man Überbleibsel der Zellwände toter Bakterien, die in Abfallstoffen und Schmutz wuchern und die per Anhalter mit den Partikeln in der Luft mitreisen. Endotoxine bestehen aus Lipopolysacchariden und sind bekannt dafür, dass sie im Körper zahlreiche physiologische Reaktionen auslösen können. So weisen etwa Mäuse aus dem Süden von Mexiko-Stadt mehr Herzmuskel-Entzündungen auf als im Norden.

Alle untersuchten menschlichen Herzen zeigten starke Entzündungsreaktionen. Allerdings waren bei jenen aus dem Süden bestimmte Faktoren, die bei Herzerkrankungen, Blutvergiftung und möglicherweise auch beim Absterben von Herzmuskel-Zellen mitspielen, besonders ausgeprägt, wie etwa Interleukin-1B und der Alpha-Tumornekrosefaktor, sowie auch das das Glykoprotein CD14. Auch der Wert des Entzündungshemmers Interleukin-10 war im Süden höher. Darüber hinaus waren beide Herzkammern auf jeweils andere Weise betroffen, was laut den Forschern auf deren spezifische Funktion zurückzuführen sei.

Schäden erst auf lange Sicht

"Insgesamt kann man sagen, dass verschmutzte Luft schon bei jungen Menschen im Herz Entzündungen auslösen kann und dass die Endotoxine dabei eine wesentliche Rolle spielen dürften", so Studienleiter Villareal. Ein unmittelbarer Schaden für die Gesundheit entstehe dadurch nicht, bemerken die Forscher. Im Alter könnten diese chronische Entzündung jedoch zu einem wichtigen Faktor für Herzkrankheiten werden.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-salzburg.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie