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Wie die Schweiz die Forschungsförderung für innovative Umwelttechnologien verstärken kann

26.05.2011
Innovative Umwelttechnologien zum Beispiel im Bereich nachhaltiger Mobilität oder Ressourceneffizienz haben ein großes Potenzial für wirtschaftliches Wachstum. Wie beispielsweise die Schweiz dieses sogenannte „Cleantech“-Potenzial nutzen kann, zeigt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI.

Unter anderem ist es notwendig, den Wissens- und Technologietransfer zu verbessern, die Cleantech-spezifische Förderung auszubauen sowie angewandte Forschung und private FuE-Aktivitäten zu fördern.

Laut der aktuellen Studie „Optimierung der Wertschöpfungskette Forschung – Innovation – Markt im Cleantech-Bereich“ ist die Schweiz derzeit zwar relativ gut, aber nicht optimal aufgestellt, um an den Wachstumspotenzialen der Cleantech-Branche angemessen teilzuhaben. Die Wissenschaftler des Fraunhofer ISI analysierten die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Elektrizitätsspeicher, Erneuerbare Materialien, Abfallwirtschaft und Ressourceneffizienz, „klassische“ Umwelttechnologien sowie Nachhaltige Mobilität. Auf Grundlage der Erkenntnisse erfolgt derzeit eine strategische Neuausrichtung der politischen Förderung, um die Chancen der Schweiz besser nutzen zu können.

„Das Schweizer Innovationssystem ist generell und im Bereich Cleantech im internationalen Vergleich gut positioniert, zudem gibt es keine Hinweise auf eine systematische Lücke zwischen Forschung und Markt“, fasst Projektleiterin Dr. Katrin Ostertag ein Ergebnis der Studie zusammen. Politischen Handlungsbedarf gibt es dennoch, denn die Entwicklung über einen längeren Zeitraum gibt Grund zur Sorge: Im Vergleich zu den 90er Jahren haben sowohl die Cleantech-spezifische Außenhandelsstärke der Schweiz als auch ihre Spezialisierungsvorteile im Kompetenzportfolio abgenommen. Der Anteil der Schweiz an den weltweiten Patentanmeldungen im Cleantech-Bereich ist über den gesamten Betrachtungszeitraum gesunken, ebenso der Welthandelsanteil für Cleantech. „Um die bisherige Spitzenstellung zu halten und an der weltweiten Dynamik des Bereichs zu partizipieren, müssen sich die Akteure des Innovationsystems stärker anstrengen, als sie es derzeit tun“, so Ostertag.

Dabei sollten die Stärken und Schwächen im Cleantech-Bereich umfangreich betrachtet werden, wofür es ein breiteres Bündel von Förderpolitiken braucht, als es bisher in der Schweiz eingesetzt wird. Eine Cleantech-spezifische Stärkung der Wissensbasis und eine deutlichere Ausrichtung des nationalen Innovationssystems auf Cleantech-Themen sind wichtige Ansätze. Solche Veränderungen erfordern politische Steuerung, insbesondere müssen die Prioritäten des Fördersystems umgelenkt und die knappen Mittel umgeschichtet werden, da künftig einige bisher schwächer oder nicht geförderte Bereiche stärkere Beachtung verdienen.

Konkret gibt es vier Handlungsfelder:

1. Verbesserung des Wissens- und Technologietransfers
Der Wissens- und Technologietransfer sollte intensiviert werden. Wissen muss in viele Richtungen fließen, zum Beispiel auch von Unternehmen hin zu Forschungseinrichtungen und zwischen Unternehmen, dazu gehören auch FuE-Kooperationen. Sehr effizient ist der Transfer durch Personalaustausch, der verstärkt werden sollte. Außerdem ist es notwendig, dass Mitarbeiter regelmäßig ihre Erfahrungen austauschen sowie gemeinsame Strategien und Arbeitsstandards entwickeln können. Schließlich ist die Internationalisierung von Netzwerken wichtig, um Wettbewerbsposition und Innovationshöhe abschätzen und ausbauen zu können.
2. Ausbau der Cleantech-spezifischen FuE-Förderung
Eine Ausrichtung des nationalen Innovationssystems auf Cleantech-Themen bedarf der spezifischen FuE-Förderung. Angesichts der Breite der einzelnen Teilbereiche ist eine Differenzierung der Fördergegenstände und Ziele innerhalb der Cleantech-Bereiche notwendig. Die thematischen Schwerpunkte sollten unter Einbeziehung der Innovationsakteure aus Wissenschaft, Industrie, Zivilgesellschaft und Verwaltung festgelegt werden.
3. Förderung der angewandten Forschung und privater FuE-Aktivitäten
Die Förderung von angewandter FuE in Forschungseinrichtungen und Unternehmen verdient höhere Priorität. Damit könnte die im internationalen Vergleich leicht unterdurchschnittliche FuE-Intensität der Schweizer Unternehmen erhöht werden. Der Staat kann damit die Innovationsstrategien von Unternehmen in Richtung der nationalen Innovationsstrategien lenken.
4. Nachfrageorientierte Innovationspolitik
Die Nachfrageseite hat einen wichtigen Einfluss auf das Innovationsgeschehen. Speziell bei Nachhaltigkeitsinnovationen wird die Nachfrage stark durch Regulierungseinflüsse geprägt oder kommt durch staatliche Rahmensetzung zustande. Die Umwelttechnologieförderung sollte deshalb stärker in eine umfassende Innovationsstrategie eingebettet und der Policy-Mix um vermehrte Anreizprogramme zur Diffusion von Cleantech erweitert werden.

Weitere Informationen sowie die Lang- und Kurzfassung des Berichts sind auf der Seite http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/n/projekte/CleantechCH_PB323012.php zu finden.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
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Katja Rische | Fraunhofer ISI
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