Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwarze Listen schützen den Tropenwald

24.09.2015

Die Behörden Brasiliens veröffentlichen regelmäßig „Schwarze Listen“ mit Kommunen, die an der Spitze der illegalen Abholzung stehen. Dieses umweltpolitische Instrument zeigt Wirkung: Wissenschaftler vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) und dem Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik (ILR) der Universität Bonn haben nun erstmals berechnet, dass durch diese Form des Anprangerns jährlich 26 Prozent weniger vom brasilianischen Regenwald abgeholzt wurden. Die Ergebnisse sind nun im Fachjournal „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes ist rückläufig: Fielen im Jahr 2004 noch auf mehr als 27.000 Quadratkilometern die Bäume, reduzierte sich diese Fläche ab 2009 auf unter 10.000 Quadratkilometer.


Rückläufige Abholzung im Regenwald. Brasilien stellt illegale Rodung an den Pranger – erfolgreich, wie Forscher des Zentrums für Entwicklungsforschung zeigen.

(c) Bild: Marco Simola/Center for International Forestry Research (CIFOR)

„Hierfür ist ein ganzes Bündel an Faktoren verantwortlich“, sagt Elías Cisneros, Juniorforscher am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) und Mitarbeiter des Instituts für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik (ILR) der Universität Bonn. So sank beispielsweise mit der Finanzkrise auch die Nachfrage international gehandelter Agrar- und Forstprodukte.

Dass aber auch die Umweltpolitik Brasiliens eine entscheidende Rolle beim Regenwaldschutz spielt, konnte Cisneros nun zusammen mit Sophie Lian Zhou (ILR) und Juniorprofessor Dr. Jan Börner (ZEF) nachweisen.

Brasilianische Behörden stellen illegale Abholzungen an den Pranger

Die Wissenschaftler untersuchten die Wirkung von sogenannten Schwarzen Listen: Regelmäßig veröffentlichen die brasilianischen Behörden die Namen der Kommunen mit den höchsten Abholzungsraten. „Medien und Nichtregierungsorganisationen sorgen dann dafür, dass unter anderem die verantwortlichen lokalen Akteure am Pranger stehen“, berichtet Prof. Börner. Diese Politik des „Naming and Shaming“ (englisch für „benennen und anprangern“) führt nach den Berechnungen der Forscher dazu, dass in den vergangenen Jahren rund 26 Prozent weniger Wald abgeholzt wurde.

Seit dem Jahr 2008 nutzt Brasilien das politische Instrument. Von insgesamt 771 Distrikten im brasilianischen Regenwald wurde in 50 Gebieten mit besonders intensiver Abholzung das „Naming und Shaming“ eingeführt. „Kommunen, die auf dem Index stehen, befürchten unter anderem wirtschaftliche Einbußen“, sagt Cisneros. Dieses Bangen um den Verlust von Marktchancen trägt dazu bei, dass illegale Abholzungen deutlich abnehmen.

Wie groß wäre die Abholzung, wenn es keine Schwarzen Listen gäbe?

Ein weiterer wichtiger Faktor sind verstärkte Kontrollen durch die Behörden. Grundlage ist ein sehr modernes Satellitenüberwachungssystem Brasiliens, das auch kleinere illegale Abholzungen erfasst. Dadurch wird es für Kontrolleure leichter, die Verursacher vor Ort aufzuspüren. „Wir konnten aber mit unseren Berechnungen zeigen, dass es über die Kontrollen hinaus mit den Schwarzen Listen einen weiteren wichtigen Einflussfaktor gibt“, berichtet Cisneros. Die Forscher verglichen gelistete Kommunen mit vergleichbaren nicht-gelisteten Kommunen. „Das kollektive Streben, den Ruf der Kommune zu verbessern, scheint zwischen 2008 und 2012 eine wichtige Triebfeder für den Schutz von über 4000 Quadratkilometern, etwa der 40-fachen Fläche des Nationalparks Schwarzwald, gewesen zu sein“, fasst Prof. Börner das Ergebnis zusammen.

Semesterarbeit als Grundlage der Studie

Die Untersuchung geht auf eine Semesterarbeit der Studentin Sophie Lian Zhou in den Agrarwissenschaften an der Universität Bonn zurück. Sie war im Rahmen eines von Prof. Börner angebotenen Kurses über Methoden der Wirkungsevaluierung auf die Schwarzen Listen gestoßen und hatte diese in ihrer Abschlussarbeit thematisiert. „Prof. Börner und sein Doktorand Herr Cisneros interessierten sich für das Thema, das wir dann gemeinsam wissenschaftlich weiterverfolgen“, sagt Zhou. Dabei herausgekommen ist ein gelungenes Beispiel für forschungsnahe Lehre.

Publikation: Naming and shaming for conservation: evidence from the Brazilian Amazon, Fachjournal „PLOS ONE“

Kontakt für die Medien:

Marco Elías Cisneros Tersitsch
Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik (ILR)
Abteilung Ressourcen und Umweltökonomik
Universität Bonn
Tel. +49 228/731942
E-Mail: e.cisneros@uni-bonn.de

Junior Prof. Dr. Jan Börner
Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF)
Universität Bonn
Tel. +49 228/731873
E-Mail: jborner@uni-bonn.de

Weitere Informationen:

http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0136402 Veröffentlichung im Internet
https://blogazonia.wordpress.com/2015/09/23/shaming/ Blog-Beitrag
http://www.ilr.uni-bonn.de Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik (ILR)
http://www.zef.de/envpol.html Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF)

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics