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Schutzgebiete gegen Effekte der Ozeanerwärmung machtlos

28.08.2008
No-Take-Zonen helfen bei Korallenbleiche nicht

Meeresgebiete, in denen sämtliche Tiere und Pflanzen geschützt sind und nichts entnommen werden darf - so genannte No-Take-Zonen - bieten keinen Schutz vor der gefürchteten Korallenbleiche. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam im Wissenschaftsmagazin PloS ONE.

Die Wissenschaftler um Nicholas Graham University of Newcastle haben insgesamt 66 Plätze im Indischen Ozean untersucht und ausgewertet. Korallenbleiche ist demnach eine Folge der hohen Meerwassertemperaturen. Die mit den Korallen symbiotisch lebenden Algen verlassen dabei die Korallenstöcke. Das führt zum Tod der sonst so üppig bunten, riffbildenden Lebewesen.

"Obwohl die Schutzgebiete eigentlich nicht als Mittel gegen die Bleiche eingerichtet wurden, gab es große Erwartungen, dass ein gesunder Fischbestand dem Riff das Überleben sichern könnte", meint Graham. Unglücklicherweise sei gerade das nicht der Fall gewesen. Auch in den No-Take-Zones sei es - ebenso wie in den nicht geschützen Zonen - zur gefürchteten Korallenbleiche mit schlimmen Auswirkungen auf die Fischfauna gekommen.

"Einige Riffgebiete wie etwa die des einsamen Chagos-Archipels - den südlichen Ausläufern der Malediven - hatten sich rascher erholt als andere Regionen, schreiben die Experten. Auch einige Teile der Seychellen, die von tieferen Gewässern umgeben sind, hätten sich schneller erholt. "Die Meeresströmungen haben die Riffe offensichtlich auch von abgesetzten Sedimentresten befreit. Diese wirken hemmend auf die Wiederbesiedlung von Korallen", erklärt der Forscher.

Davon, dass man die No-Take-Zonen wieder außer Kraft setzt, hält Graham nichts. "Für die Erholung der Fischbestände sind diese Zonen sehr wichtig", erklärt der Wissenschaftler, der zudem fordert, dass weitere Zonen, die den Schutz der Korallenriffe fokussieren, notwendig wären. "Dringend erforderlich sind in diesem Zusammenhang auch Reduktionen hinsichtlich der Umweltbelastung und dem Eintrag an Sedimenten."

"Das Korallensterben ist eine der Auswirkungen des Klimawandels", meint der Wiener Meeresbiologe Jörg Ott von der Universität Wien im pressetext-Interview. "Waren es vor einigen Jahren noch Korallen-Deckungsgrade von 50 bis 60, teilweise sogar 100 Prozent, sind es heute maximal 30 Prozent." Das Erschreckende dabei sei allerdings, dass wichtige große Korallen, wie etwa die Acroporas zum Teil völlig zerstört sind. "Wenn die dünne Haut der Korallenstöcke weg ist, siedeln sofort andere Lebewesen in den Korallenstöcken und sorgen für weitere massive Zerstörungen, bei denen der Kalk abgebaut wird." Ein solcher Riffabbau gehe wesentlich schneller vor sich als der Riffaufbau. Problematisch sei der Zustand dann, wenn die kritische Temperaturmarke permanent überschritten wird. Ott kritisiert in diesem Zusammenhang auch, dass häufig vergessen werde, dass Korallenriffe Strukturen sind, die die Küsten schützen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ncl.ac.uk
http://www.univie.ac.at/marine-biology

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