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Der Schutz der Waldböden hat hohe Priorität

28.11.2013
Es gilt heute weitgehend als anerkannt, dass man Waldböden konsequent vor irreversiblen Beeinträchtigungen wie Verdichtung schützen muss.

150 Fachleute aus der Schweiz, Deutschland und Österreich erörterten am „Forum für Wissen“ der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL die Ziele und Konflikte des Bodenschutzes sowie Wege, wie Böden möglichst wenig verformt werden. Die Forschung ergab, dass sich der Grad der Verdichtung und der Erfolg einer allfälligen Regeneration auch mit neuen mikrobiologischen Methoden anhand der unter tiefen Fahrspuren vorkommenden Bakterien- und Pilzarten bestimmen lassen.


Holzerntemaschinen hinterlassen Spuren im Wald.
Foto: Marco Walser, Eidg. Forschungsanstalt WSL

Nicht nur landwirtschaftliche Böden muss man vor Schadstoffanreicherung oder Verdichtung schützen. Die Augen richten sich auch auf die Waldböden, auf denen weiterhin naturnahe und produktive Wälder wachsen und sich verjüngen sollen. Diese Überzeugung hat sich in Europa erst in den letzten Jahren durchgesetzt. In der Schweiz hat sich der Bodenschutz im Wald seit dem Sturmereignis "Lothar" (1999) stark entwickelt. Durch praxisnahe Kommunikation haben Forschende von WSL und ETH Zürich zahlreiche Fachleute in Forstverwaltungen und -unternehmern sowie Waldeigentümer zum Bodenschutz im Wald sensibilisiert.

Die gesetzlichen Vorgaben und die Waldpolitik 2020 in der Schweiz verlangen, dass Waldböden langfristig fruchtbar bleiben müssen. Die Böden reagieren jedoch sensibel auf äussere Einflüsse wie das Befahren mit schweren Holzerntemaschinen. "Jeder Druck auf den Boden hinterlässt ein Signal", sagte Peter Lüscher (WSL), unter dessen Leitung ein Team typische Spurbilder in leicht verständlichen Grafiken entwickelte. "Anhand dieser Spurtypen stellt man schnell fest, ob ein Boden leicht, mässig oder – wie beim Spurtyp 3 – schwer verformt und verdichtet ist", sagt Lüscher.

Europaweit erstmalige Experimente zur Bildung von Fahrspurtypen

Forschende der WSL führten in drei Kantonen auf Waldböden mit vorgegebener Bodenfeuchte Befahrungsexperimente durch. Sie erhoben vor und nach dem Befahren bodenphysikalische und mikrobiologische Daten und nahmen die durch den Druck der Holzerntemaschinen verursachten Veränderungen in mehreren Bodentiefen unter die Lupe. Diese unter bekannten Rahmenbedingungen erstmals in Europa durchgeführten Experimente zur Spurbildung zeigen, wie stark sich Waldböden verformen und verdichten, wenn sie befahren werden, und wie Bodenart und vor allem Bodenfeuchte diesen Prozess beeinflussen. Genetische Untersuchungen der in diesen Böden lebenden Bakterien und Pilze ergaben, dass sich in verdichteten Böden statt der sauerstoffliebenden Arten, die in gut durchlüfteten Böden dominierten, viel mehr Arten befanden, die ohne Sauerstoff auskommen. Dies hemmt das Wachstum von Mykorrhiza-Pilzen und der mit ihnen assoziierten Baumwurzeln.

Darüber hinaus pflanzten Forschende von WSL und ETH Zürich an Orten mit guten Lichtverhältnissen junge Schwarzerlen in Fahrspuren aller Typen. Von dieser Baumart ist bekannt, dass ihre Wurzeln auch ohne Sauerstoff im Boden wachsen und diesen auflockern können. Die Versuche bestätigten dies: "Innerhalb von weniger als zehn Jahren fanden wir unter den Erlen erste Zeichen einer Lockerung sogar bis in eine Bodentiefe von 70 cm", sagt Rainer Schulin vom Institut für Terrestrische Ökosysteme der ETH Zürich. Und wie erwartet siedelten sich auch die für das Bodenleben wichtigen Bakterien und Pilze wieder an. "Wir gehen davon aus, dass sich in diesen Fahrspuren nach weiteren 5-10 Jahren auch andere Baumarten wieder verjüngen", sagt Beat Frey, Bodenökologe an der WSL.

Bodenschutz breit abstützen

Nur wer die in Waldböden ablaufenden Prozesse sowie die gesetzlichen Vorgaben gut kennt, kann Waldböden gezielt schützen. Hinzu kommt ein Mindestmass an ökonomischen Grundkenntnissen, wie Winfried Blum vom Institut für Bodenforschung der Universität für Bodenkultur Wien betont: "Ohne ökonomisch quantifizierte Auswirkungen holen sie keinen Politiker vom Stuhl; und die Politik entscheidet, welche Bandbreite wir haben".

Beim Bodenschutz spielen auch die Eigentümer der Wälder eine entscheidende Rolle, wie Alain Morier, Leiter der Abteilung Wald des Kantons Aargau, am "Forum für Wissen" betonte: "Wer Waldeigentümer für den Bodenschutz begeistern will, der muss seine Argumentation an der Holznutzung aufhängen." "Bei der Holzernte zählt oft jeder Franken, der die Bereitstellung an der Waldstrasse verteuert", sagt Oliver Thees (WSL). Er beziffert die kurzfristigen Zusatzkosten des Bodenschutzes unter günstigen Verhältnissen auf 1 bis 5 Franken pro Kubikmeter Holz. Wird jedoch der Einsatz maschineller Spezialausrüstung notwendig, können diese auf 10.- Fr./m3 und mehr steigen. Diese Mehrkosten können Forstbetriebe bei zunehmendem Kostendruck bald nicht mehr aufbringen.

Wissen in der Praxis umsetzbar

"Bodenforscher wissen heute durch die Fahr- und Bepflanzungsexperimente, aber auch durch technische Entwicklungen in Genetik und Modellierung, viel mehr über beeinträchtigte Böden als noch vor ein oder zwei Jahrzehnten", sagt Peter Lüscher. Im Rahmen des vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) geförderten WSL-Projektes "Physikalischer Bodenschutz im Wald" vermittelten die Bodenspezialisten der WSL ihr Wissen an über 2000 Fachleute in der Praxis. Die bodenökologische Forschung und Umsetzung der WSL hat unterdessen auch Wissenschafter in den Nachbarländern dazu beflügelt, eigene Experimente anzulegen und ihre Kommunikation mit Verwaltungen, Praxis und Verbänden zu verbessern.

Weitere Informationen:

http://www.wsl.ch/medien/news/bodenschutz_forum_2013/index_DE
(Medienmitteilung WSL mit Links)

Reinhard Lässig | idw
Weitere Informationen:
http://www.wsl.ch
http://www.wsl.ch/medien/news/bodenschutz_forum_2013/index_DE

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