Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schilf und Wurzeln bieten Schutz

20.08.2008
Forscher untersuchen, wie Wellen von Motorbooten und Schiffen kleine Uferlebewesen beeinflussen

Schnecken, Krebse, Insektenlarven – der Uferbereich von Flüssen und Seen wird von unzähligen Kleinstlebewesen bevölkert, die eine wichtige Rolle in der Nahrungskette und im Ökosystem der Gewässer spielen. Sie fressen unter anderem das Laub, das ins Wasser fällt, und halten so die Gewässer sauber.

Bis zu 10.000 Organismen finden sich auf einem Quadratmeter Flachwasser, darunter sind auch viele Larven von Landinsekten. Wissenschaftler nennen die gesamte Gruppe Makrozoobenthos - das sind alle wirbellosen, am Gewässergrund lebenden Flachwasserlebewesen, die noch mit bloßem Auge erkennbar sind. Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben jetzt untersucht, welchen Einfluss Schiffswellen auf die Kleinstlebewesen haben.

Die Larve von Calopteryx splendens, einer Libellenart, krabbelt im flachen Wasser auf einem Stein herum. Dann betätigt Friederike Gabel die Wellenmaschine. Eine Welle, vergleichbar mit der eines Sportbootes, schwappt durch das drei Meter Lange Becken. Die Larve wird aufgewirbelt - „verdriftet“ sagen die Forscher - und rudert mehrere Minuten hilflos im Wasser herum, bis sie wieder „festen Boden“ unter den Füßen hat. „Wenn sie im Wasser treiben, laufen die Tiere Gefahr, gefressen zu werden“, beschreibt Gabel eine Folge des Wellenschlages. Außerdem müssten die Tiere Energie und Zeit verwenden um wieder Halt zu finden, was sich negativ auf Wachstum und Fortpflanzung auswirke. Die Forscher befürchten, dass Schiffswellen die Sterblichkeit der Tiere erhöhen könnten und damit zu einer Reduzierung der Artenvielfalt führen, was nachhaltigen Einfluss auf die ökologische Qualität von Flüssen und Seen hat.

Mit dem Versuchsaufbau haben sie im Labor bestimmt, bei welcher Wellenstärke welche Organismen von ihren Halteplätzen weggerissen werden. Die Ergebnisse haben sie jetzt in der Zeitschrift Freshwater Biology (2008, 53, 1567-1578) veröffentlicht. Sie fanden heraus, dass die Verdriftung umso geringer war, je komplexer der Lebensraum war. „Am wenigsten Einfluss haben Wellen, wenn das Ufer mit Wurzeln bestanden ist“, berichtet Gabel. Auch dichte Schilfgürtel würden den Tieren ausreichend Schutz vor der Kraft der Wellen bieten. Auf Sand und Steinen hingegen sei die Verdriftung am stärksten. Komplexe Lebensräume würden zum einen die Kraft der Wellen reduzieren zum anderen bieten sie bessere Versteck- und Festhaltemöglichkeiten für die Tiere, so Gabel.

Die Forscher haben nun begonnen, Proben im natürlichen Lebensraum zu sammeln. Sie wollen ermitteln, welche Auswirkungen die Wellen langfristig auf die Uferbewohner haben. Dazu untersuchen sie verschiedene Punkte in der Havel und vergleichen Uferbereiche, die mehr oder weniger den Schiffswellen ausgesetzt sind.

Sie seien nicht gegen den Schiffsverkehr, betont Gabel, sie sehen jedoch einfache Maßnamen zum Schutz der Uferbereiche. „Im Ergebnis unserer Untersuchungen könnten wir Empfehlungen an das Gewässermanagement formulieren, etwa zur Gestaltung der Uferbereiche oder dass Schiffe in bestimmten Bereichen weiter entfernt vom Ufer oder auch langsamer fahren sollten“, so die Forscherin

Weitere Informationen und Bildmaterial:

Friederike Gabel, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Tel.: 030 64181 693, Mobil: 0160-99137880, E-Mail: gabel@igb-berlin.de oder Dr. Xavier-François Garcia, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Tel.: 030 64181685, Mobil: 0157-71789318, E-Mail: garcia@igb-berlin.de

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Mit der Filtermembran auf den Weltmarkt
12.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie

Innovative High Power LED Light Engine für den UV Bereich

22.06.2017 | Physik Astronomie

Wie Menschen Schäden an Gebäuden wahrnehmen

22.06.2017 | Architektur Bauwesen