Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schiffswrack gefährdet entlegenes Korallenriff

20.08.2008
Eisenteilchen verändern Umwelt - Invasoren profitieren

Aggressive Invasoren breiten sich in einem entlegenen Korallenriff auf dem Palmyra-Atoll aus, seitdem dort 1991 ein Schiff unterging.

Ein Forscherteam vom National Wildlife Health Center der US Geological Survey machen dafür die rostenden Eisenteile des Wracks verantwortlich. Demnach sorgt das Eisen für eine Düngung, die wiederum die Invasion der Scheibenanemone Rhodactis howesii begünstigt.

Die Forscher wollen nun das Wrack bergen und berichten im Wissenschaftsmagazin PloS ONE, dass man darüber auch in anderen Weltgegenden nachdenken sollte, um die Ausbreitung von Invasoren zu beschränken.

Korallenriffe können in relativ kurzer Zeit ihr gesamtes Aussehen verändern. In den vergangenen Jahren konnten Wissenschaftler weltweit Veränderungen der Riffe in Bezug auf die dort lebenden Tiere und Pflanzen feststellen. Diese sind zum Großteil durch menschliches Zutun wie etwa Umweltverschmutzung, nicht-nachhaltige Fischerei und Klimaerwärmung entstanden.

"Es ist allerdings sehr schwierig immer die genaue Ursache für die Zerstörung auszumachen", so Lead-Autor Thierry Work. Auf dem isolierten Palmyra-Atoll, das als Militärstützpunkt im Zweiten Weltkrieg genutzt, kurz danach allerdings verlassen und 2001 zum National Wildlife Refuge erhoben wurde, hatte man 1991 einen ausrangierten rund 30 Meter langen Fischkutter versenkt. Knapp 13 Jahr später haben die Forscher das Wrack und das umliegende Terrain das erste Mal untersucht. Damals war keine Veränderung feststellbar.

2005 konnten die Forscher jedoch beobachten, dass sich Scheibenanemonen in großer Zahl rund um das Wrack bildeten und andere Spezies verdrängten. Ein Jahr später hatten die invasiven Scheibenanemonen noch weitere Regionen im Riff erobert und ihr Ausbreitungsgebiet im Vergleich zum Vorjahr auf zwei Quadratkilometer Fläche verdoppelt. Zugleich verschwanden die bisher dort lebenden Korallen fast ganz. Für den Forscher ist die plötzliche Ausbreitung der Scheibenanemonen - die übrigens aufgrund ihrer einfachen Pflege und schnellen Reproduktion auch von Seewasser-Aquarianern gern gehalten werden - auf die Eisendüngung zurückzuführen. Work und sein Team überlegen nun ob eine Rettung des Riffs auch nach der Bergung des Wracks in Frage komme. Möglicherweise müsse man sogar mit chemischer Sterilisation gegen die Invasion der Seeanemonen vorgehen.

Andere Experten stehen der Theorie des Forscherteams sehr kritisch gegenüber. "Diese Studie erlaubt keine schlüssigen Beweise, dass Eisen für diese Invasion verantwortlich ist", meint die Korallenforscherin Maggy Nugues vom Zentrum für Marine Tropenökologie http://www.zmt-bremen.de im pressetext-Interview. Die Forschungsergebnisse machen jedenfalls weitere Untersuchungen notwendig, so Nugues. "Man sollte anhand dieser Ergebnisse allerdings nicht alle Schiffswracks vom Meeresgrund entfernen. Viele dieser Schiffe und Boote bieten zahlreichen Meerestieren - darunter auch Fischen und Korallen - Schutz und wirken wie kleine marine Schutzzonen." Nugues meint zudem auch, dass solche "Phasenverschiebungen" sehr schwer rückgängig zu machen sind.

"Eine Garantie, dass mit der Bergung des Wracks die Korallen wieder kommen, gibt es nicht." Es sei der Frage nachzugehen, was tatsächlich zur Überhandnahme der Anemonen geführt habe. "Es ist nicht logisch, warum Korallen das Wrack nicht in Beschlag genommen haben", argumentiert die Expertin. Möglicherweise standen die Korallen auf dem Atoll ohnehin aufgrund von Umweltbedingungen unter extremen Stress", erklärt die Wissenschaftlerin abschließend im pressetext-Interview.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nwhc.usgs.gov

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie verändert der Verlust von Arten die Ökosysteme?
18.05.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie