Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017

Der zusätzliche Einsatz von Handbesen, Kehrsaugmaschine, Industriesauger und Scheuersaugmaschine reduziert die Verunreinigung der Waschwässer von Binnenschiffen erheblich. Das belegen die Ergebnisse eines vom Bayerischen Umweltministerium geförderten Forschungsprojekts der OTH Regensburg, welches einen Beitrag im Umgang mit dem 2009 eingeführten „Übereinkommen über die Sammlung, Abgabe und Annahme von Abfällen in der Rhein- und Binnenschifffahrt (CDNI)“ leisten will. Laut CDNI darf z.B. durch Düngemittel verunreinigtes Waschwasser nicht mehr in die Gewässer eingeleitet werden, sondern muss an Kläranlagen abgegeben werden.

Neben Straßenbesen und Wasserschlauch tragen der zusätzliche Einsatz von Handbesen, Kehrsaugmaschine, Industriesauger und Scheuersaugmaschine dazu bei, dass erheblich weniger Schadstoffe im Waschwasser von Binnenschiffen landen. Die bisherige Reinigung muss also erweitert, kann jedoch nicht ersetzt werden. Ausschließliche Trockenreinigung ist nicht zielführend.


Zwei Forscher der OTH Regensburg haben in einem vom Bayerischen Umweltministerium geförderten Projekt eine Reinigungsmethode erarbeitet, bei der möglichst wenig verunreinigtes Wasser anfällt.

Foto: OTH Regensburg / Uwe Moosburger

Und: Die Reinigung von alten Schiffen mit Holzbeplankung, in denen sich zum Beispiel Düngemittelreste hartnäckig einlagern, ist problematisch. Das einjährige, fakultätsübergreifende Forschungsprojekt „CDNI - Abwässer aus der Wäsche von Binnenschiffen“ konnte das anhand von Praxistests bei 65 Schiffen an neun bayerischen Hafenstandorten nachweisen.

Die Projektverantwortlichen haben ihre Ergebnisse am Dienstag, 17. Oktober, anlässlich einer Abschlussveranstaltung präsentiert und mit mehr als 100 vom Thema betroffenen Protagonisten aus ganz Deutschland diskutiert.

Vormittags gab es Vorträge zum Thema, nachmittags gab es dann sogar eine Live-Reinigung eines Schiffes mit verschiedenen Maschinen am Osthafen in Regensburg. Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der OTH Regensburg, lobte das Projekt als ein Vorzeigebeispiel interdisziplinärer, angewandter Forschung, wie es für eine Hochschule für angewandte Wissenschaften typisch und vorbildlich sei.

Die Ergebnisse der Forschung an der OTH Regensburg sollen als Grundlage für einen Leitfaden des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz dienen, welches das Projekt mit 150.300 Euro gefördert hat. Projektpartner waren die Bayernhafen Gruppe mit Sitz in Regensburg, Betreiber der wichtigsten Hafenanlagen an den bayerischen Binnengewässern und die Bavaria Schifffahrts- und Speditions-AG, Aschaffenburg, wichtigster Schiffseigner in Bayern.

Für Reedereien, Umschlags-, Hafen- und Schiffsbetreiber ist es wichtig, möglichst schadstoffarmes Waschwasser zu erzeugen, um es bestenfalls direkt in die Kläranlage einleiten zu dürfen. Bislang fordern Kläranlagenbetreiber umfangreiche Analysen des Waschwassers oder verweigern sogar die Annahme des Waschwassers, da sie sich außerstande sehen, das verunreinigte Waschwasser zu klären.

Hintergrund: Das Waschwasser darf seit Einführung des „Übereinkommens über die Sammlung, Abgabe und Annahme von Abfällen in der Rhein- und Binnenschifffahrt (CDNI)“ im Jahr 2009 nicht mehr in die Gewässer geleitet werde, sondern muss an die Kläranlagen abgegeben werden.

Diese Thematik im Zusammenhang mit dem „CDNI“ ist in der Wissenschaft weitgehend unerforscht. An der OTH Regensburg kümmerten sich Prof. Andreas Ottl, Experte für Siedlungswasserwirtschaft an der Fakultät Bauingenieurwesen, und Prof. Dr. Walter Rieger, Experte für analytische Chemie und Umweltanalytik an der Fakultät Allgemeinwissenschaften und Mikrosystemtechnik und Gefahrstoffbeauftragter der OTH Regensburg, zusammen mit den drei wissenschaftlichen Mitarbeitern Agnes Kraml, Simon Hofer und Thomas Poxleitner um das Thema.

Die Projektbeteiligten stellten anlässlich der Abschlussveranstaltung ihre Bestandsaufnahme vor und erklärten, welche Probleme sie dabei bei den Beteiligten erkennen konnten. Des Weiteren präsentierten die Projektverantwortlichen ihre Forschungsergebnisse in komprimierter Form. Prof. Dr. Walter Rieger schlug zudem eine Art Schnelltest der spezifischen Leitfähigkeit vor, da dieser sofort Rückschlüsse auf den Grad der Verunreinigung des Waschwassers erlaube und dadurch eine Einleitung in die Kläranlage künftig beschleunigen könnte.

In der Diskussion mit allen Anwesenden kamen auch alternative Entsorgungsmöglichkeiten des Waschwassers, wie die Rückgewinnung von Düngemittel aus dem Waschwasser durch chemische Verfahren, zur Sprache. Vor allem der Mehraufwand, der mit zirka zwei bis drei Stunden pro Reinigung eines Schiffes veranschlagt wird, und die dadurch entstehenden Mehrkosten stellten sich als entscheidende Kriterien bei der Anwendung der Reinigungsmethode heraus.

Neben den Projektverantwortlichen sprachen anlässlich der Abschlussveranstaltung Dr. Ulrike Grüter vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und Winfried Kliche vom Bundesverkehrsministerium. Dr. Grüter stellte das von sechs Staaten (Schweiz, Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg und Niederlande) geschlossene „Übereinkommen für den Umgang mit Abfällen aus der Rhein- und Binnenschifffahrt (CDNI)“ vor, Kliche ging unter anderem auf die Änderungen des CDNI in den ersten acht Jahren seiner Geltung ein.

Von den praktischen Problemen bei der Umsetzung der Anforderungen des CDNI berichteten in kurzen Vorträgen Andreas Dicke, Bavaria AG, und Klaus Hohberger, Bayernhafen GmbH & Co. KG. Dr. Andrea Wenzel von der BayWa AG berichtete von Seiten eines Umschlagbetreibers. Bislang werde der Umgang mit den Waschwässern größtenteils pragmatisch gelöst, so Dr. Wenzel, jedoch dauere die Beprobung und Analyse des Waschwassers mitunter bis zu vier Tage. Kleinere Kläranlagen verweigerten bisweilen auch die Einleitung der Waschwässer in ihre Anlagen. Dr. Wenzel würde sich an großen Häfen Waschanlagen mit automatisierter Einleitung in die Kläranlagen, ähnlich einer Autowaschanlage, wünschen.

MBA Diana Feuerer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.oth-regensburg.de/

Weitere Berichte zu: Binnenschifffahrt Kläranlage Kläranlagen Waschwässer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte