Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sauberes Trinkwasser für Sansibar

23.11.2011
Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft an Aufbau dezentraler Meerwasserentsalzungsanlagen beteiligt

Auf Sansibar – wie auch in vielen anderen Teilen der Erde – haben viele Menschen keinen Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser. Vor allem in abgelegenen Regionen, in denen häufig auch keine Elektrizität zur Verfügung steht, ist die Wasserversorgung oft absolut unzureichend. Brunnen und Quellen liefern in vielen Fällen kein unbedenkliches Trinkwasser, da das Grundwasser verschmutzt ist.

Ein besonderes Problem ist auf Sansibar die zunehmende Versalzung von Brunnen in Küstennähe. Gründe hierfür sind deren jahrelange exzessive Nutzung sowie der durch den Klimawandel bedingte Anstieg des Meeresspiegels, wodurch vermehrt Meerwasser landeinwärts gelangt. So können heute Trinkwasserbrunnen aufgrund ihrer Versalzung nicht mehr genutzt werden. Für einen großen Teil der Bevölkerung ist die Trinkwasserversorgung nur über teures Wasser aus Kunststoffflaschen möglich.

Auf Sansibar, Tansania, konnte am 14. November 2011 in Anwesenheit des deutschen Botschafters Klaus-Peter Brandes und Ali Juma Shamhuna, Minister for Lands, Housing, Water and Energy, Sansibar, eine Pilotanlage zur Trinkwasserversorgung in Betrieb genommen werden. Das Projekt wird durch die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) finanziell gefördert. Neben der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft sind an ihm zudem das mittelständische Unternehmen Mörk Bau (Leonberg) sowie die Firma Dow, ein weltweit führender Membranhersteller beteiligt. Als lokale Partner sind die regierungsunabhängige Organisation Pamoja sowie das Karume Institute of Science and Technology in das Projekt eingebunden. Zentrales Ziel des Projekts ist die ökologisch nachhaltige und kostengünstige Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser in benachteiligten Gebieten Sansibars.

Neben dem Aufbau von Meerwasserentsalzungsanlagen sieht das Konzept auch die Ausbildung und Information der Bevölkerung als wichtigen Bestandteil vor. Die Meerwasserentsalzungsanlagen basieren auf dem Prinzip der Umkehrosmose. In dieser wird Meerwasser unter Druck durch eine halbdurchlässige (semipermeable) Membrane gepresst. Dabei werden Salzionen zurückgehalten, sodass sich hochwertiges Trinkwasser gewinnen lässt. Die in diesem Projekt verwendete Umkehrosmoseanlage zeichnet sich durch ein besonders energieeffizientes Entsalzungsverfahren aus, sodass die Energieversorgungseinheiten entsprechend klein ausgelegt werden können. Die Anlagen werden nachhaltig mittels Photovoltaik und Wind mit Energie versorgt – sie sind also energieautonom. Sie produzieren etwa 100 Liter Trinkwasser pro Stunde und werden in Küstennähe aufgebaut. Zur Entnahme des Meerwassers wird ein bereits versalzener Brunnen genutzt oder mit Hilfe der Bevölkerung ein neuer Brunnen an der Küste ausgehoben.

Die Pilotanlage wurde zu Demonstrationszwecken errichtet, um unter realistischen Rahmenbedingungen ein nachhaltiges und an die Bedingungen vor Ort angepasstes Betriebskonzept für autarke, dezentrale Meerwasserentsalzungsanlagen vorzustellen. Dieses Konzept wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jan Hoinkis, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Angewandte Forschung an der Hochschule Karlsruhe, entwickelt und getestet.

Es liegen bereits mehrere Bestellungen aus Sansibar für Entsalzungsanlagen vor, die im Laufe des nächsten Jahres errichtet werden sollen. Zum Betrieb der Anlagen und zur Ausbildung lokaler Experten sollen in Zusammenarbeit mit der HsKA Trainingskurse entwickelt und am lokalen Karume Institut of Science & Technology durchgeführt werden. So können lokale Fachkräfte diese Anlagen dann selbstständig betreiben. Damit entstehen nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch die Eigenständigkeit der Betreiber wird gefördert.

Insgesamt kann das Projekt einen Beitrag für die Millenium-Entwicklungsziele der UN für das Jahr 2015 leisten, nach denen der Anteil der Menschen, die keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser haben, auf die Hälfte reduziert werden soll.

Holger Gust | idw
Weitere Informationen:
http://www.moerkwater.com/
http://www.hs-karlsruhe.de/hochschule/aktuelles/presse/trinkwasser-auf-sansibar.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie