Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Recycling statt Mehrweg

06.08.2013
Umweltbewusste Entsorgung und Energieerzeugung für medizinische Großeinrichtungen

Das niederländische Unternehmen Pharmafilter hat ein Entsorgungsmodell für medizinische Großeinrichtungen entwickelt, das Abwasseraufbereitung mit Abfallentsorgung und biogasbasierter Energieerzeugung kombiniert.



Die Siemens-Division Industry Automation lieferte für die erste Anlage im Reinier-de-Graaf-Krankenhaus Delft Automatisierungstechnik, Prozessinstrumentierung, Mess- und Analysegeräte sowie das messtechnische Konzept. Das Ergebnis sind weniger Abfälle, schadstofffreies Abwasser sowie gestiegene Hygiene und geringerer Logistikaufwand.

Die umweltbewusste Lösung von Pharmafilter, die im Krankenhaus Reinier- de-Graaf in Delft erprobt wurde, kann je nach Anforderung verfahrenstechnisch angepasst und in großem Maßstab eingesetzt werden. Das Konzept beruht in erster Linie auf der Zusammenlegung von Abfall- und Abwasserströmen, deren kombinierter Aufbereitung sowie dem Einsatz von Einwegprodukten.

Aus dem umfassenden Siemens-Portfolio für Prozessanalytik und -instrumentierung liefern Sitrans-Messgeräte sowie Ultramat- Gasanalysatoren fortlaufend präzise Informationen über Temperatur, Durchfluss, Füllstand oder Druck für eine sichere Biogaserzeugung. Siwarex- Wägezellen sind für die exakte Erfassung des eingesetzten Substrats im Fermenter zuständig. Das Delfter Entsorgungsmodell basiert auf dem Prinzip „Recycling statt Mehrweg“.

Im herkömmlichen Krankenhausbetrieb werden benutztes Essgeschirr sowie medizinische Utensilien wie zum Beispiel Bettpfannen unter strengen Hygieneauflagen gesammelt, gereinigt, sterilisiert und zur Wiederverwendung weitertransportiert. In Delft sind diese Hilfsmittel aus Biokunststoff: Auf Stärke und Zucker basierende, nachwachsende Rohstoffe.

Biopolymere haben dieselben Eigenschaften wie herkömmliches Plastik, basieren aber nicht auf Mineralölen und lassen sich vollkommen biologisch abbauen. Anstatt Geschirr oder Bettpfannen auf die lange Mehrwegreise zu schicken, landet alles ohne Entleerung, Säuberung oder sonstige Schritte direkt in speziellen Schreddern. Diese zermahlen den Abfall und leiten ihn über das bestehende Wasser-/Abwassersystem des Krankenhauses zur Kläranlage auf dem Gelände.

Die Aufbereitung von Krankenhausabwasser ist eine Herausforderung: Kommunale Kläranlagen sind primär auf die Beseitigung von biologisch abbaubaren Materialien und die Entfernung von Nährstoffen wie Phosphor- und Stickstoffverbindungen ausgelegt. Auch modernste Aufbereitungsmethoden können hohe Konzentrationen von Arzneimittelrückständen, Röntgenkontrastmitteln oder pathogenen Keimen nicht ausreichend entfernen.

Selbst wenn bislang keine direkte Gefahr für Menschen durch diese Reststoffe nachgewiesen werden konnte, besteht kein Zweifel an Auswirkungen auf den Gewässerlebensraum, beispielsweise durch wassergebundene hormonell wirksame Substanzen. Um den Eintrag solcher Rückstände in das aquatische System grundsätzlich zu unterbinden, sind dezentrale Wasseraufbereitungsanlagen direkt auf dem Klinikgelände der sinnvollste Lösungsansatz.

Die Delfter Krankenhaus- Kläranlage hat eine Jahreskapazität von 60.000 Kubikmetern Abwasser sowie 200 Tonnen Festabfällen. Zudem wurde das Reinigungskonzept mit einem Prozess zur Biogaserzeugung kombiniert. Als Substrat für den anaeroben Abbau im Fermenter dienen, getrennt nach Feststoffen und Flüssigkeiten, die kohlehydrat- und fetthaltigen Abfälle aus den Stationsschreddern. Bei knapp 60 Grad Celsius erfolgt die mikrobielle Umwandlung der Biomasse in unter anderem Methan und Kohlendioxid. Die Abwässer durchlaufen mehrere Reinigungsstufen, wobei die Biomasse durch Membranmodule abgetrennt wird und durch Ultrafiltration sämtliche Schlammstrukturen und kolloidalen Stoffe aus dem Wasser entfernt werden. Eine Ozonbehandlung eliminiert Keime und Medikamentenrückstände. Die letzte Reinigungsstufe mit Aktivkohle entfernt noch etwaige verbliebene Arzeinmittelrückstände und hormonverändernde Spurenstoffe.

Da die durchschnittliche Säuberungsrate mindestens 98 Prozent beträgt und damit weit über den gesetzlichen Vorschriften liegt, darf das Wasser in das Oberflächengewässer eingeleitet oder zur Bewässerung von Grünflächen genutzt werden. Die Erzeugung und anschließende Verstromung von Biogas aus biologischen Reststoffen deckt die energetische Eigenversorgung der Anlage fast vollständig ab. Dazu erfordern die komplexen Prozesse im Fermenter optimale Umgebungsbedingungen. Eine kontinuierliche Prozesskontrolle mit maßgeschneiderter Mess- und Analysetechnik spielt dabei eine entscheidende Rolle. Stimmen wichtige Parameter wie Säuregehalt oder Temperatur nicht, kippt der Prozess, was einen Totalausfall der Anlage bedeuten würde.

Die umweltbewusste Lösung überzeugt auf der ganzen Linie. Die Abfallmenge hat sich um mehr als die Hälfte reduziert, und das Abwasser ist nahezu frei von Schadstoffen. Durch die Einwegprodukte ist der Hygienestandard gestiegen und der logistische Aufwand gesunken. Zudem wird die Sicherheit für die Patienten erhöht, das Pflegepersonal entlastet und die Umwelt durch die Säuberung des Wassers und der Verwendung von Abfallstoffen als Energieträger geschont.

Siemens AG
Corporate Communications and Government Affairs
Wittelsbacherplatz 2, 80333 München
Referenznummer: 07-08/2013
Media Relations: Ursula Lang
Tel.: +49 (0) 911 - 895 7947
E-Mail: ursula.lang@siemens.com
Siemens AG
Industry Sector - Industry Automation Division
Gleiwitzerstr. 555, 90475 Nürnberg

Ursula Lang | Siemens Industry
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/biogas
http://www.siemens.de/sensorsystems

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor
23.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wenn Korallen Plastik fressen
23.05.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics