Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Wilde Vorfahren" unserer Kulturpflanzen helfen Welternährung von morgen zu sichern

17.09.2008
Internationale Arbeitstagung zum EU-Projekt AEGRO zum Erhalt der Vielfalt von Wildformen unserer Kulturpflanzen am koordinierenden Julius Kühn-Institut. Bis 2010 sollen spezielle Maßnahmen zum Schutz von Wildarten eingeleitet werden, die schon heute in der Sortenzüchtung eine wichtige Rolle spielen.

Mit unseren Kulturpflanzen verwandte Wildarten enthalten genetische Informationen von unschätzbarem Wert für die Agrarwirtschaft. Deshalb gilt es, diese Wildpflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum (in situ) wirkungsvoll und dauerhaft zu schützen und damit zu erhalten. Das vom Julius Kühn-Institut (JKI) koordinierte EU-Projekt AEGRO hat genau diese Aufgabe zum Ziel.

Ab morgen (18. September) beraten sich 20 Wissenschaftler aus 10 europäischen Ländern anlässlich der AEGRO-Arbeitstagung am JKI in Quedlinburg. Denn in Genbanken allein können schon aus Kapazitätsgründen nicht alle potenziell nutzbaren Pflanzenarten tiefgefroren für die Zukunft gelagert werden. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Europäischen Strategie zur Erhaltung der Pflanzen.

"Die zum Beispiel in den 1960er Jahren begonnene und erfolgreiche Züchtung von Zuckerrübensorten mit Nematoden- oder Rizomania-Resistenz wäre ohne bestimmte Gene aus den Wildarten nicht möglich gewesen", so Dr. Lothar Frese vom JKI. Die Nematoden-Resistenz stammt aus spanischen Wildarten, die Rizomania-Resistenz aus einer am Strand von Kalundborg in Dänemark vorkommenden Art. Frese und seine Mitstreiter gehen davon aus, dass sich Kulturpflanzen schneller und unvorhersehbarer als bisher an Klimaveränderungen und neue Schaderreger anpassen müssen. "Wir benötigen künftig mehr denn je die genetische Vielfalt der Wildarten und dies angesichts eines unverminderten Artenverlustes weltweit", warnt Frese. Das unterstreicht die Bedeutung der Tagung, schon heute Vorkehrungen zum Schutz züchterisch wichtiger Wildarten zu treffen.

Die AEGRO-Projektpartner konzentrieren sich zunächst auf solche Wildarten, die bereits heute sehr selten oder stark gefährdet sind. Bis zum Jahr 2010 soll der Aufbau so genannter genetischer Schutzgebiete innerhalb bereits bestehender Naturschutzgebiete (Natura 2000 Gebiete) zum Beispiel für eine Rüben-Wildart (Beta patula) auf Madeira und für eine Kohl-Wildart (Brassica insularis) auf Sizilien abgeschlossen sein. Auf der Arbeitstagung geht es darum, geeignete Standorte für genetische Schutzgebiete zu finden und auszuwählen und für die wichtigsten Arten Managementpläne zu erarbeiten. Die Umsetzung muss dann in enger Kooperation mit den nationalen Umweltbehörden erfolgen. Seine britischen Kollegen arbeiten bereits an einem solchen europäischen Folgeprojekt in Kooperation mit Naturschutzbehörden.

Auch wenn die meisten der schutzwürdigen Wildarten in Europa im Mittelmeerraum zu finden sind (so genanntes Biodiversitätszentrum), finden sich gefährdete Wildarten auch vor unserer Haustür. So der Wildsellerie, der für die Stangensellerie-Züchtung als potenzieller Spender von neuen Resistenz- und Qualitätseigenschaften eine ökonomisch wichtige Ressource darstellt.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner vor Ort:
Dr. Lothar Frese
Julius Kühn-Institut
Institut für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen
Erwin-Baur-Str. 27
06484 Quedlinburg
Tel.: 03946 47 701
lothar.frese@jki.bund.de
Hintergrundinformationen:
AEGRO = An Integrated European In Situ Management Workplan: Implementing Genetic Reserve and On Farm Concepts:
EU-Projekt im Rahmen der EU Richtlinie 870/2004 für genetische Ressourcen
AEGRO wird seit Oktober 2007 vom Julius Kühn-Institut koordiniert. Eine Schnittstelle zur nationalen Umsetzungsebene bietet das Projekt "Aufbau eines Berichts- und Monitoringsystems für die in situ-Erhaltung genetischer Ressourcen der den Kulturpflanzen verwandten Wildarten (CWR) in Brandenburg". Beide Vorhaben bauen auf dem EU Projekt PGRForum auf, das im Jahr 2005 endete. Die in den Projekten gewonnenen Erkenntnisse werden von Arbeitsgruppen des Europäischen Kooperationsprogramms für pflanzengenetische Ressourcen (ECPGR) übernommen.

Unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten, war ein wichtiges Anliegen der Bonner Gipfelkonferenz für die Biologische Vielfalt (COP 9) im Mai 2008. AEGRO kann die vereinbarten Ziele in Teilbereichen umsetzen. Insbesondere leistet AEGRO einen Beitrag zur Europäischen Strategie zur Erhaltung der Pflanzen. (siehe: Planta Europe (2008) A sustainable Future for Europe; the European Strategy for Plant Conservation 2008-2014. Plantlife International (Salisbury, UK) and the Council of Europe (Strasbourg, France).)

Genetisches Schutzgebiet: Es besteht aus einer definierten, meist innerhalb von Naturschutzgebieten gelegenen Teilfläche, in der spezielle Pflanzenpopulationen von Wildarten vorkommen. Solche Schutzgebiete auszuweisen, ist besonders für solche Wildarten unserer Nutzpflanzen von Bedeutung, die ohne Verlust ihrer genetischen Vielfalt ex situ, also in Genbanken, nur schwer gehalten werden können.

Dr. Gerlinde Nachtigall | idw
Weitere Informationen:
http://www.pgrforum.org
http://www.jki.bund.de/cln_044/nn_813794/DE/Aktuelles/veranst/2008/18__1909__2008__AEGRO.html__nnn=true
http://www.plantaeuropa.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser
27.04.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Plastik – nicht nur Müll
26.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie