Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzenreichtum beeinflusst Bodenleben maßgeblich

25.01.2011
Die Vielfalt der Pflanzen ist auf lange Sicht gesehen für die Zusammensetzung der Mikro- und Makrofauna im Boden entscheidender als funktionelle Pflanzengruppen oder die pflanzliche Nährstoffproduktion. Das hat eine internationale Forschergemeinschaft nun bestätigt.

Da die komplexen Zusammenhänge innerhalb der bestehenden Ökosysteme bisher nur unzureichend erforscht sind, können die Folgen des aktuellen Verlustes der Biodiversität im Tier- und Pflanzenreich für die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen schwer beurteilt werden. Einerseits bestehen Ökosysteme aus einer Vielzahl von Arten, andererseits werden Pflanzen auch in sogenannte funktionelle Gruppen eingeteilt.

Im Rahmen des sogenannten Jena Experiments (s. u.) gingen die Wissenschaftler der Frage nach, welchen Einfluss die Artenzahl, funktionelle Pflanzengruppen, die aufgrund ihrer Energieaufnahme und Wuchsform zusammengefasst sind, oder die Pflanzenproduktivität (pflanzliche Nährstoffproduktion) auf die Zusammensetzung der Boden-Biota haben. Denn Bodenleben und Pflanzenwachstum sind eng miteinander verbunden. So sind beispielsweise Abbau und Wiederverwertung von organischem Abfall im natürlichen Kreislauf von Lebewesen im Boden abhängig.

In der Vergangenheit wurde angenommen, dass der Einfluss von funktionellen Pflanzengruppen auf die Bodenzusammensetzung größer sei als die pflanzliche Artenvielfalt. Allerdings beruht diese Annahme hauptsächlich auf Kurzzeit-Experimenten. Daher starteten die Wissenschaftler nun ein Projekt, für das Veränderungen der Boden-Biota in Abhängigkeit von funktionellen Gruppen als auch von der Artenzahl über mehrere Jahre untersucht wurden. Bodenproben und Pflanzen-Biomasse wurden zwei, vier und sechs Jahre nach dem Anpflanzen von experimentellen Grasflächen mit unterschiedlichen Artenzahlen von eins bis 60 untersucht. Funktionelle Gruppen, von denen ein starker Einfluss auf die Bodenzusammensetzung und damit der verfügbaren Nahrung erwartet wird, wurden gezielt beigefügt bzw. weggelassen. Dazu zählten Leguminosen (Stickstoffsammler), Gräser und Kräuter.

Artenreiches Bodenleben abhängig von Artenzahl und Pflanzengruppen

Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Dichte und Vielfalt aller Bodenlebewesen generell mit der Artenzahl und dem Vorhandensein von funktionellen Gruppen anstieg. Allerdings variierten die Auswirkungen zeitlich deutlich. Beispielsweise wurden mikrobielle Zersetzer erst nach sechs Jahren vom Pflanzenreichtum beeinflusst, Fleischfresser jedoch bereits nach zwei Jahren, während pflanzenfressende Lebewesen kaum beeinflusst wurden. Der Einfluss der ober- und unterirdischen Pflanzenproduktivität - gemessen über die Biomasse oberirdischer Pflanzenteile bzw. der unterirdischen Wurzel - war deutlich geringer. Die Auswirkungen von funktionellen Gruppen nahmen dagegen mit der Zeit ab und wurden von dem Einfluss der Artenvielfalt überholt.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass ein funktionierendes Ökosystem von Biodiversität abhängt. In der Folge des aktuellen globalen Artensterbens würde sich demnach unter anderem die Bodenzusammensetzung in den einzelnen Ökosystemen verändern, die wiederum das Pflanzenwachstum und deren –produktivität beeinflussen kann. Das sensible Zusammenspiel von Pflanzen und Bodenlebewesen wäre nachhaltig gestört.

Quellen:
Nico Eisenhauer et al.: Plant Diversity Surpasses Functional Groups and Plant Productivity as Driver of Soil in the Long Term, PloS One, January 2011

Nico Eisenhauer | Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen:
http://www.pflanzenforschung.de/journal/aktuelles/pflanzenreichtum-beeinflusst-bodenleben-massgeblich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften