Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ozeanversauerung in der Arktis

12.05.2010
IFM-GEOMAR Expedition untersucht Folgen des Kohlendioxidanstiegs auf marine Ökosysteme

Am 14. Mai brechen Forscher des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) zu einem mehr als fünfwöchigen Experiment in die Hocharktis auf.

Vor der Küste Spitzbergens sollen mit Hilfe der weltweit größten Off-shore-Mesokosmenanlage die Auswirkungen der zunehmenden Ozeanversauerung auf Meeresorganismen in einem Langzeitexperiment untersucht werden. Die Wissenschaftler des IFM-GEOMAR kooperieren dabei zum ersten Mal mit der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die die Forschungsarbeiten logistisch unterstützen wird.

Die größten Reagenzgläser der Welt sehen schon an Land beeindruckend aus. Fast acht Meter hoch sind die Auftriebskörper, die für die notwendige Stabilität des eigentlichen „Wasserbehälters“ sorgen. Der besteht aus reißfestem, flexiblem Kunststoff und ist 17 Meter lang. 50.000 Liter Meerwasser fast jeder der neun Schläuche, die in die Auftriebskörper eingehängt und erst im Wasser entfaltet werden. Die Anlage ist weltweit einzigartig.

„Mit dieser mobilen Mesokosmenanlage können wir den Einfluss von Umweltveränderungen da untersuchen, wo wir die größten Risiken für die marinen Ökosysteme erwarten“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Ulf Riebesell vom IFM-GEOMAR.

Als besonders gefährdete Region gilt vor allem die Arktis, wo die Erderwärmung zu drastischen Änderungen der Umweltbedingungen führen wird. Aber nicht nur der Klimawandel macht der Arktis zu schaffen, auch die fortschreitende Ozeanversauerung trifft den Arktischen Ozean härter als andere Regionen. „Im kalten Wasser der Polarmeere löst sich atmosphärisches CO2 besonders gut. Dies beschleunigt den Prozess der Ozeanversauerung in den hohen Breiten, die schon heute eine geringe Karbonatsättigung aufweisen“, erläutert Ulf Riebesell. Der Sättigungsgrad des Meerwassers für Karbonat ist ein wichtiges Maß für alle Kalk bildenden Organismen im Meer, hängt die Stabilität ihrer Kalkschalen und -skelette doch unmittelbar davon ab.

Jüngste Prognosen zeigen, dass bereits 2016 Teile der Arktis durch Ozeanversauerung im Winter untersättigt und somit korrosiv für Kalk sein werden. Noch vor 2050 wird mehr als 50 Prozent des Arktischen Ozeans ganzjährig karbonatuntersättigt sein. Dies wollen die Kieler Forscher in ihren neun Mesokosmen simulieren. „Aus Laborexperimenten wissen wir bereits, dass insbesondere Flügelschnecken, ein wichtiges Bindeglied im arktischen Nahrungsnetz, sehr empfindlich auf Ozeanversauerung reagieren“, so Prof. Riebesell. Jetzt wollen die Kieler Forscher gemeinsam mit Wissenschaftlern aus elf europäischen Instituten in ihren Mesokosmen untersuchen, welche Konsequenzen die Ozeanversauerung für arktische Lebensgemeinschaften hat.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace stellt ihre Schiffe bereits seit vielen Jahren immer wieder als Plattform für Forschungsarbeiten zur Verfügung. In der Kooperation mit dem IFM-GEOMAR wird die etwa 80 Meter lange ESPERANZA die umfangreiche Forschungsausrüstung nach Spitzbergen transportieren und dort die Wissenschaftler beim Aufbau des Freilandexperimentes unterstützen. Die Mission ist Teil einer mehr als dreimonatigen Expedition, in deren Rahmen Greenpeace verschiedene Aspekte des Klimawandels in der Arktis untersuchen sowie Daten zur Fischerei in hohen Breiten erheben wird.

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/go/1220

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Paradiese in Gefahr: Bayreuther Studierende forschen auf den Malediven zu Plastikmüll in den Meeren
13.04.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Ozeanversauerung: Wie individuell sind die Reaktionen?
06.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung