Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ostteil des Aralsees vor völliger Austrocknung

10.08.2009
Keine Hoffnung auf rechtzeitige Gegenmaßnahmen in Usbekistan

Der zentralasiatische Aralsee stirbt weiter einen Tod auf Raten. Allein seit 2006 hat das flächenmäßig größte östliche Fragment des Sees über 80 Prozent seines Wassers verloren. Das zeigen aktuelle Satellitenbilder der NASA-Erdbeobachtung.

Der Wasserspiegel des Aralsees ist aufgrund der Ableitung der Zuflüsse für die Landwirtschaft schon seit den 1960er Jahren ständig gesunken, was das phasenweise Zersplittern des einst viertgrößten Süßwassersees der Erde und sein allmähliches Verschwinden zur Folge hatte.

Man rechnet heute damit, dass der See 2020 mit Ausnahme des Nordteils völlig verschwunden sein wird. Dadurch verschärfen sich ökologische, jedoch auch wirtschaftliche und gesundheitliche Probleme der Anrainerstaaten Kasachstan und Usbekistan weiter.

"Die Wiederherstellung des Aralsees auf seine Ursprungsgröße ist aussichtslos", betont der Umweltsystemexperte Michael Matthies von der Universität Osnabrück http://www.usf.uni-osnabrueck.de im pressetext-Interview. Das Einzugsgebiet der wichtigsten Zuflüsse des Sees, des Amurdarja und Syrdarja, würden seit der Antike eigentlich als besonders wasserreiche Region gelten. Die nachhaltige Bewirtschaftung, die zur Rettung der verbleibenden Seeteile notwendig wäre, sei jedoch nach dem UdSSR-Zerfall noch schwieriger geworden. "Jeder der Nachfolgestaaten achtet auf seine eigene Bedürfnisse. Im Oberlauf der Flüsse braucht man Dämme zur Stromerzeugung, während im Unterlauf saisonale Überschwemmungen für den Feldbau notwendig sind."

Als sich der See in den vergangenen Jahrzehnten von den Küstenstädten verabschiedete und die Fischerei unmöglich machte, wechselten viele Fischer auf Baumwollanbau. Das dafür benötigte Wasser, das den Zuflüssen entnommen wurde, beschleunigte den Rückgang des Sees jedoch zusätzlich. "Eine Umstellung von Baumwolle auf andere Produkte mit weniger Wasserverbrauch wie etwa Reis, Weizen oder Gemüse wäre ökologisch sinnvoll. Es stellt sich jedoch die Frage, wo diese verkauft werden, da etwa bei Reis die Konkurrenz anderer Weltmächte, die billiger produzieren können, zu groß ist", so Matthies. Die Alternativen seien in Usbekistan besonders rar, da das Land über wenige Rohstoffe verfüge.

Eine Möglichkeit stellt auch der nachhaltige Fischfang dar, für den die Osnabrücker Forscher vor zwei Jahren eine Machbarkeitsstudie erstellt hatten. Der Aralsee selbst kommt dafür nicht mehr in Frage, da durch Verdunstung und fehlenden Frischwasser-Nachschub die Salz- und Mineralienkonzentration in Wasser und Boden erheblich gestiegen ist. "Allerdings gibt es an den usbekischen Oberläufen der Zuflüsse schon seit Sowjetzeiten eine Vielzahl kleiner Bassins, die in Summe wahrscheinlich dieselbe Fläche wie der ursprüngliche Aralsee besitzen. Hier können Forelle und Wels gezüchtet werden", erklärt Matthies. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden jedoch angesichts der diktatorischen Regierungsform Usbekistans nur sehr schleppend vorankommen. "Es ist schwierig, die nötigen Privatinvestoren anzulocken."

Die andauernde Umwandlung des Sees zur so genannten "Aral Karakum"-Wüste zeigt sich immer deutlicher als ökologische Katastrophe großen Ausmaßes. Mangels Verdunstung gibt es keine Regenfälle mehr, Sandstürme bringen den zurückbleibenden Salzstaub auch in andere Gebiete und sorgen dort für Wüstenbildung. Betroffen ist davon vor allem die Bevölkerung der Region. Laut UNO haben sich Fälle chronischer Bronchitis seit 1994 verdreißigfacht, zudem sank die Lebenserwartung von 64 auf 51 Jahre und jedes zehnte Neugeborene erlebt den fünften Geburtstag nicht.

Den derzeit einzigen Lichtblick bildet der kleine Nordteil des Sees, der seit den 1980er Jahren vom Südteil getrennt ist. Kasachstan hat es mit Hilfe der Weltbank geschafft, hier durch eine Staumauer den Wasserstand zu stabilisieren. Weiters gelang es durch die Erneuerung der bereits maroden Bewässerungskanäle entlang des Flusses Syrdarja, den Wasserverlust zu verringern und sogar einen Anstieg des Seespiegels zu erreichen, sodass bereits die Erhöhung der Dämme fällig ist.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://earthobservatory.nasa.gov

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte