Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Osteoporose in den Weltmeeren: Bohrschwämme bedrohen Korallenriffe

19.09.2012
Die Weltmeere werden durch den massiven Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid immer „saurer“.
Wissenschaftler von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven haben die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf kalkabbauende Bohrschwämme in Korallen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schwämme von den globalen Entwicklungen profitieren, während Korallenriffe in ihrer Existenz bedroht sind. Die Studie ist heute im Fachjournal PLoS ONE erschienen.

Steigende Kohlendioxid-Konzentrationen wirken nicht nur auf die Atmosphäre, sondern auch auf die Ozeane: Kohlendioxid reagiert mit Wasser zu Kohlensäure, welche das Meer saurer werden lässt. Der mit der Versauerung einhergehende sinkende pH-Wert hat einen erheblichen, meist negativen Einfluss auf viele Lebewesen unserer Weltmeere.
„Insbesondere jene Organismen, die ihre Skelette aus Kalk aufbauen, wie beispielsweise Korallen, müssen mehr Energie aufwenden, um ihr Skelett in dem saureren Milieu zu bilden und vor Auflösung zu schützen“, erklärt Dr. Max Wisshak von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven. „Im Gegensatz dazu – so unserer Hypothese – müssten Lebewesen, die durch Bioerosion biochemisch Kalkskelette auflösen, zukünftig ein leichteres Spiel haben und somit zu dem kleinen Kreis der Klimawandel-Gewinner zählen.“

Um diese Theorie zu testen, hat das Senckenberg-Wissenschaftlerteam in Kooperation mit dem Australian Institute of Marine Science und dem GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel am australischen Great Barrier Reef, dem größten Korallenriff der Erde aufwendige Experimente mit dem Bohrschwamm Cliona orientalis durchgeführt. Dieser weit verbreitete Hornkieselschwamm zählt zu den aggressivsten Bioerodierern und wird wahrscheinlich in Zukunft noch stärker für den Abbau vieler Korallenskelette am Great Barrier Reef verantwortlich sein.
„Wir konnten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem pH-Wert des Meerwassers und der Bioerosionsleistung der Schwämme belegen“, sagt Wisshak. „Unsere Ergebnisse lassen eine bis zu 25-prozentige Steigerung der Schwammbioerosion bis zum Ende dieses Jahrhunderts erwarten.“

Da Bohrschwämme meist für den Löwenanteil der Bioerosion in Korallen an tropischen Riffen verantwortlich sind, werden Korallenriffe durch eine ansteigende Ozeanversauerung gleich einer doppelten Belastung ausgesetzt sein: der Erschwerung ihres Skelettwachstums, sowie einer verstärkten Schwächung der Skelette durch Bioerosion. „Das kann dazu führen, dass an Korallenriffen zukünftig Abbauprozesse die Oberhand im Vergleich zum Gerüstwachstum der Korallen gewinnen. Die Riffe wären somit durch einen weiteren Faktor in ihrer Existenz bedroht“, erläutert der Wilhelmshavener Meeresgeologe.

Der Temperaturanstieg der Weltmeere – ebenfalls eine Folge der derzeitigen globalen Umweltveränderungen – hatte im Experiment dagegen nur einen geringen Einfluss auf die Bioerosionsleistung der Bohrschwämme. Was den Schwämmen egal ist, hat auf die Korallen große Auswirkungen: Durch höhere Temperaturen bleichen Korallen aus und diese Stresswirkung kann letztendlich zu einem dramatischen Massensterben führen.

Folgen eines großen Korallensterbens wären verheerend, denn die Riffe beheimaten viele Meerestiere und sind die Basis einer komplexen Nahrungskette – bis hin zum Menschen.

Kontakt
Dr. Max Wisshak
Senckenberg am Meer
Abteilung Meeresforschung
Tel.: 04421 9475 202
max.wisshak@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
judith.joerdens@senckenberg.de

Publikation
Wisshak, M., Schönberg, CHL., Form, A. & Freiwald, A. (2012) : Ocean acidification accelerates reef bioerosion. PLoS ONE

Der Bohrschwamm Cliona orientalis (rechts) befällt lebende Korallen am Great Barrier Reef (links). © Max Wisshak


Probenahme am größten Korallenriff der Erde
© Max Wisshak

http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0045124


Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt.

Judith Jördens | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik