Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Offshore-Windparks: Industrie und Naturschutz suchen Schallschutzlösungen für Schweinswale

26.09.2012
Rammen von Fundamenten schädigt Meeressäugetiere bis hin zum Tod

Technische Eindämmung in Sichtweite - Quantensprung durch neue Fundamentkonzepte? - Verbindliche Schallschutzgrenzwerte als Treiber technologischer Entwicklung - DUH fordert wirksames Schallschutzkonzept der Bundesregierung und mehr Forschung zu den Folgen von Lärm auf die Unterwasserwelt - 200 Teilnehmer aus Deutschland, den Nachbarländern und den USA bei DUH-Fachtagung in Berlin

Die Errichtung von Offshore-Windparks stellt für geschützte Schweinswale, Robben, viele Fischarten und andere Meerestiere ein schlimmstenfalls lebensbedrohendes Risiko dar. Gleichzeitig entwickelt die Windindustrie vielfältige Technologien, die die beim Rammen der Fundamente auftretenden extremen Lärmpegel wirksam reduzieren können oder beim Bau von Windenergieanlagen im Meer sogar ganz ohne die schallintensive Rammtechnik auskommen. Das sind die wichtigsten Botschaften einer zweitägigen Fachtagung ("Herausforderung Schallschutz beim Bau von Offshore-Windparks") zu der die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) am Dienstag und Mittwoch (24./25. September) in die Britische Botschaft nach Berlin geladen hat.

Die rund 200 Fachleute aus Industrie, Wissenschaft, Verbänden, Behörden und Politik waren sich weitgehend einig, dass der dynamische Fortschritt beim Unterwasserschallschutz vor allem Ergebnis eines herausfordernden Lärmschutzwertes (160 Dezibel) ist, der seit 2008 für den Bau von Offshore-Anlagen in Nord- und Ostsee verbindlich ist.

"Offshore-Windenergie ist für das Gelingen der Energiewende unverzichtbar und bedeutet gleichzeitig immer einen schweren Eingriff in die Natur. Umso ermutigender war, dass während dieser Tagung durchgängig lösungsorientiert und nie ideologisch diskutiert wurde", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Michael Spielmann zum Abschluss der Tagung. Deutlich sei geworden, dass Naturschutz und Windindustrie die Schützengräben verlassen hätten und gemeinsam den Erfolg der naturverträglichen Energiewende wollten. Natürlich müssten naturschutzrechtliche Vorgaben eingehalten werden, auch weil andernfalls die Akzeptanz der Offshore-Technik verloren ginge.

Spielmann: "Der Innovationsdruck kommt aus dem Lärmschutzwert. Das haben mittelständische, aber zunehmend auch große Unternehmen verstanden und sich auf beeindruckende Weise auf die Suche nach technischen Lösungen gemacht".

Spielmann forderte die Bundesregierung auf, mit ihrem lange angekündigten neuen Schallschutzkonzept für die Schweinswale den Innovationsdruck aufrecht zu erhalten. Dies werde nicht nur der Meeresfauna auch jenseits der bedrohten Art helfen, sondern auch dazu beitragen, dass die deutsche Windindustrie ihre aktuelle Technologieführerschaft in der Welt verteidigen könne.

Darüber hinaus habe die Fachtagung dringenden weiteren Forschungsbedarf zu den Folgen des menschengemachten Lärms für Fische und die sonstige Unterwasserwelt in Nord- und Ostsee ergeben. Hier müsse die Bundesregierung dringend entsprechende Mittel bereitstellen.

Anlässlich der Tagung stellten zahlreiche Unternehmen vielversprechende Konzepte zur Schallminderung vor, die teilweise schon erfolgreich bei der Errichtung der ersten deutschen Offshore-Windparks eingesetzt wurden. Zu ihnen gehören der so genannte "große Blasenschleier" (der von vielen Teilnehmern bereits als "Stand der Technik" angesehen wird) und zahlreiche Varianten, die mit festen oder flüssigen Schallschutzmänteln arbeiten. Ein Quantensprung bei der Lösung des Lärmproblems könnte sich aus neuartigen Fundamentkonzepten ergeben, die schon in wenigen Jahren ohne die besonders problematische Rammtechnik auskommen könnten.

Vorgeschlagen werden Fundamente, bei denen ähnlich wie bei horizontalen Tunnelbohrungen vertikale Gründungskörper in den Meeresboden gebohrt werden. Schwerkraftfundamente arbeiten mit großen (Beton-) Massen, die die Windkraftanlagen allein durch ihr großen Gewicht am Meeresboden verankern. Bei so genannten Bucket-Fundamenten werden überdimensionierte umgedrehte Eimer mittels Unterdruck in den Meeresboden eingeschwemmt. Sollten sich Konzepte wie diese auch ökonomisch darstellen lassen, könnten sie das Lärmproblem entscheidend, auf einem Niveau weit unter den heute gültigen Grenzwerten mindern.

Das wäre dringlich, denn bei den derzeit errichteten Offshore Windparks wird der in Deutschland gültige Lärmschutzwert von 160 Dezibel (dB) in 750 m Entfernung zur Emissionsstelle bei Rammarbeiten noch häufig überschritten. Deshalb verlangen Umwelt- und Naturschutzverbände den sofortigen verbindlichen Einsatz von Technologien, die geeignet sind die Schallschutzgrenzwerte einzuhalten. Die Offshore-Industrie hatte dagegen kürzlich in einem Positionspapier Übergangsfristen für vor 2008 genehmigte Windparks gefordert.

Vor allem die geschützten und insbesondere in der Ostsee vom Aussterben bedrohten Schweinswale sind von dem enormen Lärm beim Rammen von Offshore-Gründungen betroffen, weil sie sich ähnlich wie Fledermäuse in der Luft im Wesentlichen über Schall im Meer orientieren. Die negativen Auswirkungen von Unterwasserlärm auf den Schweinswal aber auch auf andere Meerestiere, wie Robben und Fische sind vielfältig und können von Störung und Vertreibung bis hin zu schweren Schädigungen, Verletzungen und Tod reichen.

In Deutschland sind aktuell erst etwa 200 Megawatt Offshore-Windleistung am Netz. Die Strategie der Bundesregierung zur Windenergienutzung auf See sieht vor, dass bis zum Jahr 2020 Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 10.000 und bis 2030 von 25.000 Megawatt installiert werden. Angesichts der in der Nordsee geplanten großen Zahl von Offshore Windparks müsse auch die kumulative Wirkung vieler zehntausend Rammschläge auf die Meerestiere untersucht und in die Schutzkonzepte integriert werden, ebenso die Überlagerung mit bisher kaum berücksichtigten anderen Nutzungen und Gefährdungen, wie zum Beispiel der Fischerei, der Ölförderung, seismischer Untersuchungen und des Schiffsverkehrs.

Hier werden in Kürze die Tagungsdokumente zur Verfügung stehen http://www.duh.de/schallschutz-tagung_2012.html

Die Tagung der Deutschen Umwelthilfe wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert.

Pressekontakt:
Michael Spielmann, Bundesgeschäftsführer, Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel: 030 2400867-0; Mobil: 0160 90914431, E-Mail:

spielmann@duh.de

Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz, Hackescher Markt 4, 10178 Berlin,
Mobil: 01608950556, E-Mail: stoecker@duh.de
Dr. Peter Ahmels, Leiter Erneuerbare Energien, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel: 030 2400867-0; Mobil: 015116225863, ahmels@duh.de
Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik & Presse, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin; Tel: 030 2400867-0, Mobil: 0171 5660577, E-Mail:
rosenkranz@duh.de

| DUH
Weitere Informationen:
http://www.duh.de
http://www.duh.de/schallschutz-tagung_2012.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise