Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues EU-Forschungsprojekt: Ökosysteme und Biodiversität trotz Klimawandel bewahren

01.10.2012
Hochschulen und Forschungseinrichtungen in acht europäischen Ländern haben sich in dem neuen, von der Europäischen Union geförderten Projekt "SIGNAL" zusammengeschlossen.

Gemeinsam wollen sie im Hinblick auf den voraussichtlichen Klimawandel dazu beitragen, die ökologischen Serviceleistungen und die Biodiversität des europäischen Grünlands zu erhalten.

Es sollen wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, insbesondere für europäische und nationale Behörden, für Nichtregierungsorganisationen oder für die Land- und Forstwirtschaft. Die Koordination des Gesamtprojekts liegt bei Prof. Dr. Anke Jentsch, Universität Bayreuth.

Ökologische Risiken durch extreme Wetterereignisse

Rund die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Europa sind Grünland. Diese Wiesen- und Weidelandschaften tragen durch ökologische Serviceleistungen wesentlich zur Lebensqualität bei – beispielsweise durch die Neubildung von Grundwasser, die Filterung von Schadstoffen, die Speicherung wertvoller Nährstoffe, die Bereitstellung von Grünfutter oder auch das Angebot an Naherholungsräumen.

Mit dem voraussichtlichen Klimawandel in Europa steigt das Risiko, dass extreme Wetterereignisse diese ökologischen Serviceleistungen beeinträchtigen. Es besteht die Gefahr, dass invasive Pflanzenarten in das Grünland eindringen, heimische Arten verdrängen und auch die Vielfalt innerhalb der Pflanzenarten beschädigen. Derartige Einschnitte in die Biodiversität könnten die Widerstandsfähigkeit des Grünlands gegenüber extremen Wetterereignissen erheblich schwächen. Wiesen- und Weidelandschaften wären dann nicht oder nur noch teilweise in der Lage, ihre ökosystemaren Funktionen zu erfüllen.

Wissenschaftliche Grundlagen für Prävention und Effizienzkontrolle

Vorbeugende Maßnahmen aber können die ökologischen Schäden, die infolge des Klimawandels drohen, abwenden oder zumindest abschwächen. Hier setzt das neue transnationale Forschungsprojekt "SIGNAL" an, das von der Europäischen Union in den kommenden drei Jahren gefördert wird. Verantwortlich für die Koordination des Gesamtprojekts ist Prof. Dr. Anke Jentsch, Professorin für Störungsökologie an der Universität Bayreuth. Der Projektname spielt auf die praxisbezogene Ausrichtung der Forschungsarbeiten an. Es geht darum, anhand zuverlässiger Indikatoren zu bestimmen, in welcher Weise und in welchem Ausmaß die Grünlandflächen in Europa störungsanfällig sind. Darauf aufbauend sollen konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, die sich an europäische oder nationale Behörden, an Nichtregierungsorganisationen oder auch an die Land- und Forstwirtschaft richten.

"Die Forschungsergebnisse werden eine solide Grundlage bilden, um bisherige Maßnahmen im Umweltmanagement und Naturschutz daraufhin zu überprüfen, ob sie in Zukunft noch hinreichend effektiv und effizient sind", erläutert Prof. Jentsch. "Zugleich müssen wir angesichts veränderter Wetter- und Klimaprognosen neue Instrumente entwickeln, um die ökologischen Serviceleistungen der Grünflächen in Europa zu erhalten." Vorbeugende Maßnahmen sollen sich vor allem auf drei Faktoren konzentrieren, die in der Forschung als 'Puffer' gegenüber den Folgen extremer Wetterereignisse gelten: die Biodiversität auf den Grünlandflächen, der durch stickstofffixierende Hülsenfrüchte gesteigerte Nährstoffgehalt in den Böden, aber auch landwirtschaftliche Techniken.

Transnationale Forschungsarbeiten in gemeinsamer Verantwortung

Im Projekt "SIGNAL" kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereits an namhaften internationalen Projekten zur Klimawandelforschung mitwirken. Sie sind an Hochschulen und Forschungseinrichtungen in acht europäischen Ländern tätig. Dazu gehören – zusammen mit der Universität Bayreuth – die Universität Antwerpen (Belgien), die Bulgarische Akademie der Wissenschaften (Bulgarien), das Nationale Institut für agronomische Forschung (Frankreich), die Universität Camerino (Italien), die Universität Bern (Schweiz), die Universität Celal Bayal (Türkei) sowie die Ungarische Akademie der Wissenschaften (Ungarn).

Die Forschungsarbeiten sind auf alle acht Länder verteilt und sollen darüber Aufschluss geben, wie Dürreperioden die Biodiversität und die ökosystemaren Funktionen der Grünlandflächen in verschiedenen Regionen Europas beeinflussen. Das Vordringen invasiver Pflanzenarten ist dabei von besonderem Interesse. Alle Experimente zur Biodiversität werden an der Universität Bayreuth konzipiert und geplant. An diesen Vorarbeiten ist auch der Ökologisch-Botanische Garten auf dem Bayreuther Campus, der die Simulation extremer Wetterereignisse ermöglicht, wesentlich beteiligt.

Organisierter Wissenstransfer auf nationaler und europäischer Ebene

Von Beginn an wollen die Projektpartner durch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit darauf hinarbeiten, dass die Forschungsarbeiten in ihren eigenen Ländern bekannt werden. Nur wenn verantwortliche Entscheidungsträger in Politik, Umwelt- und Naturschutz von den Ergebnissen erfahren, können fundierte Maßnahmen zum Schutz der Grünflächen eingeleitet werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit der Platform of National Consortia (PNC). Diesem Forum gehören die nationalen Konsortien an, die sich in den Ländern der Projektpartner für deren nationale Biodiversitätsziele einsetzen. An jedem nationalen Konsortium nehmen – gemeinsam mit Vertretern aus Politik und ökologischer Praxis – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teil, die an "SIGNAL" mitwirken. Sie werden Verantwortung für den Transfer der Forschungsergebnisse übernehmen.

"Alle Beteiligten sehen in diesem transnationalen Projekt die große Chance, verlässliche Grundlagen für den ökologisch verantwortungsvollen Umgang mit Grünlandflächen in Europa zu entwickeln. Uns ist daran gelegen, dass die Forschungsergebnisse zügig in die Praxis umgesetzt werden. Gemeinsam wollen wir dazu beitragen, die Schönheit und Leistungsfähigkeit dieser typischen Bestandteile europäischer Kulturlandschaften zu erhalten", erklärt Projektkoordinatorin Prof. Dr. Anke Jentsch. Voraussichtlich im Januar 2013 wird die Universität Bayreuth Gastgeber einer Kick-off-Veranstaltung zum Start des neuen EU-Projekts sein.

Kontaktadresse für weitere Informationen:

Prof. Dr. Anke Jentsch
Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung (BayCEER)
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 55-2290 und -2287
E-Mail: anke.jentsch@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik