Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Schimpansenpopulation entdeckt

06.02.2014
Im Norden der Demokratischen Republik Kongo leben mehrere Tausend Schimpansen in einem unzugänglichen Waldgebiet

Die Anzahl der großen Menschenaffen in Afrika nimmt stetig ab. Daher ist es wichtig, Daten hinsichtlich ihrer Verbreitung und Populationsgröße zu erheben, um Schutzmaßnahmen gezielt dort einsetzen zu können, wo sie am dringendsten benötigt werden.


In einer unzugänglichen Region im Norden des Kongos lebt eine bislang noch unbekannte Schimpansen-Population. Wie alle wildlebenden Menschenaffen sind auch diese Tiere durch die Wilderei bedroht.

© Ephrem Mpaka, Lukuru Wildlife Research Foundation

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der Universität Amsterdam in den Niederlanden haben über mehrere Hundert Kilometer Datenerhebungen zu Schimpansen in der Region Uele im Norden der Demokratischen Republik Kongo durchgeführt. Dabei entdeckten sie eine große Population von Östlichen Schimpansen (Pan troglodytes schweinfurthii), einer Unterart des Schimpansen.

Die 2005 und 2012 erhobenen Daten deuten darauf hin, dass die Populationsgröße der Tiere im entlegenen Bili-Gangu Wald innerhalb dieses Zeitraums stabil geblieben ist. Insgesamt erschlossen die Forscher ein Gebiet von etwa 50.000 Quadratkilometern, in dem mehrere Tausend Schimpansen beheimatet sind. Den Forschern zufolge sollte dieses Gebiet Priorität für den Schutz der Östlichen Schimpansen erhalten.

In den vergangenen zwanzig Jahren nahm die Zahl der in Afrika lebenden Menschenaffen stark ab, in manchen Regionen um bis zu 90 Prozent. Gründe für den Populationsrückgang sind der Ausbau der Landwirtschaft in vielen afrikanischen Ländern, Abholzungsaktivitäten und der unkontrollierte Abbau von Rohstoffen. Darüber hinaus fallen die Tiere Wilderern oder vom Menschen übertragenen Krankheiten zum Opfer.

„Um die Populationstrends bei Schimpansen zu verfolgen und zu entscheiden, wo die Mittel zum Schutz der Tiere eingesetzt werden sollen, müssen wir die Verbreitung und das Vorkommen der Tiere genauestens dokumentieren“, sagt Hjalmar Kühl vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Für eine Erfassung der Populationsgröße durchqueren Forscher ein zu untersuchendes Gebiet in regelmäßigen Abständen und laufen es auf parallelen Wegen ab. Anhand der dabei aufgespürten Schimpansen-Schlafnester können sie dann die wahrscheinliche Gesamtzahl der Schimpansen in dem Gebiet hochrechnen.

In den Jahren von 2004 bis 2012 hat ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Universität Amsterdam Datenerhebungen im Norden der Demokratischen Republik Kongo durchgeführt, in einer Region, deren Schimpansenbestand nie zuvor systematisch erfasst wurde. Die Forscher sind insgesamt 1800 Kilometer nördlich und 500 Kilometer südlich des Uele-Flusses abgelaufen. Darüber hinaus haben sie im Bili-Gangu Wald, mehrere Streckenabschnitte von insgesamt 160 Kilometern abgeschritten und dabei eine Population von mehreren Tausend Schimpansen entdeckt.

Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass die Nord- und Südgruppen dieser Population kulturelle Besonderheiten teilen. „In den Wäldern und Savannen im Norden der Demokratischen Republik Kongo ist, von Forschern bis vor kurzem unbemerkt, eine große Schimpansenpopulation beheimatet”, sagt Thurston C. Hicks vom Leipziger Max-Planck-Institut. „Es könnte sich dabei um die wohl größte Population von Östlichen Schimpansen handeln. Leider unterstehen die Tiere momentan keinerlei Schutz.“ Die Zahl der Schimpansen-Schlafnester ist in den letzten Jahren offenbar nicht zurückgegangen, denn die Forscher stießen bei einer stichprobenartigen Zählung 2012 auf ähnlich viele Nester wie bei der der ersten Zählung im Jahr 2005.

Obwohl diese Schimpansenpopulation in den vergangenen zehn Jahren stabil geblieben ist, fanden die Forscher kürzlich Hinweise darauf, dass sie verstärkt vom Buschfleisch-Handel bedroht ist. „In Bili und Umgebung wurden häufiger als zuvor Wildtierkadaver und Schimpansenwaisen gesichtet“, sagt Christophe Boesch, Direktor der Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. „Ohne einen angemessenen Schutz könnten diese Schimpansen denselben Umständen zum Opfer fallen wie ihre Artgenossen in anderen Teilen Afrikas.“

Den Forschern zufolge sind weitere Datenerhebungen vor Ort in Afrika notwendig, um künftige Artenschutzbemühungen gezielt dorthin zu leiten, wo sie am dringendsten benötigt werden – bevor es zu spät ist. Um eine Eskalation der Wilderei zu verhindern empfehlen die Forscher, in der Region Wildhüter einzusetzen.

“Das Bili-Gangu-Gebiet ist ein Mosaik von dichten Waldgebieten, bewaldeten Savannen und offenen Graslandschaften, in denen Schimpansen, Elefanten, Leoparden und andere große Säugetiere leben, die anderswo bereits ausgerottet sind”, sagt John Hart von der Lukuru Wildlife Research Foundation. “Für den Kongo ist dies eine bedeutende Möglichkeit, um eine neue Artenschutzinitiative im Bili-Uéré-Komplex ins Leben zu rufen.“

Die Feldsaison 2012 wurde gemeinsam mit der Lukuru Wildlife Research Foundation, dem US Fish and Wildlife Service und dem Institut Congolais pour la Conservation de la Nature durchgeführt. Darüber hinaus wurde das Projekt von der Lucie Burgers Foundation for Comparative Behaviour Research (Arnhem, Niederlande), der Wasmoeth Wildlife Foundation, der African Wildlife Foundation und von Karl Ammann unterstützt.

Ansprechpartner

Dr. Thurston C. Hicks
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-232
E-Mail: clevehicks@hotmail.com
Sandra Jacob
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-122
E-Mail: jacob@eva.mpg.de
Originalpublikation
Thurston C. Hicks, Sandra Tranquilli, Hjalmar Kuehl, Geneviève Campbell, Jeroen Swinkels, Laura Darby, Christophe Boesch, John Hart, Steph B.J. Menken

Absence of evidence is not evidence of absence: Discovery of a large, continuous population of Pan troglodytes schweinfurthii in the Central Uele region of northern DRC

Biological Conservation, 05.02.2014, DOI: 10.1016/j.biocon.2014.01.002

Dr. Thurston C. Hicks | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/7896018/schimpansen_population_kongo

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

nachricht "Brauchen wir das?" Auf dem Weg zu einer umweltgerechten Bedarfsprüfung von Infrastrukturprojekten
09.08.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten