Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Modellierungsstudie belegt: Hochgebirgsflora reagiert verzögert auf den Klimawandel

07.05.2012
Bestandsaufnahmen spiegeln nicht das volle Ausmaß des rezenten Klimawandels wider: Dies belegt eine Modellierungsstudie am Beispiel der Hochgebirgsflora der Alpen.
Ein Team europäischer WissenschafterInnen um Stefan Dullinger vom Department für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie der Universität Wien stellt aktuell in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" ein neues Modell zu den Dynamiken von Wanderungsprozessen von Alpenpflanzen vor.

Als Reaktion auf die Erwärmung des Klimas ist eine Verschiebung der Verbreitungsgrenzen von Pflanzenarten in Richtung der Pole bzw. in höhere Lagen der Gebirge zu erwarten. Bisherige Prognosen solcher Arealschiebungen gehen von Voraussetzungen aus, die in vielen Fällen nicht zutreffen. Vorhersagen bezüglich des zu erwartenden regionalen Artenverlustes sind daher mit großen Unsicherheiten belastet.

Artenverluste basierend auf Klimaprognosen errechnen

In ihrer Publikation in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" stellt ein Team europäischer WissenschafterInnen ein neues Modell vor, das die Dynamiken von Wanderungsprozessen besser abbildet. Basierend auf prognostizierten Klimaänderungen wurden die Arealveränderungen von 150 Pflanzenarten der Hochlagen ausgehend von ihrer heutigen Verbreitung innerhalb der Alpen berechnet. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts werden diese Hochgebirgsarten im Durchschnitt 44 bis 50 Prozent ihrer heutigen Fläche verlieren. Diese Verluste sind damit deutlich geringer als mit traditionellen Modellierungstechniken vorausgesagt.

Verzögertes Aussterben

Der neue Modellierungsansatz zeigt auch auf, dass Alpenpflanzen nicht unmittelbar auf klimatische Veränderungen reagieren. In der näheren Zukunft wird ein wesentlicher Anteil der Bestände in Gebieten zu finden sein, die sich für ein dauerhaftes Überleben der entsprechenden Arten nicht mehr eignen. Die lange Lebenszeit und ihre Fähigkeit zu klonalem Wachstum ermöglicht es den Arten jedoch, den Prozess des Aussterbens zu verzögern.

In den kommenden Jahrzehnten werden daher wahrscheinlich nur moderate Verluste an Pflanzenarten in den Alpen zu beobachten sein. "Unsere Ergebnisse zeigen jedoch klar, dass das gesamte Ausmaß der aktuellen Klimaerwärmung erst mit jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertelanger Verzögerung erkennbar sein wird", erklärt Stefan Dullinger von der Universität Wien.

Endemische Arten besonders bedroht

Die Wissenschafter konnten auch feststellen, dass endemische Arten – also Pflanzen, deren Verbreitung auf Teilgebiete der Alpen beschränkt ist – besonders sensibel auf die Klimaänderungen reagieren. Drei von vier dieser Arten werden mindestens 80 Prozent ihres derzeitigen Verbreitungsgebietes einbüßen, weil sie aufgrund ihrer Ausbreitungsfähigkeit klimatisch geeignete Areale nicht erreichen. Verstärkend kommt hinzu, dass sie häufig in randlichen Gebieten der Alpen vorkommen, deren geringere Gipfelhöhen ein Ausweichen in höhere Lagen nicht ermöglichen und damit zur klimatischen Falle werden. "Dies ist besonders besorgniserregend, weil endemische Arten ein natürliches Erbe darstellen, das einzigartig für eine Region ist und im Falle des lokalen Aussterbens einen unwiederbringlichen Verlust bedeutet", fügt Karl Hülber vom Wiener Institut für Naturschutzforschung und Ökologie (VINCA) hinzu.

Publikation in "Nature Climate Change"
Extinction debt of high-mountain plants under twenty-first-century climate change: Stefan Dullinger, Andreas Gattringer, Wilfried Thuiller, Dietmar Moser, Niklaus E. Zimmermann, Antoine Guisan, Wolfgang Willner, Christoph Plutzar, Michael Leitner, Thomas Mang, Marco Caccianiga, Thomas Dirnböck, Siegrun Ertl, Anton Fischer, Jonathan Lenoir, Jens-Christian Svenning, Achilleas Psomas, Dirk R. Schmatz, Urban Silc, Pascal Vittoz, & Karl Hülber. Online ab 6. Mai 2012.
DOI: 10.1038/NCLIMATE1514

Wissenschaftliche Kontakte
Dr. Stefan Dullinger
Department für Naturschutzbiologie,
Vegetations- und Landschaftsökologie
Universität Wien
1030 Wien, Rennweg 14
T +43-1-4277-543 79
stefan.dullinger@univie.ac.at

Dr. Karl Hülber
Wiener Institut für Naturschutzforschung und Ökologie
VINCA
T +43-1-4277-543 79
karl.huelber@vinca.at

Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau