Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturschutzgroßprojekt "Ostrügensche Boddenlandschaft" erfolgreich abgeschlossen

13.05.2009
Nach 14 -jähriger Projektlaufzeit konnte das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums geförderte Naturschutzgroßprojekt "Ostrügensche Boddenlandschaft" erfolgreich abgeschlossen werden.

"Mit dem Förderprogramm wurden die hochwertigsten Bereiche von Natur und Landschaft in dem 11.094 ha großen Kerngebiet gesichert und zahlreiche beispielhafte Maßnahmen zur Renaturierung und Optimierung von Lebensräumen, vor allem Waldstandorte, Niedermoore und Magerrasen, konnten mit Erfolg durchgeführt werden", sagte BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel.

"Die Maßnahmen sind ein langfristiger Beitrag zur Steigerung der Bedeutung dieser Region für den Naturschutz und stellen daher auch eine Erhöhung des wirtschaftlichen Wertschöpfungspotentials dar. Die Realisierung eines solchen Naturschutzgroßprojektes im Südosten der Insel Rügen war eine besondere Herausforderung, weil der Raum vielfältigen Nutzungsansprüchen und einer hohen Flächenkonkurrenz unterliegt", so Beate Jessel. Die einzigartige Naturausstattung war 1995 ausschlaggebend dafür, diese für den Naturschutz national bedeutenden Landschaftsteile in das Förderprogramm "Chance Natur - Bundesförderung Naturschutz" aufzunehmen.

In dem insbesondere durch den Tourismus stark beanspruchten südöstlichen Teilraum Rügens war es nicht immer einfach, Akzeptanz für Maßnahmen des Naturschutzgroßprojektes zu bekommen und Flächen zu erwerben. Dieses ist dem Landschaftspflegeverband Ostrügen als Projektträger, durch kooperative Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und Betroffenen sowie fairen Interessenausgleich beispielhaft gelungen.

Das 24.800 ha große Projektgebiet ist gekennzeichnet durch die stark bewegte Boddenland-schaft im Südosten Rügens mit flachen Meeresbuchten, Dünen, Strandwällen, Flachwasserseen, Niederungen und geschlossenen Waldgebieten auf historisch alten Waldstandorten und mit einem weiten Spektrum an Biotoptypen. Im Projektzeitraum wurden Grundstücke (1000 ha) gekauft, Maßnahmen zur Besucherlenkung durchgeführt sowie Flächen (350 ha) der Bodenverwaltungs- und Verwertungsgesellschaft (BVVG) kostenlos an den Landschaftspflegeverband übertragen. Damit konnten insbesondere großflächig zusammenhängende Buchwälder sowie Strand-, Dünen- und Kliffabschnitte, Moore und Gewässer aus der Nutzung genommen und der eigendynamischen Entwicklung überlassen werden.

In mehreren Niedermoorbereichen konnten auf insgesamt ca. 500 ha Fläche naturnahe Wasser-verhältnisse wiederhergestellt werden. Der stark verunreinigte "Schmachter See" wurde entschlammt und damit natürliche Nährstoffgehalte im Wasser wiederhergestellt. Zur Entwicklung von Trocken- und Magerrasen und zur Erhaltung der Feuersteinfelder, eines einzigartigen Bio- und Geotops wurden umfangreiche Entbuschungsmaßnahmen durchgeführt.

Große Teile des Projektgebietes liegen innerhalb des Biosphärenreservats Südost-Rügen. Das Projekt hat hier gute Grundlagen für die angestrebte Erweiterung des Biosphärenreservats geschaffen. Durch die Nutzungsaufgabe in großen Waldbereichen im Kerngebiet des Projektes ist eine Erhöhung des Kernzonenanteils des Biosphärenreservats möglich.

Hintergrundinformationen:
Mit der Förderung gesamtstaatlich repräsentativer Naturschutzgroßprojekte (Chance Natur -Bundesförderung Naturschutz) unterstützt der Bund seit 1979 ausgewählte Regionen dabei, besonders schützenswerte und gesamtstaatlich repräsentative Teile von Natur und Landschaft großräumig zu sichern. Bundesweit gibt es derzeit 25 laufende und 42 erfolgreich abgeschlossene Naturschutzgroßprojekte. Insgesamt wurden seit 1979 über 370 Millionen Euro Bundesmittel für die Sicherung und Entwicklung bundesweit bedeutsamer Landschaftsausschnitte bereitgestellt.

Für das Naturschutzgroßprojekt "Ostrügensche Boddenlandschaft" stellte das Bundesumweltministerium insgesamt 9,0 Mio. € bereit, bei Gesamtkosten von rd. 12,2 Mio. €. Durch das Land Mecklenburg-Vorpommern wurden 2,0 Mio. € und durch den Projektträger, den Landschaftspflegeverband Ostrügen e.V. (seit 2008 Landschaftspflegeverband Rügen), 1,2 Mio. € aufgebracht.

Eine der ersten biotoplenkenden Maßnahmen war die Entbuschung der Feuersteinfelder, eines einzigartigen Bio- und Geotops, welches vor ca. 3500 bis 4000 Jahren durch Sturmfluten aufgeworfen wurde, seit Beginn des 20. Jahrhunderts aber zunehmend von Pioniergehölzen überwachsen wird. Daher sind hier immer wieder Pflegemaßnahmen erforderlich.

Auf dem Nordperd und auf Klein Zicker konnten nach dem Rückbau von baulichen sowie militärischen Altlasten großflächig Trockenrasen entwickelt werden. Beide Flächen werden heute extensiv mit Schafen beweidet.

Ein sehr ehrgeiziges und umfangreiches Teilprojekt war die Entschlammung des Schmachter Sees. Vorrangiges Ziel dieser Seerestauration war die Wiederherstellung natürlicher Nährstoffgehalte im Wasser und Sediment, die sich durch die Einleitung von Abwässern der Kläranlage und erhöhte Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten vor Beginn des Projektes unnatürlich erhöht hatten und den Lebensraum für typische Pflanzen und Tiere stark gefährdeten. Insgesamt wurden 327.000 m3 Schlamm entnommen, die als Dünger auf landwirtschaftlich genutzten Flächen außerhalb des Einzugsgebietes verwertet werden konnten.

Die im nördlichen Projektgebiet gelegenen Bundesflächen rund um den Kleinen Jasmunder Bodden (rund 1900 ha) wurden 2008 als Bestandteil des nationalen Naturerbes an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) für Zwecke des Naturschutzes unentgeltlich übertragen. Damit werden auch auf diesen Flächen die uneingeschränkte Umsetzung der Projektziele und deren langfristige Sicherung möglich. Übergeordnetes Ziel für diese Flächen ist es, alle Wälder möglichst schnell einer natürlichen eigendynamischen Entwicklung zuzuführen; wertvolle Offenlandlebensräume sollen erhalten und gepflegt werden.

Zu den seltenen und gefährdeten Arten des Gebietes zählen u.a. Meerstranddistel, mittlerer Sonnentau, Glockenheide, Sumpf-Glanzkraut, See- und Fischadler, Raub- und Trauerseeschwalbe, Wiedehopf, Kreuzkröte, Springfrosch, Schlingnatter und der Fischotter.

Anlässlich des 20jährigen Jubiläums zur Öffnung des Eisernen Vorhangs organisieren das Bundesamt für Naturschutz und das österreichische Umweltbundesamt vom 19.-30.August 2009 den internationalen NATURATHLON - Natur grenzenlos. Die Route führt vom "Paneuropäischen Picknickplatz" an der österreichisch/ungarischen Grenze bis zum Europa Parlament nach Straßburg.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.Naturathlon.eu
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie