Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturschutz ohne Grenzen

21.07.2011
Länderübergreifende Zusammenarbeit beim Naturschutz lässt Europa zusammenrücken

Gemeinsame Schutzmaßnahmen mehrerer Länder kommen der Natur in besonderem Maße zugute und unterstützen darüber hinaus oft die Lösung sozialer und politischer Konflikte. Das zeigt die neue Publikation der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature).

Das Buch „Crossing Borders for Nature: European examples of transboundary conservation” stellt den grenzüberschreitenden Naturschutz in Europa vor, beleuchtet seine Herausforderungen und seinen Nutzen. Die Veröffentlichung ist Teil eines Beratungshilfeprojekts der IUCN und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Es hat sich zum Ziel gesetzt, die grenzüberschreitende Naturschutzzusammenarbeit im Grenzgebirge zwischen Albanien, Mazedonien und dem Kosovo zu verbessern.

„Aufgrund der Isolation dieser Region in der Vergangenheit und ihrer bisherigen politischen Instabilität war die Grenze zwischen diesen Ländern für Jahrzehnte unzugänglich“, so Tomasz Pezold, Projektleiter der IUCN und Herausgeber der Publikation. „Dadurch zählt sie mittlerweile zu den letzten intakten Naturgebieten Europas mit den teilweise größten Populationen von Bär, Wolf und Luchs. Grenzüberschreitender Naturschutz in dieser Region ermöglicht die Bewahrung dieses einzigartigen Naturerbes in seiner Integrität und bringt Länder zusammen, die jahrelang voneinander isoliert waren.“

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Naturschutz hat eine hohe ökologische Bedeutung, denn mit dem Schutz ausgedehnter Naturgebiete wird die Wanderung von Tierarten ermöglicht und der Verlust der biologischen Vielfalt eingedämmt. Diese Art der Kooperation bietet auch ehemals verfeindeten Parteien die Chance, den Dialog wieder aufzugreifen, schafft zusätzliche Einkommensmöglichkeiten und hilft politische Konflikte zu lösen.

„Viele Beispiele verdeutlichen die Vorteile, die die internationale Zusammenarbeit für den Erhalt des Natur- und Kulturerbes, die Verbesserung der Lebensbedingungen von Anrainergemeinden, den Abbau von Spannungen und die Wiederherstellung freundschaftlicher nachbarschaftlicher Beziehungen hat“, so BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel. „Dass ein effektiver grenzüberschreitender Naturschutz hilft, politische, ökonomische und soziale Unterschiede über Grenzen hinweg zu überwinden, lässt staatliche Akteure und Schutzgebietsmanager zunehmend sein Potential erkennen.“

So ist es im Gebiet der Prespaseen, einer Grenzregion zwischen Albanien, Mazedonien und Griechenland mit besonderer Artenvielfalt und einzigartigen geologischen Strukturen, durch trilaterale Zusammenarbeit im Naturschutz gelungen, das politische Konfliktpotenzial zwischen diesen drei Ländern zu entschärfen.

Im Biosphärenreservat Ostkarpaten, das sich im Drei-Länder-Eck von Polen, Slowakei und Ukraine befindet, hat die länderübergreifende Zusammenarbeit zum Schutz der Natur dazu geführt, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Nationen wieder aufzubauen, nachdem dort im Zweiten Weltkrieg Zehntausende ihr Leben gelassen und viele jahrelang unter der Isolation durch das kommunistische Regime gelitten hatten.

Seit der Einrichtung der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava (im tschechischen Teil des Böhmerwalds) hat sich dort der Tourismus zu einem wesentlichen Faktor der regionalen Wirtschaft entwickelt, der zusätzliche Arbeitsplätze und Einkommen schafft.

„Natur macht nicht an menschengemachten Grenzen halt. Unsere Bemühungen, sie zu bewahren, sollten dies auch nicht tun“, so Maja Vasilijeviæ, Vorsitzende der Transboundary Conservation Specialist Group der Weltschutzgebietskommission der IUCN und Mitherausgeberin der Publikation. „Grenzüberschreitender Naturschutz gewinnt zunehmend an Bedeutung beim Schutz und Erhalt großer Ökosysteme und bei der Verbesserung der sozioökonomischen Entwicklung in diesen Gebieten.“

Die Publikation wurde mit Finanzierung durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt (UBA) mit Mitteln des Beratungshilfeprogramms für den Umweltschutz in den Staaten Mittel- und Osteuropas, des Kaukasus und Zentralasiens ermöglicht.

Franz August Emde | Bundesamt für Naturschutz
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Plastik – nicht nur Müll
26.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Paradiese in Gefahr: Bayreuther Studierende forschen auf den Malediven zu Plastikmüll in den Meeren
13.04.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie