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Naturschutz braucht Flächen

05.08.2008
Wird bei einem Bauvorhaben Boden versiegelt, der Grundwasserstand verändert oder das Landschaftsbild beeinträchtigt, ist der Bauherr oder Vorhabensträger nach Naturschutz- und Baurecht oft zu Ausgleich oder Ersatz verpflichtet.

Die Suche nach geeigneten Flächen verläuft dabei nicht immer unproblematisch. In Sachsen unterstützt ab sofort die neue Sächsische Ökoflächen-Agentur bei Flächensuche, Grunderwerb und Maßnahmenplanung.

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) bereiteten durch ihre Forschungsarbeit die Agenturtätigkeit vor.

"Durch die Ökoagentur können Bauvorhaben beschleunigt und gleichzeitig qualitativ hochwertige Kompensationsmaßnahmen gefördert werden", lobt Lars Stratmann vom IÖR in Dresden die Einführung der Agentur. Gemeinsam mit Partnern vom UFZ in Leipzig untersuchte er im Projekt "ReNat - Regionales Naturschutznetz" in den vergangenen drei Jahren die Konzeption und Abstimmung von Kompensationsmaßnahmen im Südraum Leipzig. Das Projekt, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, bildete die Grundlage für die Einführung der Ökoflächen-Agentur.

"Die Suche nach Ausgleichsflächen für den Naturschutz infolge von Bauvorhaben hat insbesondere im Großraum Leipzig zu Konkurrenz und Konflikten bei der Flächennutzung geführt", erläutert Lars Stratmann die besondere Relevanz der Thematik für Sachsen. Leipzig hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Die Folge: Die Neuversiegelung von Flächen war hier am umfangreichsten. Autobahn, Flughafen und Gewerbe nahmen Flächen der hochwertigsten Ackerböden Sachsens an Leipzigs Stadtgrenze ein.

Der Naturschutz beanspruchte als Ausgleich weitere Flächen. Auf diesen Flächen kann künftig keine intensive Landwirtschaft mehr betrieben werden. Um den Nutzungsdruck auf hochwertige Böden zu entschärfen, suchten die Wissenschaftler des IÖR und UFZ nach Möglichkeiten, Flächen der Tagebaufolgelandschaft als Ausgleichsflächen für den Naturschutz zu etablieren.

Dazu müssen die bereits hochwertigen, aber verinselten Lebensräume in der Tagebaufolgelandschaft über die oft noch ausgeräumten Kippenflächen hinweg vernetzt werden. Die Wissenschaftler legten den Grundstein für die künftige Umsetzung eines solchen Netzes, einem sogenannten Biotopverbund, durch den auch das Landschaftsbild aufgewertet wird. In Leipzig können damit insbesondere bei Großvorhaben die Kompensationsansprüche nun auch gezielt im Südraum der Stadt auf den Böden der Tagebaufolgelandschaft verwirklicht werden. Die Sächsische Ökoagentur kann Bauherren und Vorhabensträger bei Flächensuche und Grunderwerb, Maßnahmenplanung und -umsetzung sowie der anschließenden Flächenverwaltung unterstützen.

Die Sächsische Ökoflächen-Agentur wird gemeinsam durch die Sächsische Landsiedlung GmbH (SLS) und die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt gebildet. Während die SLS künftig vor allem Flächen entwickelt und Maßnahmen vermittelt, wird die Landesstiftung für den langfristigen Erhalt der Flächen verantwortlich sein.

Anja Petkov | idw
Weitere Informationen:
http://www.ioer.de

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