Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturschutz und Biomasse im Spannungsfeld

01.04.2009
Jessel:
o "Synergieeffekt nutzen und naturverträgliche Systeme fördern"
o "Grünlandumbruch nimmt bedenkliche Maße an"

"Der Anbau von Energiepflanzen rückt zunehmend in ein Spannungsfeld mit dem Naturschutz. Vornehmliches Ziel muss es sein, einem weiteren Verlust an biologischer Vielfalt zu verhindern!", forderte Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), gestern in ihrer Rede bei der Internationalen Konferenz "Biomass in Future Landscapes" in Berlin.

Mit der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft und stärker werdender Flächenkonkurrenz seien aus Naturschutzsicht ungünstige Trends zu beobachten. Denn Anbaumethoden mit enger Fruchtfolge, Monokulturen oder höherer Düngemittel- und Herbizideinsatz gingen vielfach mit dem Verlust an Kulturartenvielfalt, biologischer Vielfalt und von Landschaftsstrukturen einher.

Vor allem der Grünlandumbruch zugunsten des Anbaus von Energiepflanzen, nehme bedenkliche Ausmaße an. Dabei seien regional oftmals gravierende Veränderungen der Grünlandanteile zu beobachten, während die Situation auf Länderebene noch gar nicht dramatisch erscheine, so Jessel.

Mit dem Energiepflanzenanbau können aber auch positive Auswirkungen oder Synergieeffekte auf Natur und Landschaft verbunden sein. "Diese gilt es jedoch weitaus stärker als bisher zu nutzen und durch aktive Anreize zu fördern", sagte die BfN-Präsidentin. Solche Synergieeffekte können immer dann eintreten, wenn über den Biomasseanbau Verbesserungen gegenüber dem Ausgangszustand erreicht werden. So könne es in ausgeräumten, strukturarmen Landschaften durch den Einsatz bestimmter Anbauformen, wie Kurzumtriebsplantagen oder Agroforstsystemen zu einer Aufwertung des Landschaftsbilds und der Kulturartenvielfalt kommen.

Die Verwendung alter Kultursorten, die Erhaltung von extensivem Grünland und naturschutzfachlich wertvollen Flächen könne sich günstig auf die Tier- und Pflanzenartenvielfalt und das Landschaftsbild auswirken. Besonders über die energetische Nutzung von Landschaftspflegematerial ließen sich Synergien zwischen Naturschutz und Bioenergieproduktion realisieren.

Nach Ansicht von BfN-Präsidentin Jessel muss der Ausbau der Bioenergienutzung unter Integration des Naturschutzes auch von umfassenden Nachhaltigkeitskriterien flankiert, sowie mit relevanten Strategien und Instrumenten naturverträglich ausgestaltet werden. In Deutschland sollten die Regeln "Guter fachlicher Praxis in der Landwirtschaft" mit Blick auf die spezifischen Anforderungen des Biomasseanbaus in der ganzen Fläche fortentwickelt werden. Insgesamt kommt es jedoch vor allem auf die Ausgestaltung entsprechender finanzieller Anreize an. Nur so könnten nachhaltige und auch Naturschutzzielen förderliche Biomasseanbauformen auch mit anderen Anbauformen konkurrieren.

Räumliche Steuerungselemente der Regional- und Landschaftsplanung sollten als unterstützende Maßnahme dazu beitragen, die Bioenergieproduktion in Einklang mit den Ansprüchen des Natur- und Landschaftsschutzes zu bringen. Dies könne etwa über die Ausarbeitung entsprechender räumlicher Leitbilder erfolgen, die der notwendigen landschaftsräumlichen Differenzierung der Bioenergieproduktion gerecht werden.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics