Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nationalpark Asinara: Juniorforschergruppe entwickelt Strategie zum Erhalt der Artenvielfalt

04.04.2014

Auf Asinara, einer ehemaligen Gefängnisinsel vor Sardinien, leben heute kaum Menschen, dafür weist die Insel jedoch eine besonders hohe Biodiversität auf. So wurden beispielsweise etwa 700 Pflanzenarten auf der Insel nachgewiesen.

Doch diese Vielfalt ist durch eine zu große Zahl an Weidetieren und Klimawandel bedroht. Biologen und Geologen der Universität Hildesheim untersuchen seit einem Jahr die Wechselwirkungen zwischen Klima, Böden, Beweidung und Biodiversität. Sie zählen Tiere und protokollieren Verhaltensweisen. In Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Asinara entwickeln sie ein Schutzkonzept für den Nationalpark.


Pferdebeweidung im südlichen Teil der italienischen Insel Asinara

Foto: Jasmin Mantilla-Contreras/Uni Hildesheim


Esel auf der ehemaligen Gefängnisinsel Asinara, die heute ein Nationalpark ist

Foto: Jasmin Mantilla-Contreras/Uni Hildesheim

Im mediterranen Raum zählt Sardinien zu den Gebieten mit dem höchsten Artvorkommen in der Pflanzenwelt. Auf der italienischen Insel Asinara – die nur 52 Quadratkilometer groß ist – wurden etwa 700 Pflanzenarten gefunden. Diese hohe Artenzahl kommt durch die reich strukturierte Landschaft – hügeliges Inland und Küstenzonen – sowie durch die hohe Vielfalt an großen Weidetieren, wie beispielsweise Pferde oder Esel, zustande.

„Doch die Insel leidet an Überweidung durch ausgewilderte Nutztiere wie Ziegen, Pferde und Esel, die durch Menschen in das eigentlich abgeschlossene Ökosystem eingebracht wurden. Sie vermehren sich – es gibt bisher keine ausreichende Regulierung. Wie Alcatraz war Asinara eine Gefängnisinsel, erst seit 1999 ist sie ein Nationalpark – und somit dürfen Tiere dort eigentlich nicht gejagt werden“, sagt Jasmin Mantilla-Contreras, Juniorprofessorin für Ökologie und Umweltbildung an der Universität Hildesheim.

Gemeinsam mit Geographieprofessor Martin Sauerwein leitet sie das Forschungsprojekt. Dabei geht es um Lösungswege, wie der Nationalpark gemanagt werden kann, um die Artenvielfalt zu erhalten. Nicht nur Überweidung, auch der Klimawandel ist in dieser Region spürbar. „Das mediterrane Ökosystem liegt in einer sensiblen Klimazone und kann auf Klimawandel bei geringen Änderungen extrem reagieren. So könnten beispielsweise die Sommer in der Zukunft noch trockener werden“, sagt Martin Sauerwein. Insbesondere sensible Arten könnten dann verdrängt und die hohe Artenzahl insgesamt verringert werden, wenn nicht ausreichend Wasser zur Verfügung steht.

Auf Asinara leben heute kaum Menschen, nur die Nationalparkwächter. Seit einem Jahr sind die Biologen und Geologen regelmäßig vor Ort. Darunter vier Doktoranden. Welchen Einfluss die Beweidung auf die Artenvielfalt hat – darauf konzentrieren sich die jungen Nachwuchswissenschaftler. Robin Stadtmann untersucht den Boden und das Relief, um insbesondere die Ökosystemdienstleistungen der Böden abschätzen zu können. Tim Drissen – wie Robin Stadtmann einer der ersten Absolventen des Masterstudiengangs Umweltwissenschaft und Naturschutz der Hildesheimer Universität – untersucht die pflanzliche Diversität auf der Insel.

Julia Treitler untersucht, wie viele Weidetiere auf der Insel leben, wie groß die Herden sind und welche Fraßvorlieben sie haben. Aus den Einzelvorhaben sollen Rückschlüsse gezogen werden welche Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen dem Relief, dem Boden, der Vegetation und den Weidetieren bestehen. Seit diesem Monat ist noch eine weitere Doktorandin dazu gekommen: Rebecca Winter untersuchte in ihrer Masterarbeit das Vorkommen von Fledermäusen auf der Insel. Da sie eine sehr hohe Aktivität sowie eine große Artenzahl auf der Insel fand, wird sie ihre Forschungen im Rahmen einer Doktorarbeit erweitern.

In einer ersten Phase – das gesamte Forscherteam war zum Projektbeginn 2013 zehn Wochen auf der Insel – wurden Zählungen durchgeführt und Verhaltensprotokolle geschrieben. Welche Tiere sind wo, welche Pfade nutzen sie? Dabei wurde deutlich, dass insgesamt zu viele Tiere auf der Insel sind. Besonders problematisch sind Ziegen und Wildschweine, die sich zahlreich vermehrt haben und durch Überweidung oder Umwühlen von Vegetation Schäden anrichten. Pferde kommen hauptsächlich auf dem Südteil der Insel vor, graue Esel auf dem Nordteil, weiße Esel bevorzugt im Süden; Mufflons, Ziegen und Wildschweine kommen auf der gesamten Insel vor. Viele Tiere wie etwa die weißen Esel nutzen die alten Gefängnisgebäude als Schattenplätze. Es zeigte sich zudem, dass sich die Tiere in den Sommermonaten anders verhalten als in den Wintermonaten, was an der Jahreszeit liegen kann, aber auch an der Abwesenheit der Touristen während der Wintermonate.

Mittlerweile konnten die Juniorforscher erste Lösungsstrategien in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark entwickeln. Der Nationalpark möchte die Esel und Pferde auf der Insel halten, es soll jedoch eine starke Regulation der Ziegen und Wildschweine erfolgen. Die Juniorforschergruppe schlägt außerdem vor, die alten Gebäude stehen zu lassen, da diese auch von Fledermäusen als Quartiere genutzt werden. Da Touristen einen Einfluss auf die Tiere zu haben scheinen, sollte überlegt werden weniger Touristen auf die Insel zu lassen.

Die Hildesheimer Juniorforschergruppe „Einfluss von Beweidung, Pedosphäre, Relief und Klimawandel auf die Biodiversität im Nationalpark Asinara (Sardinien)“ arbeitet mit der Freien Universität Bozen (Prof. Dr. Stefan Zerbe) zusammen. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Fischer-Stiftung) fördert das Forschungsprojekt mit 150.000 Euro bis 2016. Die Glaser-Stiftung, ebenfalls im Stifterverband, unterstützt die Doktorarbeit von Rebecca Winter mit weiteren 45.000 Euro bis 2017. Die Forscher binden auch Studierende der Bachelorstudienvariante Umweltsicherung sowie des Masterstudienganges „Umweltwissenschaft und Naturschutz“ ein, sie nehmen an Exkursionen nach Sardinien teil. Derzeit schreiben zwei weitere Masterstudierende ihre Abschlussarbeiten auf Asinara.

Aktuelle Entwicklung:

Die Juniorforschergruppe veranstaltete Anfang April einen internationalen Workshop „Influence of grazing, soils, topography and climate change on the biodiversity of the National Park Asinara (Sardinia)". Gemeinsam mit rund 25 Experten, die ebenfalls auf der Insel oder auf Sardinien zu ähnlichen Themengebieten arbeiten, und der Nationalparkverwaltung tauschten sie in Porto Torres auf Sardinien erste Forschungsergebnisse aus. Im Anschluss bleiben die Forscher weitere zehn Tage im Nationalpark, die vier Doktoranden bleiben bis Juli 2014.

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905).

Weitere Informationen:

http://www.uni-hildesheim.de/fb4/institute/biologie/abteilung-biologie/arbeitsgr... - Arbeitsgruppe Ökologie und Umweltbildung der Uni Hildesheim
http://www.uni-hildesheim.de/fb4/institute/biologie/abteilung-biologie/arbeitsgr... - Forschungsprojekt Uni Hildesheim

Isa Lange | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Die Zerschneidung der Tropenwälder steigert den Ausstoß von Treibhausgasen um weiteres Drittel
30.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE