Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

NABU stellt Bericht zur Lage der Vögel im deutschen Wattenmeer vor

16.03.2010
Bestände vieler Vogelarten gehen zurück

Anlässlich der morgen beginnenden Umweltminister-Konferenz der drei Wattenmeeranrainerstaaten auf Sylt warnt der NABU in einem Bericht vor dramatischen Rückgängen bei vielen Vogelarten im deutschen Wattenmeer.

"Die Situation ist alarmierend. Einige Vogelarten werden deutlich seltener, ohne dass die Ursachen dafür genau bekannt sind. Der Schutz des Wattenmeeres lässt noch viele Wünsche offen", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Der NABU fordert die Minister auf, die Schutzbemühungen für das Wattenmeer zu verstärken, eine Anpassungsstrategie für das Wattenmeer mit Blick auf den Klimawandel zu entwickeln und die Umweltgefahren durch die überfällige Ausdehnung des PSSA-Gebietes (Particular Sensitive Sea Area) zu verringern.

19 von 33 im NABU-Bericht untersuchte Zugvogelarten (ca. 60 Prozent) haben in den letzten 20 Jahren in ihren Beständen abgenommen. Besonders betroffen sind neben seltenen Arten wie dem Seeregenpfeifer auch Charakterarten wie Austernfischer, Knutt und Brandgans. Die Rückgänge dieser Arten liegen bei 30 bis 50 Prozent.

Als langjährig bekannte Bedrohungen der Vogelbestände des Wattenmeeres sind vor allem die Muschelfischerei, Öl- und Gasbohrungen sowie die zunehmende Verschmutzung des Meeres durch Plastikmüll und Öl zu nennen.

"Eine neue und große Bedrohung für das Wattenmeer ist der Klimawandel. Da die Landseite des Wattenmeeres durch Deiche festgelegt ist, führt ein steigender Meeresspiegel zur Erosion der Wattflächen und Salzwiesen. Dieser Verlust von Lebensraum und Nahrungsgrundlage wird sich unmittelbar auf die Bestandsgrößen der Wattenmeervögel auswirken", so Hermann Hötker, Autor des Berichts und Leiter des Michael-Otto-Instituts im NABU.

Zusammen mit seinen Partnern in Dänemark und den Niederlanden wird sich der NABU in Zukunft deutlich stärker für den Schutz des Wattenmeeres engagieren. Schwerpunkte der Arbeit sind dabei der Schutz des Wattenmeeres gegen akute Bedrohungen, die Entwicklung von Visionen für das Wattenmeer der Zukunft sowie eine ökologisch nachhaltige Entwicklung der Wattenmeer-Region.

Das Wattenmeer ist von herausragender Bedeutung für Millionen von Vögeln, die es als Zugvögel passieren oder als Brutvögel zur Aufzucht ihres Nachwuchses nutzen. Es ist eines der größten Feuchtgebiete der Erde und wird geprägt von ausgedehnten, im Rhythmus der Gezeiten trocken fallenden Wattflächen sowie angrenzenden Stränden, Dünen und Salzwiesen. Als eines der letzten großräumig naturnahen Ökosysteme Europas wurde es 2009 in großen Teilen von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt.

Seit Mitte der 1980er Jahre haben die Küsten-Bundesländer die überwiegenden Teile des deutschen Wattenmeeres zu Nationalparken erklärt, der höchsten deutschen Schutzkategorie. Der NABU-Bericht würdigt die bisherigen Anstrengungen, zeigt jedoch auch erhebliche Defizite bei der Ausgestaltung des Naturschutz-Managements in diesen Schutzgebieten. So ist der Einfluss ökonomischer Interessen wie Fischerei, Ölförderung, Schifffahrt und Tourismus nach wie vor hoch. Nullnutzungsgebiete, also Bereiche, in denen sich die Natur ohne den Einfluss menschlicher Aktivitäten entwickeln könnte, fehlen weitgehend.

Meeresgebiete von hoher ökologischer Bedeutung können von der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) als PSSA ausgewiesen werden, wenn sie durch die Schifffahrt bedroht sind. Durch z. B. Lotsenpflicht und Meldesysteme kann hier die Schiffssicherheit erhöht werden. Das seit 2002 bestehende PSSA Wattenmeer umfasst bislang lediglich die Nationalparke und weitere Schutzgebiete, nicht aber die sehr dicht befahrenen Schifffahrtswege.

Der Bericht mit dem Titel "Status, Threats and Conservation of Birds in the German Wadden Sea" ist erhältlich für 2,50 EUR zzgl. Versandkosten im NABU-Shop, 0511-2157111, info@nabu-natur-shop.de.

Ansprechpartner sind der Autor und Leiter des Michael-Otto-Instituts im NABU, Hermann Hötker (0162-9098074), NABU-Wattenmeerexperte Dominic Cimiotti (0162-1303041), sowie Koautor Stefan Schrader (0170-8065043).

NABU-Pressestelle | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.NABU.de

Weitere Berichte zu: Klimawandel NABU NABU-Bericht PSSA Salzwiesen Schifffahrt Schutzgebiet Wattenmeer Wattflächen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise