Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Moore gegen Klimawandel

05.12.2011
Der Niedermoorboden ist der „Boden des Jahres 2012“. Am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei erarbeiten Forscher Strategien, wie trockengelegte Niedermoore durch Revitalisierung ihre Funktion als Nährstoff- und Kohlendioxidspeicher wiedererlangen können.

Man nennt sie auch die Nieren der Landschaft. Moore sind bedeutende Stoff- und Wasserspeicher. In Zeiten des Klimawandels rückt ein weiterer Aspekt der Moore in den Mittelpunkt, ihre Fähigkeit Kohlendioxid zu speichern. Moore umfassen drei Prozent des globalen Festlandes, speichern aber 20 bis 30 Prozent der gesamten Kohlenstoffvorräte aller Böden. Das entspricht 40 bis 60 Prozent des CO2-Gehaltes der gesamten Atmosphäre.

Niedermoore werden im Gegensatz zu Hochmooren durch mineralreiches Grundwasser gespeist. Hochmoore entstehen durch Regenwasser, es gibt sie nur dort, wo die Niederschlagsmenge größer ist als die Verdunstung. Vor allem im nordostdeutschen Tiefland gab es einst eine Vielzahl von Niedermooren, sie säumten Flüsse und Seen. Davon sind nur noch weniger als fünf Prozent in ihrem ursprünglichen Zustand vorhanden. Sie wurden entwässert, um landwirtschaftliche Nutzfläche zu gewinnen, der Torf diente jahrhundertelang als Brennstoff. Dadurch verschwanden auch viele Tier- und Pflanzenarten und angrenzende Gewässer wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Aber die Moore einfach wieder zu bewässern, damit ist es nicht getan. „Jahrzehntelange Trockenlegung in Verbindung mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung hat zu irreversiblen chemischen und physikalischen Änderungen der oberen Bodenschicht geführt“, sagt Dr. Jörg Gelbrecht vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Die Forscher haben herausgefunden, dass sich durch den Sauerstoff, der beim Trockenlegen an den Torf gelangt, organische Nährstoffe in anorganische umwandeln, die leichter ausgewaschen werden. Beim Wiedervernässen der Moore können so mineralischer Phosphor und Stickstoff in angrenzende Gewässer gelangen und diese belasten. Die Forscher suchen nach Methoden, um dies zu verhindern. Ein möglicher Weg ist es, die oberste mineralisierte Torfschicht abzutragen und erst dann mit dem Wiedervernässen zu beginnen. Wo das nicht möglich ist, könnten auf wiedervernässten Mooren auch Wasserbüffel gehalten werden und somit eine ökologische Landwirtschaft ermöglichen. Sie entziehen Nährstoffe durch die Nahrungsaufnahme und tragen zu einer größeren Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt auf solchen Mooren bei.

Revitalisierte Moore beginnen zwar sofort Kohlendioxid zu speichern, durch den erneuten Sauerstoffabschluss kann sich aus verrottenden Pflanzenresten jedoch das klimaschädliche Methangas bilden. In welchem Maß das geschieht, hängt nach Erkenntnissen der Forscher auch von den Pflanzenarten und deren stofflicher Zusammensetzung ab. „Wenn wir genau wissen, welche Pflanzen am wenigsten Methan freisetzen, könnten diese in revitalisierten Mooren gezielt angesiedelt werden“, so Gelbrecht. Von der Vorstellung, auf diese Weise eine ursprüngliche Moorlandschaft zu erhalten, müsse man sich aber verabschieden. „Moore brauchen mehrere Jahrzehnte, um einen Zustand zu erreichen, der ihrem ursprünglichen Status entspricht“, so der Forscher.

Trotzdem leisten auch die revitalisierten Moorlandschaften schon nach wenigen Jahren bereits ganz konkrete Ökosystemdienstleistungen für die Landschaft und den Menschen: Sie halten Gewässer sauber, indem sie schädliches Nitrat aus angrenzenden Ackerflächen zurückhalten und schonen das Klima durch das Speichern von Kohlendoxid. Gemeinsam mit Kooperationspartnern wollen die Forscher deshalb ausrechnen, wie viel ein intaktes Moor im wahrsten Sinne des Wortes wert ist.

Auf eines möchte der Forscher noch dringend hinweisen: „Man sollte für seinen Garten keinen Torf kaufen. Dieser stammt oft aus Osteuropa und trägt dort zur Zerstörung der Moore bei.“

Boden des Jahres 2012
http://www.mugv.brandenburg.de/sixcms/detail.php/5lbm1.c.123464.de
Kontakt:
Dr. Jörg Gelbrecht
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 301,12587 Berlin, Email: gelbr@igb-berlin.de
(030) 64181730

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.igb-berlin.de/
http://www.mugv.brandenburg.de/sixcms/detail.php/5lbm1.c.123464.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften