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Misteln zeigen verborgene Belastungen in Böden

22.12.2008
Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts weisen Zusammenhang zwischen Mistelvorkommen und Schwermetallbelastung nach

In England und den USA lädt der weihnachtliche Mistelzweig dazu ein, unter ihm Küsse zu tauschen. Finden sich Misteln jedoch anstatt am Türbalken in großen Mengen auf Bäumen, ist die Botschaft unter Umständen weniger froh.

Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig haben herausgefunden, dass der Halbschmarotzer anzeigt, ob Schwermetalle im Boden vorhanden sind.

Die Verbreitung der Misteln hängt von vielen Faktoren ab, wie dem Vorkommen ihrer Wirtsbäume, von Vogelarten, die Mistelbeeren fressen und verbreiten, vom Kleinklima und nicht zuletzt von der individuellen Widerstandsfähigkeit des Wirtsbaumes. Die Belastung von Böden mit Schwermetallen setzt die Widerstandsfähigkeit der Bäume herab. Die Forscher des JKI-Institutes für Pflanzenbau und Bodenkunde zeigen in einer umfangreichen und soeben abgeschlossenen Studie, dass vor allem Pappeln auf schwermetallbelasteten Böden deutlich stärker von Misteln besiedelt werden als z. B. Ahornbäume oder Linden.

"In der Region Goslar, in der durch die Bergbaugeschichte viele Standorte mit Blei, Kupfer und Zink belastet sind, waren auf gering belasteten Böden des Stadtgebietes 9%, auf hoch belasteten Böden hingegen 49% aller Pappeln Wirte für Misteln", berichtet Ewald Schnug. Nach Aussagen des Institutsleiters sind Schwarzpappeln häufiger betroffen als Pyramidenpappeln. Damit konnten die Wissenschaftler, die seit 2003 die Mistelthematik bearbeiten, bestätigen, dass eine vermehrte Verbreitung von Misteln auf erhöhte Schwermetallbelastungen in Böden hinweist. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wollen die Wissenschaftler nun ein Verfahren zur Vorerkundung entwickeln. Mit Pappeln als Indikatoren und basierend auf der Verbreitungsdichte der Misteln sollen damit rasch Bodenbelastungen aufgespürt werden.

Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dr. habil. Dr. h.c. Ewald Schnug
Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde
am Julius Kühn-Institut (JKI) - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Bundesallee 50, 38116 Braunschweig
Tel.: 0531/ 596-2102
E-Mail: pb@jki.bund.de
Hintergrundinformationen zum Projekt:
Das Forschungsprojekt "Ein Beitrag zur Standortkunde der Laubholzmistel auf schwermetallbelasteten Böden" wurde seit Mitte 2003 bearbeitet und 2008 abgeschlossen. Aus ihm sind zwei Doktor- und eine Diplomarbeit hervorgegangen. Teilaspekte wurden in Kooperation mit dem HISCIA-Institut in Dornach und der Jacobs Universität Bremen bearbeitet.

Zwischenergebnisse sind 2006 im Sonderheft 301 der Landbauforschung Völkenrode erschienen: Ramm, H. (2006): Einfluss bodenchemischer Standortfaktoren auf Wachstum und pharmazeutische Qualität von Eichenmisteln (Viscum album auf Quercus robur und petreae). SH 301

In Kürze erscheint eine weitere Publikation in Landbauforschung - vTI Agriculture and Forestry Research: Sharma, Steckel, Koschinsky, Schnug (2009): Potential correlation of heavy metals in surface soils with infestation of Viscum album in poplar trees.

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

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