Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroplastik in süddeutschen Flüssen und Seen

19.08.2014

Aktuelle Forschungsprojekte am Lehrstuhl für Tierökologie der Universität Bayreuth

Weltweit haben Forschungsarbeiten gezeigt, dass Ökosysteme im Meer oder an den Stränden teilweise erheblich durch Kunststoffpartikel verunreinigt sind. Diese sind kleiner als fünf Millimeter und werden daher auch als Mikroplastik bezeichnet.


Prof. Dr. Christian Laforsch präsentiert den Fund eines Mikroplastik-Teilchens.

Foto: LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz

Baden-Württemberg; nur mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei.

An der Universität Bayreuth befasst sich Prof. Dr. Christian Laforsch, der hier einen Lehrstuhl für Tierökologie innehat, schon seit längerem mit dem Problem, wie stark Flüsse und Seen durch Mikroplastik kontaminiert sind und welche Risiken sich daraus ergeben. Plastikteile, die vorwiegend von Konsumgütern und Verpackungen stammen, können direkt oder über unsachgemäße Entsorgung in Oberflächengewässer gelangen und von hier aus in die Nahrungsketten transportiert werden.

Eine Fallstudie am Gardasee führte 2013 zu alarmierenden Ergebnissen. Denn in einigen Uferbereichen wurden schwer abbaubare Kunststoffe entdeckt, die von sich aus hochgiftig sind oder die giftige organische Schadstoffe absorbieren können.

Ein neues Forschungsprojekt zu Flüssen und Seen in Baden-Württemberg

Vor kurzem startete in Lauffen am Neckar ein neues Forschungsvorhaben. Es geht dabei um die Frage, in welchem Umfang und mit welchen ökologischen Konsequenzen Flüsse und Seen in Baden-Württemberg mit Mikroplastik belastet sind. Die Untersuchungen werden von der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz koordiniert und von Prof. Laforsch wissenschaftlich betreut.

Der baden-württembergische Landesminister für Klima, Umwelt und Energiewirtschaft, Franz Untersteller, eröffnete das Projekt mit einer gemeinsamen Fahrt auf dem Messschiff „Max Honsell“ der LUBW, das bei den Untersuchungen zum Einsatz kommen wird. Dabei ließ er für eine erste symbolischeProbenahme im Neckar ein Netz ins Wasser. Dieses so genannte ‚Manta Trawl‘ wurde speziell dafür entwickelt, Mikroplastikteilchen und weitere Schmutzpartikel an Wasseroberflächen entnehmen zu können.

In den kommenden Monaten werden an Rhein und Neckar systematische Probenahmen folgen – und zwar an rund 20 Stellen, die sich durch die Zusammensetzung ihrer Abwässer und die Größe ihrer Einzugsgebiete deutlich voneinander unterscheiden. Für 2015 wird mit der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse gerechnet.

Enge Forschungskooperation mit dem Bayerischen Umweltministerium

Bereits im Frühjahr 2014 ging ein gemeinsames Projekt von Prof. Laforsch mit dem Bayerischen Umweltministerium an den Start. In den nächsten Jahren werden Flüsse und Seen in Bayern sowie deren Sedimente daraufhin untersucht, inwieweit sie mit Mikroplastik kontaminiert sind. Dabei soll insbesondere auch geklärt werden, in welchem Umfang Kunststoffpartikel von den im Wasser lebenden Tieren aufgenommen werden und welche Risiken für den Menschen bestehen, falls Partikel in die Nahrungskette gelangen. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat diese Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben und fördert sie mit insgesamt rund 600.000 Euro.

Im Juli 2014 fand am Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg ein Statuskolloquium statt, das der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Marcel Huber, eröffnete. Mitglieder von Bundes- und Landesbehörden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler informierten sich dabei über den aktuellen Forschungsstand zum Thema ‚Mikroplastik in der Umwelt‘.

Am Schluss der Veranstaltung wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Memorandum beschlossen, in dem es unter anderem heißt: „Das Wissen über mögliche Risiken durch Mikroplastik für die Umwelt ist wichtig, reicht derzeit allerdings nicht aus. Es müssen Lösungen gefunden werden, mögliche Risiken zu minimieren ohne dabei - ggf. unnötigerweise - auf den Nutzen von Kunststoffen für die Wirtschaft und die menschliche Gesellschaft zu verzichten. Neben der genauen Kenntnis über die Eintrags- und Verbreitungspfade müssen Konzepte entwickelt werden, um die Einträge in die Umwelt und insbesondere in die Gewässer zu minimieren.“

Eine globale Problematik

Die Kunststoffteile, die bei Untersuchungen bislang gefunden wurden, stammen vorwiegend von Konsumgütern und Verpackungen. Sie sind direkt oder über unsachgemäße Entsorgung in Oberflächengewässer geraten, wo sie verrotten und zu Mikroplastik werden. „Wir vermuten, dass die Kontamination in Gewässern nahe städtischer Zentren und Industriegebiete noch stärker sein könnte“, erklärt Prof. Laforsch und fährt fort:

„Bisher beschäftigen sich nur wenige Studien mit Mikroplastikpartikeln in Binnengewässern. Darum gibt es noch sehr viele offene Fragen, die insbesondere die Quellen des Plastikmülls, die in Flüsse und Seen gelangten Kunststoffmengen, deren Abbau sowie die Folgen für Tiere und Ökosysteme betreffen. Diese Studien untersuchten die Donau in Österreich, die Seine in Frankreich, den Genfer See in der Schweiz und die Großen Seen in Kanada. Überall wurde Mikroplastik gefunden. Dies lässt eine globale Problematik von Mikroplastik in Binnengewässern vermuten.“ 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Christian Laforsch Lehrstuhl für Tierökologie I Universität Bayreuth Universitätsstraße 30 95447 Bayreuth Telefon: +49 (0) 921 / 55-2650 E-Mail: christian.laforsch@uni-bayreuth.de

Weitere Informationen:

Stellungnahme des Bayerischen Staatsministers für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Marcel Huber:

www.youtube.com/watch?v=k__TW0CHEQc&feature=youtu.be

Memorandum „Mikroplastik in der Umwelt“ - Zentrale Aussagen des Statuskolloquiums (Juli 2014) im Bayerischen Landesamt für Umwelt:

www.lfu.bayern.de/analytik_stoffe/mikroplastik/doc/memorandum_mikroplastik.pdf

Text und Redaktion:

Christian Wißler M.A

Stabsstelle Presse, Marketing und Kommunikation Universität Bayreuth

D-95440 Bayreuth

Tel.: +49 (0)921 55-5356

E-Mail: mediendienst-forschung@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de/presse/Aktuelle-Infos/2014/164-Mikroplastik.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Die Zerschneidung der Tropenwälder steigert den Ausstoß von Treibhausgasen um weiteres Drittel
30.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE