Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mensch beeinflusst Ökosysteme stärker als erwartet

08.01.2014
Dass der Mensch die Umwelt verändert, ist unbestritten. Doch wie stark wirkt sich die traditionelle Landnutzung auf lange Sicht aus?

Um diese Frage zu beantworten, vergleichen Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau an der Universität Koblenz-Landau sowie der Universitäten Göttingen und Zürich Landschaften in den Hochanden, die seit vielen Jahrtausenden bewirtschaftet werden, mit noch vollständig unberührten Tier- und Pflanzenwelten.


Diese rotblütige Art der Gattung Bartsia war der Wissenschaft bislang unbekannt.
Foto: Steven Paul Sylvester, Universität Zürich


Wissenschaft in luftiger Höhe: Steven Paul Sylvester seilt sich tausend Meter über dem Talboden zu einem Felsvorsprung ab, um die Pflanzenwelt zu erkunden.
Foto: Felix Heitkamp, Universität Göttingen

Eine solche „vergessene Welt“ in den tropischen Anden in Peru, wie sie auf diesem Planeten nur noch sehr schwer zu finden ist, sieht dabei völlig anders aus als erwartet.

In den vergangenen 10.000 Jahren gab es in den tropischen Anden viele menschliche Gesellschaften. Einige Wissenschaftler vermuten, dass der Großteil der heutigen Pflanzenwelt in den Hochanden im Laufe der Jahrtausende durch intensive Landnutzung wie Ackerbau, Beweidung und Holzeinschlag grundlegend verändert wurde. Andere glauben, dass sich die traditionelle Landnutzung nur begrenzt ausgewirkt hat und die heutige Pflanzenwelt eher dem natürlichen Urzustand gleicht.

Um dies zu klären, untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau und der Universitäten Göttingen und Zürich mithilfe riskanter Klettertechniken die von Menschen völlig unberührte Natur auf großen Felsvorsprüngen in 4.000 bis 5.000 Meter Höhe. Dort unterscheidet sich die Pflanzenwelt deutlich von der sonst in den Anden vorkommenden Vegetation. Die natürlichen Flächen werden von zahlreichen bislang unbekannten Pflanzenarten dominiert, die in den vom Menschen bewirtschafteten Gebieten wohl ausgestorben sind.

Die Forscher entdeckten selbst in mehr als 4.800 Meter Höhe Waldstücke. Dies zählt nach heutigem Kenntnisstand zu den weltweit höchsten Baumgrenzen. Selbst der Boden der unberührten Ökosysteme unterscheidet sich deutlich, so dass die klimatischen Rückkopplungen mit den Kohlenstoffkreisläufen in natürlichen Hochgebirgsökosystemen neu überdacht werden müssen. Der Mensch veränderte also durch die Umwandlung der Waldbestände in Graslandschaften und deren Nutzung durch extensive Beweidung die Tier- und Pflanzenwelt und damit auch den Entwicklungsgrad des Bodens wesentlich deutlicher und nachhaltiger als bisher gedacht.

Menschlicher Einfluss nicht nur negativ

Der Einfluss des Menschen ist in dieser Landschaft aber nicht unbedingt negativ zu sehen. Während in den unberührten Wald- und Grasgebieten nur jeweils bis zu 10 verschiedene Pflanzenarten leben, sind es bei beweideten Grasflächen bis zu 30. Jedoch wird diese höhere Diversität dadurch erkauft, dass bestimmte natürlich vorkommende Pflanzenarten in den früher genutzten Landstrichen ausgestorben sind. Zudem führen in den unberührten Regionen die hohen Anteile an Totholz zu einem hohen Reichtum an darauf wachsenden Pflanzen, so genannten Epiphyten.

Ursache für den höheren Artenreichtum ist die größere Lichtintensität, die durch die geringere Anzahl an Bäumen und Sträuchern ermöglicht wird. Zudem zeigen in den extensiven Weidegebieten die Böden eine überraschend hohe Humusanreicherung. Jedoch führt die Beweidung offensichtlich zu Nährstoffverlusten durch Versauerung, Verwitterung und Auswaschung. Inwieweit diese Erkenntnisse aus den Hochanden auf andere Ökosysteme oder Klimazonen übertragbar ist, lässt sich noch nicht sagen, da bislang zu wenige unberührte Flächen entdeckt und untersucht wurden. Die in diesem Projekt entwickelte Methodik zum Vergleich der natürlichen und veränderten Landschaften lässt sich jedoch auf andere Ökosysteme anwenden. Bei mehr Datenmaterial könnten die Auswirkungen der menschlichen Tätigkeit besser bewertet und damit auch nachhaltiger und umweltschonender gestaltet werden.

„Das Projekt zeigt, dass die bislang meist sehr negative Bewertung des menschlichen Einflusses wesentlich differenzierter vorgenommen werden sollte, da es zumindest in den Anden dadurch mehr und häufigere Arten gibt“, sagt Prof. Dr. Hermann Jungkunst vom Institut für Umweltwissenschaften Landau. „Jedoch ist Ähnliches nur für bestimmte dünn besiedelte Landstriche wie in den Bergen zu erwarten. Dagegen dürfte der menschliche Einfluss in reichen Ökosystemen wie den tropischen immergrünen Regenwäldern in jedem Fall die Artenvielfalt verringern.“

Ein hochauflösendes Bild schicken wir Ihnen auf Anfrage gerne zu:
Julija Goceva
Fink & Fuchs Public Relations AG
Tel.: (089) 589787-11
E-Mail: julija.goceva@ffpr.de
Kontakt:
Universität Koblenz-Landau
Institut für Umweltwissenschaften Landau
Prof. Dr. Hermann Jungkunst
Fortstraße 7
76829 Landau
Tel.: (06341) 280-31475
E-Mail: jungkunst@uni-landau.de
Pressekontakt:
Universität Koblenz-Landau
Kerstin Theilmann
Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Campus Landau
Fortstraße 7
76829 Landau
Tel.: (06341) 280-32219
E-Mail: theil@uni-koblenz-landau.de
Fink & Fuchs Public Relations AG
Ralf Klingsöhr
Paul-Heyse-Str. 29
80336 München
Tel.: (089) 589787-12
E-Mail: ralf.klingsoehr@ffpr.de

Bernd Hegen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koblenz-landau.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise