Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Schmetterlinge im Wald

20.02.2013
Landschaftsökologen der Universität Münster veröffentlichen Studienergebnisse: Traditioneller Baumrückschnitt wirkt sich positiv auf Artenvielfalt im Wald aus / Idee der nachhaltigen Energieholzgewinnung

Waldschmetterlinge gehören zu den am stärksten gefährdeten Schmetterlingen in Europa. Ihr Lebensraum sind lichte Wälder, wie sie einst in Mitteleuropa häufig vorkamen.


Der Hardtwald im Elsass - hier ein Areal im zweiten Jahr nach erfolgtem Stockschnitt .
Foto: Cornelia Müller

Landschaftsökologen der Universität Münster haben nun erstmals untersucht, wie sich eine traditionelle Form der Waldnutzung, bei der ausgewählte Bäume im Zyklus von Jahrzehnten stark zurückgeschnitten werden, auf die Gemeinschaften verschiedener Arten von Waldschmetterlingen auswirkt.

Ihr Fazit: Wäre diese Methode weiter verbreitet, gäbe es deutlich mehr Schmetterlinge in europäischen Wäldern. Die Ergebnisse werden in der März-Ausgabe des Fachmagazins "Biological Conservation" veröffentlicht.

In der Vergangenheit haben die Menschen den Wald beispielsweise als Viehweide genutzt oder Bäume zurückgeschnitten, um Brennholz zu gewinnen. "Noch im 17. und 18. Jahrhundert waren sogenannte Mittelwälder, in denen es verschiedene Laubbaumarten aller Wachstumsstadien gibt, in großen Teilen Mitteleuropas der häufigste Waldtyp", erklärt Privatdozent Dr. Thomas Fartmann vom Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster, Erstautor der Studie.

Eine charakteristische Bewirtschaftungsmethode dieser Wälder ist der Stockschnitt. Dabei werden ausgewählte Bäume in einem Zyklus von 30 bis 40 Jahren bis auf einen Stumpf zurückgeschnitten, aus dem dann neue Triebe wachsen. Anhand von Untersuchungen im Hardtwald im Elsass im Nordosten Frankreichs, in denen der traditionelle Stockschnitt noch durchgeführt wird, haben die Forscher nun nachgewiesen: Die Zahl der Schmetterlingsarten – darunter auch bedrohte Arten – steigt durch diese Form der Auslichtung. Unterschiedliche Arten bevorzugen dabei verschiedene Stadien des Waldwachstums.

"Durch eine geeignete Form der Bewirtschaftung lässt sich die Artenvielfalt im Wald erhöhen", betont Thomas Fartmann. Die Schmetterlinge im Mittelwald gelten den Forschern auch als Indikatoren für das Vorkommen anderer Insektenarten mit ähnlichen Standortansprüchen. Allerdings ist artenreicher Mittelwald die Ausnahme, in Deutschland beträgt seine Fläche weniger als ein Prozent. In Mitteleuropa gibt es heute überwiegend Hochwald – also Wald aus hohen, dicht stehenden Bäumen, deren Kronen kaum Sonnenlicht auf den Waldboden lassen. Diese hohen, geraden Stämme eignen sich zur Gewinnung von hochwertigem Nutzholz. "Aber zur Energieholzgewinnung wäre der verstärkte Einsatz von Stockschnitt nach historischem Vorbild und die Wiederherstellung von Mittelwäldern auch ökonomisch eine lohnenswerte Alternative", unterstreicht Thomas Fartmann, "besonders vor dem Hintergrund der Debatte um die Gewinnung regenerativer Rohstoffe."

In sonnendurchflutetem Mittelwald können sich Gräser und Kräuter auf natürliche Weise ansiedeln. Besonders schmetterlingsreich sind Lichtungen – Standorte, an denen der Rückschnitt erst einige Jahre her ist. Dort gibt es eine Kraut- und Strauchschicht mit vielen für Schmetterlinge wichtigen Nektarpflanzen sowie Futterpflanzen für die Raupen. Nur wenige Arten kommen in hochgewachsenen Waldarealen vor. Die Forscher haben im Untersuchungsgebiet insgesamt 36 Schmetterlingsarten erfasst, darunter 13 bedrohte Arten.

Originalpublikation (online vorab):

Fartmann T., Müller C. und Poniatowski D. (2013): Effects of coppicing on butterfly communities of woodlands. Biological Conservation 159, 396-404; DOI: 10.1016/j.biocon.2012.11.024

Weitere Informationen:
https://www.uni-muenster.de/forschungaz/person/7733
Privatdozent Dr. Thomas Fartmann in der Forschungsdatenbank der Uni Münster

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Steuert das marine Ökosystem auf ein neues Regime zu?
16.07.2015 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Trügerische Blüten
15.07.2015 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erster Nachweis von Lithium in einem explodierenden Stern

Erstmals konnte das chemische Element Lithium in der ausgestoßenen Materie einer Nova nachgewiesen werden. Beobachtungen von Nova Centauri 2013 mit Teleskopen des La Silla-Observatoriums der ESO und in der Nähe von Santiago de Chile helfen bei der Aufklärung des Rätsels, warum so viele junge Sterne mehr von diesem Element enthalten als erwartet. Diese Entdeckung liefert ein seit langem fehlendes Teil im Puzzle der chemischen Entwicklungsgeschichte unserer Galaxie und ist ein großer Fortschritt für das Verständnis des Mischungsverhältnisses der chemischen Elemente in den Sternen unserer Milchstraße.

Das leichte chemische Element Lithium ist eines der wenigen Elemente, das nach unserer Modellvorstellung auch beim Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren...

Im Focus: Durch den Monsun: Flugzeugmission zu Auswirkungen auf Luftqualität und Klimawandel

Mit dem Flugzeug von Zypern auf die Malediven und zurück. Was nach einer Urlaubsreise klingt, ist für 65 Atmosphärenforscher aus ganz Deutschland anspruchsvolle Arbeit: Bei einer Forschungsmission mit dem Flugzeug HALO des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt untersuchen sie derzeit, ob und wie sich die Monsun-Regenfälle in Asien auf die Selbstreinigungskraft der Atmosphäre auswirken. Mit an Bord sind auch zwei Messgeräte des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT): Die Karlsruher Klimaforscher messen dabei unter anderem die Konzentrationen von Ozon und Aceton. Das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz koordiniert die Kampagne.

„Die Erdatmosphäre kann sich von Treibhausgasen oder Abgasen aus dem Verkehr selbst reinigen. Dabei wandeln Hydroxyl-Radikale – das sind besonders...

Im Focus: Lichtschalter auf DVD

Da sich die elektronischen Eigenschaften eines optischen Speichermaterials schneller ändern als seine Struktur, könnte es neue Anwendungen finden

In DVDs steckt möglicherweise mehr als bisher angenommen. Das Material aus Germanium, Antimon und Tellur, in dem die Datenträger Information speichern, könnte...

Im Focus: Hepatitis B bleibt weltweites Gesundheitsproblem

Studie gibt Auskunft über das weltweite Auftreten von chronischen Hepatitis B Virus Infektionen

Hepatitis B Infektionen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Die Krankheit kann sowohl akut, als auch chronisch verlaufen und zählt im...

Im Focus: Außergewöhnlich schnelles Einsetzen des Küstenauftriebes vor Peru

Kieler Meeresgeologen-Team belegt deutliche Veränderungen im Ostpazifik während der vergangenen 10.000 Jahre

Der küstennahe Auftrieb kalter und nährstoffreicher Wassermassen vor Peru und Ecuador ist nicht nur für die ansässige Fischerei bedeutend, sondern auch für den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Elektropott: Ruhrgebiets-Hackathon soll Innovation, Kreativität und Teamgeist junger Talente fördern

29.07.2015 | Veranstaltungen

HHL-Forum "Führung und Innovation in Zeiten digitaler Transformation" am 19.11.2015 an der HHL

28.07.2015 | Veranstaltungen

Das Forschungsschiff kommt – myCopter fährt mit

28.07.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Vergleich: Bewegungssehen von Fliegen und Mäusen erstaunlich ähnlich

29.07.2015 | Biowissenschaften Chemie

Glücksfall zeigt, aus welchen Elementen «Chury» besteht

29.07.2015 | Physik Astronomie

Zweite Ausschreibungsrunde des ERC in Horizont 2020 gestartet

29.07.2015 | Förderungen Preise