Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mais und Molch versöhnen: Amphibienschutz in der Landwirtschaft

25.08.2011
Modellhaftes Forschungsprojekt abgeschlossen – Neues Buch gibt Handlungsempfehlungen

Amphibienschutz ist auch unter den heutigen Bedingungen des Ackerbaus möglich. Das ist das Ergebnis eines fünfjährigen Forschungsprojekts mehrerer Institute des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) aus Müncheberg, das nun erfolgreich abgeschlossen wurde. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hatte das Vorhaben mit rund 580.000 Euro gefördert.

„In enger Zusammenarbeit mit vier Landwirtschaftsbetrieben haben wir ein integriertes Konzept erarbeitet, das Aspekte von Wirtschaftlichkeit und Naturschutz berücksichtigt und auf andere Gebiete in Deutschland übertragbar ist. Wir konnten ermitteln, wie man den Lebensraum von Rotbauchunke, Moorfrosch, Kammmolch sowie Knoblauch- und Erdkröte auch in landwirtschaftlich genutzten Gebieten ohne größere finanzielle Einbußen für die Bauern besser schützen kann“, sagte Projektleiter Dr. Gert Berger anlässlich des Projektabschlusses. Die Projektergebnisse liegen nun als umfangreiches Handbuch vor, das ab jetzt bestellt werden kann.

Viele ursprüngliche Lebensräume von Amphibien seien stark geschrumpft oder sogar ganz verschwunden, manche Arten daher hochgradig gefährdet. Letzte wichtige Rückzugsorte bildeten unter anderem kleingewässerreiche Ackerbaugebiete, wie man Sie zum Beispiel im Nordosten Deutschlands noch häufiger finde, so Berger. Doch die fortlaufende Intensivierung der Landwirtschaft bedrohe auch dort langfristig das Überleben der Amphibien. Wichtig sei daher, Lösungen zur Vereinbarkeit von Schutzmaßnahmen und Bewirtschaftung zu entwickeln: „Werden landwirtschaftliche Maßnahmen aus Naturschutzgründen umgestellt, hat das nicht selten direkte betriebs- oder arbeitswirtschaftliche Folgen. Erträge und damit betriebliche Einnahmen können sinken und die Produktionskosten können sich erhöhen.“

Bisher hätten tragfähige, finanzierbare und nachhaltige Konzepte des Amphibienschutzes in der Landwirtschaft gefehlt, ergänzte Dr. Reinhard Stock, Leiter des DBU-Naturschutzreferates. Die Projektpartner hätten nun generalisierbare Nutzungs- und Gestaltungskonzepte sowie Entscheidungshilfen für Akteure aus Landwirtschaft, Naturschutz und Politik entwickelt. Das aus dem Projekt entstandene Handbuch „Amphibienschutz in kleingewässerreichen Ackerbaugebieten“ vermittle fachlich fundiert und praxisnah Grundlagen der Landwirtschaft und des Amphibienschutzes. Das Werk zeige detailliert Zielkonflikte auf und stelle ein breites Spektrum an Schutzmaßnahmen dar, erläuterte Stock.

Gemeinsam mit den Landwirten habe man rund 1.500 Hektar Ackerland in Ostbrandenburg beispielhaft für den Amphibienschutz umgestaltet, erläuterte Berger. Um den Amphibien die Vermehrung zu erleichtern, habe man Gewässer entschlammt, von zu starker Beschattung durch Gehölze befreit und mit grünen Pufferzonen versehen. Als störungsarme Landlebensräume seien zusätzlich Feldhecken auf Ackerflächen angelegt und Stilllegungsflächen im Randbereich von Kleingewässern und Feldgehölzen geschaffen worden. „Während der Maßnahmen haben wir auch kontinuierlich wissenschaftliche Begleituntersuchungen durchgeführt, um die Wirkung der Eingriffe zu überprüfen“, unterstrich Berger. Untersucht habe man unter anderem Wasserführung und -güte, das Wanderverhalten der Tiere und die Wirkung acker- und pflanzenbaulicher Maßnahmen. Die Ergebnisse seien erfreulich, man habe die Vermehrungseignung der Gewässer tatsächlich steigern können. Auch sei deutlich geworden, dass die Amphibien die eigens angelegten naturnahen Landflächen als Lebensraum angenommen hätten, so Berger.

Zusammenfassend senkten zwei Wege die hohe Sterblichkeitsrate der Tiere an Land: Erstens das Anlegen und Verknüpfen naturnaher Strukturelemente, insbesondere von linienförmigen Feldsäumen, Hecken und Gewässerrändern. Lange Wanderungen über Ackerflächen könnten so vermieden werden. Und zweitens das Anpassen der Landbewirtschaftung: Mineraldünger könne in den Boden zielgenau injiziert werden, statt ihn großflächig zu verstreuen. Auch ein zeitliches Verlagern der Düngetermine sei machbar. Wer auf den Pflug verzichte und stattdessen einen Schwergrubber nutze, räume den Tieren ebenfalls größere Überlebenschancen ein. „Insgesamt sind Anpassungen in der Landwirtschaft notwendig und auch möglich. Das erfordert zwar vereinzelt Ausgleichszahlungen, verursacht aber keine größeren finanziellen Einbußen für die Landwirte“, versicherte Berger.

Das 383 Seiten umfassende Handbuch „Amphibienschutz in kleingewässerreichen Ackerbaugebieten“ kann beim Natur&Text Verlag zum Preis von 35.00 Euro unter www.naturundtext.de/shop bestellt werden.

Franz-Georg Elpers | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise