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Leichte Änderungen der Landnutzungsintensität sind gut für die biologische Vielfalt

07.01.2014
Eine von Prof. Eric Allan und Prof. Markus Fischer (Biodiversitäts-Exploratorien, LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum BiK-F sowie Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Universität Bern) geleitete und jetzt online im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Science veröffentlichte Studie zeigt, dass Landwirte durch Änderungen der Bewirtschaftungsintensität über die Zeit zum Schutz der biologischen Vielfalt im Grünland beitragen können. Diese Änderungen können einige der negativen Auswirkungen der intensiven Landnutzung reduzieren, insbesondere für seltene Arten.

Weltweit wird die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung als die größte Bedrohung für die Artenvielfalt erachtet. Frühere Studien über die Auswirkungen von Landnutzungsintensität auf Biodiversität beschränkten sich nur auf einzelne oder kleine Gruppen von Organismen.


Wird Grasland in verschiedenen Jahren unterschiedlich intensiv genutzt – wie hier auf der Schwäbischen Alb – weist es eine höhere Biodiversität auf.

Bild: Ilka Mai (Botanischer Garten der Universität Potsdam)

Die Effekte unterschiedlicher Nutzungen auf einzelne Arten können jedoch sehr unterschiedlich sein. Die tatsächlichen Auswirkungen von Landnutzung auf die biologische Vielfalt sind also oft noch nicht klar.

Ein Team von 58 Wissenschaftlern aus Deutschland und der Schweiz erstellte einen einzigartig großen Datensatz über die Biodiversität von 49 Organismengruppen, von Bakterien bis zu Vögeln. Sie verwendeten dazu Daten von Untersuchungsflächen, die in drei Regionen Deutschlands in 150 unterschiedlich genutzten Grünlandflächen, den Biodiversitäts-Exploratorien (Biodiversity Exploratories), eingerichtet wurden. Die Landnutzung der Flächen variierte von extensiver Beweidung bis zu intensiver Mahd oder Beweidung mit hohem Düngereinsatz.

Die Wissenschaftler erstellten aus diesen Daten einen neuen „Multidiversitäts-Index“, der die gesamte Biodiversität eines Ökosystems charakterisiert. Die Studie zeigte, dass die biologische Vielfalt mit zunehmender Landnutzungsintensität insgesamt sehr stark abnahm, und dass seltenere Arten besonders stark beeinträchtigt wurden. Die Vielfalt von Pflanzen, Heuschrecken und Schmetterlingen sank insgesamt am stärksten durch eine intensive Landnutzung.

Die Studie verwendete diesen außerordentlich umfassenden Datensatz und ein neues Maß, um die ganze Artenvielfalt der untersuchten Ökosysteme zu charakterisieren. Nach Eric Allan bietet „dieser neue Index ein einziges Maß der gesamten Biodiversität eines Ökosystems und sollte es in Zukunft einfacher machen, die Auswirkungen von Naturschutzmaßnahmen oder Renaturierungs-Bemühungen auf die biologische Vielfalt zu beurteilen“. Die Ergebnisse unterstreichen die außerordentliche Bedeutung extensiv bewirtschafteten Grünlands für den Naturschutz.

Interessanterweise fanden die Wissenschaftler eine viel höhere Artenvielfalt auf Flächen, bei denen die Landnutzungsintensität in den letzten Jahren variiert wurde, als auf solchen mit gleichbleibender Landnutzungsintensität. Markus Fischer sieht darin eine vielversprechende Perspektive: „Eine über die Zeit variierende Bewirtschaftungsintensität könnte eine neue Strategie sein, um die biologische Vielfalt von Grünland zu erhalten, zum Beispiel durch die jährlich wechselnde Anzahl von Weidetieren oder eine unterschiedlich häufige Mahd.“

Besonders die selteneren der untersuchten Arten profitierten von einer variierenden Landnutzung: Bei mittlerer Landnutzungsintensität war die Vielfalt solcher seltenen Arten doppelt so hoch, wenn die Landnutzungsintensität zwischen den Jahren variiert wurde, und erhöhte sich von 18% auf 31% des Maximums. „Dieses Ergebnis zeigt, dass die Landwirte bereits einfach dadurch zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen könnten, dass sie die Intensität der Landnutzung zwischen den Jahren variieren, sofern die mittlere Intensität der Landnutzung nicht zu hoch wird“, so Eric Allan.

Angaben zur Publikation:
Allan E, Bossdorf O, Dormann CF, Prati D, Gossner M, Blüthgen N, Barto K, Bellach M, Birkhofer K, Boch S, Böhm S, Börschig C, Chatzinotas A, Christ S, Daniel R, Diekoetter T, Fischer C, Friedl T, Glaser K, Hallman C, Hodaĉ L, Hölzel N, Jung K, Klein AM, Klaus V, Kleinebecker T, Krauss J, Lange M, Müller J, Nacke H, Pašaliæ E, Rillig M, Rothenwöhrer C, Schall P, Scherber C, Schulze W, Socher S, Steckel J, Steffan-Dewenter I, Türke M, Tscharntke T, Weiner C, Werner M, Westphal C, Wolters V, Wubet T, Gockel S, Gorke M, Hemp A, Renner SC, Schöning I, Pfeiffer S, König-Ries B, Buscot F, Linsenmair KE, Schulze ED, Weisser WW, Fischer M: Interannual variation in land-use intensity enhances grassland multidiversity, PNAS, in press, doi: 10.1073/pnas.1312213111.
Kontakt:
Prof. Dr. Markus Fischer, Prof. Dr. Eric Allan /
Biodiversitäts-Exploratorien
Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt / Universität Bern
markus.fischer@ips.unibe.ch, Tel: +41 78 875 95 62
eric.allan@ips.unibe.ch, Tel: +41 77 437 54 73

Sabine Wendler | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.biodiversity-exploratories.de

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