Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebensraum für Kiebitz und Co

01.10.2008
Neues Planungswerkzeug für effektiven Naturschutz

Nicht nur der Berggorilla im afrikanischen Nebelwald oder der Flussdelfin des Amazonas schaut einer ungewissen Zukunft entgegen. Auch vor unserer Haustür sind Tierarten, die früher weit verbreitetet waren, vom Aussterben bedroht. Der Naturschutz hat im Interessenkonflikt um konkurrierende Landnutzungen wie Straßen- oder Hochbau einen schweren Stand.

Mit dem "Informationssystem Zielartenkonzept" steht jetzt ein Planungswerkzeug zur Verfügung, das Naturschutz-Praktikern eine bessere Standardisierung ihrer Arbeit ermöglicht. Naturschutzuntersuchungen und sich daraus ergebende Schutzmaßnahmen werden damit transparenter und konkreter.

Das von Wissenschaftlern des Instituts für Landschaftsplanung und Ökologie (ILPÖ) der Universität Stuttgart gemeinsam mit Ökologen und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz entwickelte Konzept erhöht auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit, dass Naturschutzinteressen berücksichtigt werden.

Grundlage des Informationssystems ist das "Zielartenkonzept Baden-Württemberg".

Es beinhaltet eine Auswahl sogenannter Zielarten des Landes, die weitere Arten mit ähnlichen Ansprüchen an den Lebensraum repräsentieren, die aber nicht so empfindlich wie die Zielarten sind. Zu den Zielarten zählen beispielsweise Fischotter, Kiebitz und Gelbbauchunke. Die Forscher hoffen, durch einen erfolgreichen Schutz der Zielarten die Artenvielfalt Baden-Württembergs zu erhalten, da über den "Mitnahmeeffekt" der Zielarten weniger anspruchsvolle Arten mit geschützt werden. Der Vorteil für die Naturschutzpraxis liegt darin, bei Planungen mit einer handhabbaren Menge an Zielarten effektiv und damit auch kostengünstig arbeiten zu können und dabei trotzdem keine wesentlichen Arten und Lebensräume zu vernachlässigen.

Mit einem Geografischen Informationssystem, das zahlreiche raumbezogene Daten wie Vegetation, Klima, Boden und Lebensraumansprüche von Zielarten kombiniert, ermittelten die Stuttgarter Wissenschaftler landesweit 25 Lebensraumtypen, die als potentielle Lebensräume für die Zielarten in Frage kommen, wie Streuobstwiesen, Magerrasen, Feuchtwiesen und Moore. Gemeinden mit besonders großen oder gut vernetzten Habitaten wurde eine besondere Schutzverantwortung für den jeweiligen Lebensraumtyp zugewiesen. Mit einer Schutzverantwortung für zwölf dieser Lebensraumtypen haben die Stadt Freiburg und die Nachbargemeinde Müllheim die meisten Vorranggebiete in Baden-Württemberg, gefolgt von Baden-Baden mit elf.

Aus der Kombination der Daten der Zielarten und ihrer Lebensräume mit den von den Ökologen empfohlenen Schutzmaßnahmen entstand das webbasierte "Informationssystem Zielartenkonzept". Neben dem Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum nutzen insbesondere viele Naturschutzverwaltungen der Gemeinden und Kreise Baden-Württembergs dieses Konzept für ihre Planungen. Der Anwender erfährt, welche Zielarten in der ausgewählten Region vorkommen können und prüft im Gelände gezielt diese Arten auf tatsächliche Vorkommen. Die empfohlenen Schutzmaßnahmen bilden dann die Grundlage für das konkrete Artenschutzkonzept vor Ort.

Weitere Informationen und Zugang zum Informationssystem Zielartenkonzept Baden-Württemberg unter: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt5/zak/

Ansprechpartner: Dr. Rüdiger Jooß, Institut für Landschaftsplanung und Ökologie, Tel. 0711/685-84141,

e-mail: rj@ilpoe.uni-stuttgart.de

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de/presse/mediendienst/5/
http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt5/zak/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie