Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langzeitdaten zeigen: Fischgemeinschaft ändert sich

11.03.2014

Über hundert Jahre Einfluss der Fischerei auf das Ökosystem dokumentiert / Ökologischer Wandel in der Nordsee seit 1902

Eine Forschergruppe des Thünen-Instituts für Seefischerei in Hamburg hat den ökologischen Wandel in der südöstlichen Nordsee bis zum Jahr 1902 zurückverfolgt und diesen mit aktuellen Monitoringdaten seit 1990 verglichen. Die Daten der jetzt veröffentlichten Studie zeigen, welchen Einfluss die Fischerei als treibender Faktor in der Ökosystementwicklung der Nordsee in den letzten hundert Jahren hatte.

„Langzeitdaten sind unerlässliche Bausteine, um die Änderungen in den Meeresökosystem zu verstehen und Maßnahmen zur Verbesserung des Gesamtzustandes einleiten zu können“, sagt Dr. Heino Fock, Fischereibiologe am Thünen-Institut und Erstautor der Studie.

Die Untersuchung ergab, dass sich nicht nur die Alters- und Größenstruktur innerhalb der Fischbestände verändert hat, auch im Artengefüge gibt es signifikante Verschiebungen.

Im Vergleich zu den 1920er und 30er Jahren hat sich die Kliesche heute als  häufigster Fisch im Ökosystem Deutsche Bucht etabliert. Haie und Rochen sind stark zurückgegangen und nur noch in Bereichen mit geringer Fischereidichte anzutreffen.

Ein Index zur funktionalen Diversität, der sowohl die Artenzahl als auch das Auftreten großer Individuen und damit Änderungen im Nahrungsnetz berücksichtigt, zeigt an, dass der heutige Zustand im Ökosystem deutlich unter dem der historischen Periode liegt.

Dieser Index zeigt auch an, wie künstliche Erholungsphasen – wie die der eingeschränkten Fischerei während des Ersten Weltkriegs – zu einer Verbesserung des ökologischen Zustands führen können. Bis 1919 waren rund 17 % der Fläche der südöstlichen Nordsee unbefischt, was trotz der Fischerei vor 1914 zu einem insgesamt guten Ökosystemzustand geführt hat, wenn man den Artenreichtum und die Bestandsstruktur zugrunde legt.

Dass die Änderungen in den letzten 100 Jahren nicht allein durch Klimaeffekte erklärbar sind, zeigt ein Blick in die 1920er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Dort änderte sich die Fischartenzusammensetzung bereits signifikant, obwohl klimatisch ähnliche Bedingungen vorlagen wie vor 1910. Das macht die Wirkung anthropogener Einflüsse deutlich. 

Für die Wissenschaftler des Thünen-Instituts sind die Studienergebnisse bedeutsam, denn sie liefern interessante Bausteine für die Entwicklung von Strategien zur Verbesserung des Ökosystemzustands der Nordsee. Auch hierbei sind räumliche Zonierungskonzepte mit unterschiedlicher Nutzung denkbar. 

Die Studie:

Fock HO, Kloppmann M, Probst WN (2014): An early footprint of fisheries: changes for a demersal fish assemblage in the German Bight from 1902-1932 to 1991-2009. Journal of Sea Research 85:325-335

Ansprechpartner:

Dr. Heino Fock Thünen-Institut für Seefischerei, Hamburg Tel.: 040 38905-169, E-Mail: heino.fock@ti.bund.de

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ti-bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie verändert der Verlust von Arten die Ökosysteme?
18.05.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie