Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kommunen gegen Flächenverbrauch

13.04.2010
Die Region Oberrhein ist attraktiv und wächst dynamisch. Negative Folgen sind eine Zersiedelung der Landschaft und der Flächenverbrauch. Beides bedroht langfristig die Attraktivität.

In einem grenzübergreifenden Verbundprojekt haben sich zwölf kleine und mittelgroße Kommunen am Oberrhein zusammengetan. Sie tauschen Wissen aus und wollen Konzepte dafür entwickeln, wie sich Flächenverbrauch intelligent und nachhaltig steuern lässt. KIT-Wissenschaftler koordinieren gemeinsam mit der Universität Strasbourg das deutsch-französische Projekt.

Das Vorhaben läuft drei Jahre und ist mit einem Etat von 490.000 Euro ausgestattet. Die Hälfte der Kosten trägt die Europäische Union aus Mitteln des Europäsischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Vier Ziele verfolgt das jetzt angelaufene Projekt "Qualitätsorientiertes Flächenmanagement in kleinen und mittelgroßen Kommunen am Oberrhein": Die zwölf Kommunen an Runden Tischen tauschen grenzüberschreitend Wissen und Erfahrungen aus, um neue Konzepte für einen intelligenten Flächenverbrauch aufzusetzen. In einem zweiten Schritt erarbeiten gewählte Vertreter der Gemeinden, technische Experten und Universitäten innovative Leitfäden und praktische Werkzeuge, die der Zielgruppe angepasst sind.

"Im dritten Schritt folgt die exemplarische Umsetzung der Ergebnisse in den Modellkommunen, also der Transfer von Ideen und Werkzeugen", erklärt Jana Wegner vom Deutsch-Französischen Institut für Umweltforschung (DFIU) des KIT. Um die Entwicklung zu verstetigen entsteht schließlich ein stabiles Netzwerk aller Akteure für eine kontinuierliche Wissensgenerierung. Das KIT fungiert als Projektträger und koordiniert das Projekt gemeinsam mit der Université de Strasbourg.

In einer Vorstudie haben sich die Teilregionen Elsass und Baden als ideales Feld für den Ansatz empfohlen. Es gibt viele Gemeinden mit unter 20.000 Einwohnern, die als prosperierende Wirtschafts- und Kulturstandorte unter starkem Flächendruck stehen und denen die technischen sowie finanziellen Mittel fehlen, um ein optimiertes Flächenmanagement durchzuführen. "Die trinationale Region Oberrhein hat angesichts ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und bewährten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zudem Modellcharakter als europäische Metropolregion", ergänzt Projektkoordinator Dr. Ingmar Gehrke vom DFIU. Aufbauen können dabei die Projektpartner auf vorhandenem Potenzial: In der Region existieren drei unterschiedliche Planungskulturen sowie eine Vielzahl von Methoden, Erfahrungen, Konzepten und Ideen, die nun in neue Formen des Flächenmanagements münden sollen.

Flächenmanagement ist eine Querschnittsaufgabe und entsprechend sollen die Konzepte sowie praxisnahen Informationssysteme allen Flächenakteuren zur Hand gehen. Adressiert werden die planungsrechtliche Ebene mit Aufgaben wie Bauleitplanung, Brachflächenvermeidung oder Flächenrecycling, die ökonomische Ebene, auf der Themen diskutiert werden wie Städtebauförderung, Entfernungspauschale oder Standort-Image, Steuerungsinstrumente, zu denen Bürgerbeteiligung, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing zählen. "Generell zielt kommunales Flächenmanagement ab auf die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und den Schutz des Bodens", erläutert die Raumplanerin Wegner. Zudem verfolge das Projekt quantitative Aspekte wie den optimierten Umgang mit der Ressource Fläche und qualitative Aspekte, "wie etwa den Erhalt von lebendigem Ortszentrum durch Innenentwicklung".

Um dem Anspruch des Verbundprojekts gerecht zu werden, hat sich eine starke Teilnehmer- und Finanzierungsgemeinschaft formiert. Die EU schießt für das INTERREG-Projekt aus den Fördermitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) die Hälfte der Projektkosten zu. Das Motto ist hier: "Der Oberrhein wächst zusammen, mit jedem Projekt". Kofinanzierer sind auf deutscher Seite das Umwelt- und Verkehrsministerium Baden-Württemberg und das KIT, auf französischer Seite die Région Alsace, der Conseil Général du Bas-Rhin, die Direction Régionale de l'Environnement, de l'Aménagement et du Logement (DREAL) Alsace sowie die Université de Strasbourg. Zu den zwölf Pilotgemeinden - von Au am Rhein bis Sexau - kommen noch acht weitere nicht-kofinanzierende Partner dazu, darunter der Kanton Basel-Landschaft und die Vogesen-Naturparks.

Die geplanten Projektkosten belaufen sich auf 492.970 Euro. "Unser Projekt ist in dem EU-Programm INTERREG IV-A Oberrhein angesiedelt", erläutert Professor Frank Schultmann, Direktor des DFIU. Das "A" stehe für die Ausrichtung auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Unterschied zu Kooperationen mit länderübergreifenden (B) und interregionalen (C) Charakter. In einem sogenannten "Operationellen Programm" sind Programmstrategie und Schwerpunkte festgelegt."

Das Deutsch-Französische Institut für Umweltforschung (DFIU; http://www.dfiu.kit.edu) am KIT trägt dem in Frankreich und Deutschland weit verbreiteten Wunsch nach verstärkter grenzüberschreitender wissenschaftlicher Zusammenarbeit im Bereich der Umweltforschung Rechnung. Die binationalen und interdisziplinären Forschungsaktivitäten erstrecken sich auf die Umweltmedien Luft, Abfall und Energie oder auch auf Fragen der Kreislaufwirtschaft, des Flächen- und Stoffstrommanagements, der Elektromobilität, des nachhaltigen Bauens, der Technikbewertung und des Risikomanagements. Weitere Informationen unter: http://www.dfiu.kit.edu/flaeche.php

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Weiterer Kontakt:

Monika Landgraf
Pressestelle
Tel.: +49 721 608 8126
Fax: +49 721 608 3658
E-Mail: Monika.Landgraf@kit.edu

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu
http://www.dfiu.kit.edu/flaeche.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fall aus dem Datenrettungslabor – USB Sticks mit fehlerhaften Angaben

20.11.2017 | Unternehmensmeldung

Anwender-Workshops „Laserbearbeitung von Faserverbundwerkstoffen“

20.11.2017 | Seminare Workshops

Hand aufs Herz - was wissen wir über herzgesunde Lebensmittel?

20.11.2017 | Unternehmensmeldung