Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kommerzieller Fischfang in 50 Jahren vorbei

09.10.2008
Missmanagement kostet 50 Mrd. Dollar jährlich

Einem neuen Bericht der Weltbank und der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO zufolge verlieren die weltweiten Fischfangflotten jährlich 50 Mrd. Dollar aufgrund von Fangrückgängen und Missmanagement. Das Studienergebnis wurde anlässlich des World Conservation Congress, der derzeit in Barcelona über die Bühne geht, präsentiert.

Die FAO schätzt den Wert der jährlich weltweit gefangenen Fische auf etwa 80 Mrd. Dollar. In den vergangenen Jahren sind die Zahlen der Erträge allerdings massiv gefallen. Fast ein Drittel der weltweiten Fischgründe sind schwer angeschlagen. Sollte die Fischerei in den kommenden Jahren mit der gleichen Intensität weitergehen, sind die meisten Fischgründe in 50 Jahren leer gefischt.

"Es gibt zwei Gründe, warum so viel Geld verloren geht", meint Rolf Willman, Senior FAO-Fisheries Planning Officer. "Zum einen sind die weltweiten Fischbestände viel niedriger als sie sein könnten. Daher ist es schwieriger die Menge Fisch zu fangen, die man eigentlich fangen könnte." Wären die Bestände größer, könnte man die gleiche Menge mit deutlich niedrigeren Kosten fangen. "Der zweite Grund liegt in der Tatsache, dass die Fischerei schlecht geregelt ist und die Fangkapazitäten viel größer sind, als eigentlich nötig." Man könnte mit der Hälfte der Fangflotte die gleiche Menge an Fisch fangen - das würde die Profite heben und außerdem weniger Druck auf die fragilen Bestände ausüben.

Zahlreiche Umweltorganisationen weisen immer wieder auf den verheerenden Rückgang der weltweiten Fischbestände hin. Speziell ausgewiesene Schutzzonen, aus denen für bestimmte Zeitperioden keine Fisch- oder andere Meerestiere entnommen werden dürfen, sollen den drohenden Kollaps abwenden. Auch der Fischereiexperte Ulf Dieckmann vom Institut für angewandte Systemanalyse in Laxenburg IIASA sieht in der Errichtung solcher "drastischer" Schutzzonen eine gute Möglichkeit zur Erholung der Bestände. "Es ist begrüßenswert, dass weltweit eine steigende Akzeptanz auch der strengsten Form von marinen Schutzzonen zu bemerken ist", meint der Experte im pressetext-Interview.

"Eines der bekanntesten Beispiele des Raubbaus sind die Grand Banks vor der Küste Neufundlands", so Dieckmann. Dort ist der einst so berühmte Kabeljau-Bestand in einem dramatischen Kollaps vor 16 Jahren so stark zurückgegangen, dass eine kommerzielle Jagd nach dem beliebten Speisefisch seitdem verboten ist." Geirrt habe man sich mit der "naiven" Annahme, dass sich die Bestände nach drei bis vier Jahren erholen würden. "Mit dem nahezu völligen Verschwinden des Kabeljaus ist es auch zu Verschiebungen der Arten im Ökosystem gekommen."

Ein weiteres massives Problem der weltweiten Fischerei ist die immense Menge an Beifängen. Etwa 1,4 Mio. Tonnen Beifänge werden von der EU-Fischereiflotte jährlich aus den Weltmeeren geholt und werden als Abfall über Bord geworfen. "Fische, die in den großen Netzen landen, egal ob sie nun industriell verwendet werden können oder nicht, sind zum Zeitpunkt der Löschung bereits tot", erklärt Jose Rodriguez von der Umweltorganisation Oceana gegenüber pressetext. Das bedeute, dass das Überbordwerfen keinerlei Nutzen darstellt.

Der nun präsentierte Bericht zitiert allerdings auch Länder, in denen bereits heute nachhaltigere Fischfangmethoden praktiziert werden - etwa in Island, Neuseeland, in Teilen von Australien und in den USA. Die Herausforderung liegt nun in Reformen für jene Fischereigebiete, in denen die Bestände immer noch brutal dezimiert werden. "Nachhaltige Fischerei erfordert den politischen Willen, Anreize zum Überfischen durch Anreize der Verantwortung zu ersetzen", meint Kieran Kelleher, Fischereiexperte der Weltbank. Dabei gehe es nicht nur um Schiffe und Fische, sondern um Entscheidungsträger mit wirtschaftlichen Argumenten für eine notwendige Richtungsänderung.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.iiasa.ac.at
http://www.oceana.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Online-Karten: Schweinswale und Seevögel in Nord- und Ostsee
15.12.2017 | Bundesamt für Naturschutz

nachricht Wie Brände die Tundra langfristig verändern
12.12.2017 | Gesellschaft für Ökologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik