Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel treibt Afrikaner in die Flucht

22.03.2010
Expertin: "Umwelt, Armut und Entwicklung hängen zusammen"

Veränderungen der Umwelt gehören zu den Hauptgründen für Migration in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Hannover und der United Nations University in Bonn im "International Journal of Global Warming". Sie konnten zeigen, dass Migration in dieser Region besonders dann in großem Maßstab stattfindet, wenn sich der Boden etwa durch Wasserknappheit und Verschmutzung verschlechtert und andere Faktoren wie politischer Druck, bewaffnete Zwischenfälle, ethnische Spannungen oder Armut einwirken.

Jeder zweite Binnenflüchtling lebt in Afrika

Das Thema Flucht innerhalb der Landesgrenzen ist nirgendwo aktueller als in Afrika. Obwohl nur zwölf Prozent der Weltbevölkerung Afrikaner sind, leben hier 28 Prozent der Flüchtlinge und sogar 50 Prozent der Binnenflüchtlinge. Der naheliegendste Grund ist die Armut, befinden sich doch 34 der 50 wenigsten entwickelten Ländern in Afrika. Vier von zehn Bewohnern südlich der Sahara leben in extremer Armut, 300 Mio. leben mit Wasserknappheit. Zudem gab es zwischen 1993 und 2002 in 27 der 53 afrikanischen Länder Gewaltkonflikte und jeder Dritte ist unterernährt. Blickt man auf die Ursache von Konflikten und Armut, kommt jedoch auch die Umwelt ins Spiel.

Das konnten die Forscher zeigen, indem sie vier sehr unterschiedliche Länder südlich der Sahara untersuchten. So lassen in Ghana häufige Dürrekatastrophen die Menschen in den Süden des eigenen Landes migrieren und auch in Mosambik führt der Wassermangel die Menschen an die südlichen Küstenregionen und in die Städte. Viele Bewohner Nigers und Senegals wandern hingegen in andere Staaten der Region, im ersten Fall wegen der Ausweitung der Sahel-Wüste, im zweiten aufgrund des Umweltwandels im sogenannten "Peanut Basin".

Teufelskreis Umwelt und Migration

Wenn auch Ursache und Folge nicht immer auseinandergehalten werden können, rufen Umweltprobleme oft Armut oder Konflikte und damit indirekt Migration hervor. "Erosion, Versalzung, übermäßigem Nährstoffentzug, Abholzung oder Wüstenbildung lassen den Boden an Qualität und Struktur verlieren. Lohnt sich die Bewirtschaftung nicht mehr, verlieren Familien oft die Lebensgrundlage, verarmen und migrieren", erklärt Studienleiterin Ulrike Grote im pressetext-Interview. Zum selben Ergebnis führe auch oft die Wasserknappheit, die in Gemeinden oft Konflikte auslöse.

Doch auch umgekehrt gilt, dass Migration die Umwelt vielfach verändert. "In verlassenen Gebieten verschlechtern sich degradierte Böden bei extremen Umwelteinflüssen oft weiter, wenn sie nicht bewirtschaftet werden", so Grote. In Migrations-Zielregionen komme es wegen der Anspruchnahme der Hinzugezogenen häufig zu neuen Konflikten um Land und Wasser. "Beide Ressourcen werden oft noch intensiver genutzt, wenn die Bevölkerung und Konkurrenz unter Nutzern steigen. Das ist wiederum schlecht für die Umwelt."

Kampf gegen Armut hilft der Umwelt

Zur Eindämmung der Migration setzt die Entwicklungszusammenarbeit der EU schon bisher auf mehrere Strategien. "Nachhaltige Landwirtschaft kann Böden verbessern und vor Erosion schützen, weshalb Migranten Mittel und Informationen zu dieser Bewirtschaftung brauchen. Dazu gehören im südlichen Afrika etwa der Zugang zu Dünger, Kleinstkrediten und Versicherungen, die sich etwa auch auf Dürrekatastrophen beziehen", erklärt die Expertin.

Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht in Tansania, wie weit Bioenergie-Erzeugung aus Jatropha die lokale Versorgung verbessern kann. "Vielleicht reduziert sich dadurch der Druck auf Wälder, da weniger Holz für die Energiegewinnung geschlagen werden muss. Das wäre eine Strategie zur Verbesserung der Umwelt", betont Grote. Zielführend seien aber letztlich alle Maßnahmen, die Armut verringern. "Arme sehen sich kurzfristig zur Abholzung von Wäldern gezwungen, selbst wenn sie wissen sollten, dass sie damit mittel- bis langfristig ihre eigene Lebensgrundlage zerstören." Mit zunehmendem Wohlstand könne man es sich "leisten", auf die Umwelt zu achten.

Abstract zum Originalartikel unter http://www.environmental-expert.com/resultEachArticle.aspx?cid=6471&codi=157618&lr=1

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.iuw.uni-hannover.de
http://www.ehs.unu.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie