Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel nimmt keine Rücksicht auf Finanzkrise

28.11.2008
Der Klimawandel beschleunigt sich dramatisch. Für weiteren Aufschub der Klimapolitik ist keine Zeit. Dennoch wurde in den letzten Tagen der prominente Ruf aus der Wirtschaft und einigen Bundesländern nach einer Verschiebung und Aufweichung des Klimaschutzpaketes der Europäischen Union immer lauter.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen sieht darin einen Rückfall in den Irrglauben, dass Umweltschutz der Wirtschaft schade und man sich daher nur in guten Zeiten eine anspruchsvolle Umweltpolitik leisten könne.

Der wissenschaftliche Sachstand belegt das Gegenteil. Eine anspruchsvolle Klimapolitik hilft katastrophale Schäden abzuwehren und schafft neue Marktchancen und Arbeitsplätze. Verpasste Klimapolitik riskiert, dass der Automobilstandort Deutschland das Schicksal Detroits erleidet.

In den internationalen Klimaverhandlungen nimmt die Europäische Union eine Schlüsselrolle ein. Wer nun nach Verschiebung des Klimaschutzpaketes ruft, zielt in letzter Konsequenz auf ein Scheitern der Klimaschutzkonferenz von Kopenhagen und kündigt faktisch den parteiübergreifenden klimapolitischen Konsens in Deutschland ohne triftigen Grund auf. Die Folgen wären dramatisch.

Insgesamt kommt der SRU zu den folgenden Schlussfolgerungen:

1. Das Klimaschutzpaket der EU ist in der Gesamtbilanz - auch und gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise - mit großen wirtschaftlichen Zukunftschancen verbunden. Demgegenüber sind die Belastungen für den Energiesektor und die meisten energieintensiven Industrien vergleichsweise gering.

2. Die Verschiebung des Klimaschutzpaketes gefährdet den Beginn einer globalen Klimapolitik unter Einschluss der USA und der Schwellenländer China und Indien in der Kyoto-Nachfolgekonferenz von Kopenhagen. Das vorgeschlagene Klimaschutzpaket der Europäischen Kommission verdient daher aktive Unterstützung. Der Kurs der Europäischen Kommission, der französischen Ratspräsidentschaft und auch der deutschen Bundesregierung, eine Verabschiedung des Europäischen Klimaschutzpaketes noch im Jahr 2009 konstruktiv voranzutreiben, ist ohne Alternative.

3. Der Verhandlungsprozess um das Klimaschutzpaket sollte jedoch nicht durch unverhältnismäßige Rücksichtnahme auf industrielle Partikularinteressen belastet werden. Für eine pauschale Freistellung aller energieintensiven Industrien von der Auktionierung der Emissionsrechte gibt es keine haltbaren ökonomischen Gründe. Wie die bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, preisen Unternehmen im Emissionshandel auch "geschenkte" Emissionsrechte ein. Deshalb führt eine Auktionierung der Emissionsrechte auch nicht zu der behaupteten Erhöhung der Güter- und Energiepreise. Vielmehr bedeutet eine kostenlose Vergabe einen massiven Vermögenstransfer an die begünstigten Industrien zulasten der Verbraucher. Bei einer Auktionierung kommen diese Mittel der Allgemeinheit zugute.

4. Die von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Klimaschutzmaßnahmen für Kraftfahrzeuge verbessern die Marktchancen für eine zukunftsfähige Fahrzeugflotte. Das Innovationstempo muss in Richtung auf ein "2-Liter-Auto" beschleunigt werden. Symbolische und absehbar ineffektive Fördermaßnahmen wie die Kfz-Steuerbefreiung für Neuwagen sollten durch die Absatzförderung besonders CO2-armer Fahrzeuge ersetzt werden.

5. Insgesamt sollten die anstehenden staatlichen Investitionen und Kaufanreize schwerpunktmäßig energieeffiziente und kohlenstoffarme Pfade, Produkte und Infrastrukturen unterstützen und damit kurzfristige Konjunkturpolitik mit mittelfristiger Zukunftsfähigkeit verknüpfen.

Der SRU berät die Bundesregierung seit 1972 in Fragen der Umweltpolitik. Die Zusammensetzung des Rates aus sieben Universitätsprofessorinnen und professoren verschiedener Fachdisziplinen gewährleistet eine wissenschaftlich unabhängige und umfassende Begutachtung, sowohl aus naturwissenschaftlich-technischer als auch aus ökonomischer, rechtlicher, politikwissenschaftlicher und ethischer Perspektive.

Der Rat besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:
Prof. Dr. Martin Faulstich (Vorsitzender), Technische Universität München
Prof. Dr. Heidi Foth (stellv. Vorsitzende), Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Christian Calliess, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Olav Hohmeyer, Universität Flensburg
Prof. Dr. Karin Holm-Müller, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Prof. Dr. Manfred Niekisch, Zoologischer Garten Frankfurt
Prof. Dr. Miranda Schreurs, Freie Universität Berlin
Weitere Informationen erhalten Sie beim Generalsekretär des SRU,
Dr. Christian Hey, Tel: 030/263696-0

Christian Simon | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltrat.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Gebietsfremde Arten weltweit auf dem Vormarsch
15.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Müllmenge in der arktischen Tiefsee steigt stark an
08.02.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung