Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaforscher messen Treibhausgase im europäischen Verbund

23.11.2015

Heute ist die europäische Forschungsinfrastruktur zur Beobachtung des Klimawandels ICOS gegründet worden. Nach jahrelangem Aufbau beginnt das Treibhausgasbeobachtungsnetz im Januar 2016 den operationellen Betrieb. Das Thünen-Institut koordiniert alle deutschen Beiträge.

Der Klimawandel, seine Folgen und die Klimaschutzbemühungen in Europa können nur nachgewiesen werden, wenn Wissenschaftler an vielen Orten komplexe Messungen in absolut vergleichbarer Weise und langfristig durchführen und ihre Daten der Forschung, Politik und Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.


Ökosystem-Messstation des Thünen-Instituts zur Erfassung der Treibhausgasflüsse zwischen Boden, Vegetation und Atmosphäre.

Jeremy Smith

Genau dieses Ziel verfolgt die neue europäische Forschungsinfrastruktur „Integrated Carbon Observation System“ (ICOS), die heute ihren offiziellen Rechtsstatus erhalten hat.

ICOS integriert Beobachtungsnetze für Treibhausgase in der Atmosphäre, in Feldern, Wäldern und Meeren und hat gemeinsame Messstandards, Labore und ein gemeinsames Datenportal geschaffen. ICOS überführt damit die teilweise jahrzehntelangen Einzelbemühungen von Wissenschaftlern in einen langfristig stabilen Verbund.

ICOS liefert die Grundlage für eine vollständige europäische Bilanzierung, wie viel Kohlenstoff und Treibhausgase von Mensch und Natur umgesetzt und emittiert werden. Das Thünen-Institut für Agrarklimaschutz koordiniert die ICOS-Beiträge aller beteiligten deutschen Institutionen und garantiert die Teilnahme Deutschlands an dieser wichtigen Forschungsinfrastruktur.

In Deutschland haben Wissenschaftler in den vergangenen vier Jahren mit großem Aufwand die Messstationen für die drei Beobachtungsnetze Atmosphäre, Landökosysteme und Meere aufgebaut. Dafür hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung 16 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Gleichzeitig wurden die gemeinsamen europäischen Zentrallabore am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena und an der Universität Heidelberg eingerichtet. Ab Januar 2016 geht ICOS nun in den operationellen Betrieb, der zunächst auf 20 Jahre angelegt ist.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wird den deutschen Messbetrieb mit ca. 3,4 Millionen Euro pro Jahr unterstützen. Weitere Ministerien des Bundes und der Länder unterstützen ICOS in kleinem Umfang ebenfalls.

Über ganz Europa verteilt führen Wissenschaftler standardisierte Messungen durch – an hohen Türmen und Ökosystem-Messstationen von der Arktis bis zum Mittelmeer, an Messplattformen im Ozean sowie auf Forschungs- und Handelsschiffen im Nordatlantik und in der Ostsee.

Im Beobachtungsnetz für Landökosysteme, das in Deutschland ebenfalls vom Thünen-Institut koordiniert wird, untersuchen sie insbesondere, wie sich die Bewirtschaftung und der Klimawandel auf die Treibhausgasbilanzen von Wäldern, Äckern und Grünland auswirken.

Die europäische Kommission hat ICOS heute, 20. November 2015, offiziell den Status einer europäischen Forschungsinfrastruktur (European Research Infrastructure Consortium, ERIC) verliehen. Zur Bedeutung der ICOS-ERIC-Gründung sagte der Generaldirektor für Forschung, Wissenschaft und Innovation der Europäischen Kommission, Robert-Jan Smits:

„Durch die Einrichtung europaweiter Langzeitmessungen der Kohlenstoff- und Treibhausgasumsätze wird ICOS eine entscheidende Wissensgrundlage zur Unterstützung der europäischen und globalen Anstrengungen zur Erreichung der Klimaschutzziele liefern. Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass ICOS nun den ERIC-Status erreicht hat. Das perfekte Timing unmittelbar vor der Weltklimakonferenz in Paris sendet eine weitere klare Botschaft zum Bekenntnis der EU zum Klimaschutz aus.“

Das ICOS ERIC hat acht Gründungsmitglieder: Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden und Finnland. Die Schweiz hat derzeit Beobachterstatus. Das Head Office von ICOS ERIC befindet sich in Helsinki.

Kontakt und Projektkoordination:
Dr. Mathias Herbst
Thünen-Institut für Agrarklimaschutz, 38116 Braunschweig
Tel.: 0531 596-2596
Mail: mathias.herbst@ti.bund.de

Weitere Informationen:

http://www.icos-infrastruktur.de

Dr. Michael Welling | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ti.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise