Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaerwärmung führt zu massiven Emissionen von Treibhausgasen in Nordsibirien

16.09.2008
Göttinger Wissenschaftler untersuchen Auswirkungen des Temperaturanstiegs auf Permafrostböden

Die globale Klimaerwärmung wird in Nordsibirien zu einer weitaus höheren Freisetzung von Treibhausgasen führen als bislang prognostiziert: Mit einem Anstieg der Temperatur von sechs bis sieben Grad, den Experten noch in diesem Jahrhundert erwarten, verändern sich die Auftautiefen der Permafrostböden, wodurch große Mengen an Kohlenstoff freigegeben werden.

Zusätzlich wird es zu tiefgreifenden Veränderungen im Wasserhaushalt der Permafrostgebiete kommen und die Vegetationszonen werden sich weiter nach Norden verschieben. Damit gelangt neben dem Treibhausgas Kohlendioxid auch in erheblichem Umfang Methan in die Atmosphäre, was Treibhauseffekt und Temperaturanstieg weiter verstärkt, erläutert Prof. Dr. Heiner Flessa.

"Der weltweite Wandel des Klimas verursacht Rückkopplungsreaktionen, die in den bisherigen Klima-Modellen noch nicht oder nur unzureichend berücksichtigt sind", mahnt der Bodenkundler an der Universität Göttingen. Unter seiner Leitung hat ein internationales Forscherteam die sibirische Waldtundra als Quelle für Kohlenstoff- und Methangasemissionen untersucht. Die Forschungsergebnisse wurden in der Zeitschrift "Global Change Biology" veröffentlicht.

In den Permafrostgebieten Nordsibiriens sind die Böden fast ganzjährig gefroren; sie tauen nur im Sommer für kurze Zeit an der Oberfläche wenige Dezimeter tief auf. Der ganzjährig gefrorene Unterboden verhindert, dass das Wasser während der sommerlichen Tauperiode versickert, und begünstigt die Bildung von Mooren. Durch die besonderen klimatischen Bedingungen sind hier Böden mit sehr hohem Humusgehalt entstanden. Mit einem verstärkten Auftauen der Dauerfrostböden besteht die Gefahr, dass die über Jahrtausende angereicherte und bislang gefrorene organische Substanz innerhalb kurzer Zeit freigesetzt wird. Zugleich gehen die Wissenschaftler davon aus, dass sich auch die Permafrost-Ökosysteme mit ihren Hochmooren nachhaltig verändern. Wie sich dies auf die Emissionen von Treibhausgasen auswirken wird, hat das Forscherteam am Unterlauf des Jenissej rund 100 Kilometer nördlich des Polarkreises untersucht; Forschungsregion war ein Wassereinzugsgebiet im Übergangsbereich zwischen sibirischer Taiga und baumfreier Tundra.

Die Untersuchungen der Wissenschaftler basieren auf Messungen im Gelände, die mit der Auswertung von Satellitenbildern kombiniert wurden. Damit konnten sie erstmals die ober- und unterirdischen Kohlenstoff-Vorräte komplett bilanzieren und darüber hinaus die Methangasflüsse für das von ihnen untersuchte Gebiet abbilden. Prof. Flessa: "Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass die Böden unter veränderten klimatischen Bedingungen große Mengen an Kohlenstoff verlieren, was auch durch ein gesteigertes Pflanzenwachstum nicht ausgeglichen werden kann. Unsere Forschungen haben einen weiteren Effekt aufgedeckt: In den Hochmooren bilden sich Thermokarst-Seen, die die Freisetzung von Methangas verursachen." Damit sind die Konsequenzen der Klimaerwärmung für die natürlichen Lebensräume in Nordsibirien "weitaus drastischer als bislang angenommen", erläutert der Wissenschaftler, der an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie tätig ist und dort in der Abteilung Ökopedologie der gemäßigten Zonen lehrt und forscht.

Finanziert wurde das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Mitgewirkt haben daran auch Dr. Hans Fuchs von der Abteilung Waldinventur und Fernerkundung der Göttinger Forst-Fakultät sowie Prof. Dr. Georg Guggenberger vom Institut für Bodenkunde und Pflanzenernährung der Universität Halle-Wittenberg. Kooperationspartner waren außerdem russische Experten des Sukachev Forst-Instituts Krasnoyarsk und des Permafrost-Instituts in Yakutsk.

Originalveröffentlichung:
Heiner Flessa et al., Landscape controls of CH4 fluxes in a catchment of the forest tundra ecotone in northern Siberia, in: Global Change Biology 2008, 14: 2040-2056
Kontaktadresse:
Prof. Dr. Heiner Flessa
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Büsgen Institut ? Abteilung Ökopedologie der gemäßigten Zonen
Büsgenweg 2, 37077 Göttingen, Telefon (0551) 39-3507
e-mail: hflessa@gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.forst.uni-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie