Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klima-Maßnahmen verfehlen Entwicklungsländer

28.04.2009
Politologin: Klimaprotokoll braucht Augenmerk auf Gerechtigkeit

Große Schwellenländer profitieren vom Kyoto-Klimaprotokoll zur Reduktion der Treibhausgase, während die ärmsten Länder das Nachsehen haben. Zu diesem Schluss kommen die Politologen Chuks Okereke und Heike Schröder von der Universität Oxford in der Fachzeitschrift Climate and Development.

Sie analysieren den Zusammenhang zwischen Maßnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Gerechtigkeit für die Entwicklungsländer. Dabei bezeichnen sie den "Clean Development Mechanism" als ineffektiv. Diese Initiative des Klimaprotokolls ermöglicht es bisher den Industrienationen, zur Erreichung ihrer CO2-Vorgaben in Projekte zur Emissionsreduktion in Entwicklungsstaaten zu investieren.

Der Aspekt einer "klimagerechten Entwicklung" solle in das Kyoto-Nachfolgeprotokoll aufgenommen werden, so die Forderung der Wissenschaftler. Denn würden arme Ländern mehr Unterstützung für ihre Anpassung an den Klimawandel sowie für die kohlenstoffarme Entwicklung erhalten, gäbe das auch Investoren mehr Sicherheit.

"Klimagerechtigkeit bedeutet, dass alle wirtschaftlichen Sektoren und geografischen Gebiete gleichermaßen von Maßnahmen profitieren", erklärt Heike Schröder im pressetext-Interview. Das derzeit gültige Kyoto-Protokoll berücksichtige diesen Aspekt des Gleichgewichts nicht. "Derzeit profitieren nur große Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien, andererseits werden bestimmte Sektoren wie die Wasserkraft oder Energieeffizienz-Technologien bevorzugt. Kleinere Projekte wie etwa der Ausbau des öffentlichen Transportsystems werden hingegen vernachlässigt. Das selbe Schicksal betrifft kleinere Ländern, unter ihnen die ärmsten Nationen wie Tschad, Nigeria und Sudan", so Schröder. Grund für die ausbleibende Unterstützung für Kleinstrukturen sei der geringere zu erwartende Profit.

Um Klimagerechtigkeit bei der Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember in einem Kyoto-Nachfolgeprotokoll zu verankern, seien laut Schröder neben Richtlinien spezielle Kaufanreize notwendig, die auch kleinere Projekte durchführbar und attraktiv machen. "Ein Weg in diese Richtung wäre, die übliche zwei-Prozent-Besteuerung erst ab einem bestimmten Projektsumfang anzusetzen." Für Kopenhagen erfordere das ein aktiveres Auftreten der Schwellenländer. "Sie sollten sich ihrer Rolle mehr bewusst sein, ihren Anteil einfordern und mit entsprechender Rhetorik auftreten", fordert Schröder. Dass die Schwellenländer dabei von anderen, wirtschaftlichen Interessen und Verpflichtungen gebremst werden könnten, sei allerdings denkbar, vermutet die Politikwissenschaftlerin. Den Industrieländern käme bei der Konferenz die Rolle zu, langfristig zu denken und sich ihrer Verantwortung wie auch der Realität bewusst zu sein. "Alle Prognosen deuten darauf hin, dass ihr Anteil an der Weltbevölkerung und Weltwirtschaft in Zukunft abnimmt."

Im Gegensatz zu bisherigen Initiativen, könne die Errichtung eines Fonds zur klimagerechten Entwicklung garantieren, dass auch die ärmsten und verletzlichsten Länder erreicht werden und keine Gefährdung durch politische Unruhen und Missbrauch besteht, so Schröder. Bis Klimagerechtigkeit jedoch den Eingang in die internationale Diskussion gefunden habe, sei jedoch noch ein langer Weg zurückzulegen, denn der Begriff sei auf dieser Ebene bisher kaum Thema. "Er wird vor allem von Nichtregierungsorganisationen verwendet, kaum jedoch in zwischenstaatlichen Verhandlungen."

Welche soziale Herausforderungen durch die globalen Umweltveränderungen entstehen, diskutieren diese Woche über 1.000 internationale Wissenschaftler und Entscheidungsträger in Bonn beim Treffen des Internationalen Programmes zur sozialen Dimension globaler Umweltveränderungen. Der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit und der nachhaltigen Anpassung wird am morgigen Mittwoch behandelt.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ox.ac.uk
http://www.openmeeting2009.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

23. VDMA-Arbeitsberatung „Engineering und Konstruktion“ am 2. März 2017 an der TH Wildau

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Partnerprogramm von Stellar Datenrettung

28.02.2017 | Unternehmensmeldung

Ein Filter für schweren Wasserstoff

28.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Auf den Spuren der Entstehung von Kondensationstropfen

28.02.2017 | Physik Astronomie