Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleinstes Nashorn der Welt vom Aussterben bedroht

13.11.2009
Forscher starten umfangreiches Programm zum Schutz des Sabah-Nashorns in Malaysia.

Eine einzigartige Spezies droht vom Erdball zu verschwinden: Vom Sabah-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis harrisoni), einer Unterart des Sumatra-Nashorns, gibt es nur noch etwa 50 Exemplare. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) starten jetzt gemeinsam mit dem Zoo Leipzig, der malaysischen Regierung und malaysischen Naturschutzorganisationen (Sabah Wildlife Department [SWD] und Borneo Rhino Alliance [BORA]) ein umfangreiches Programm zum Schutz und zur Nachzucht des imposanten Säugetiers.

"Es ist höchste Zeit, diese Art zu retten. Das Sabah-Nashorn gehört zum kulturellem Erbe unserer Region, wir benötigen jetzt eine proffessionelle Expertise", sagt Datuk Masidi Manjun, Minister für Tourismus, Kultur und Umwelt von Sabah in Malaysia, der letzte Woche deutsche Wissenschaftler vom IZW und Zoo Leipzig empfangen hat.

Das Sabah-Nashorn ist eine Indikatorart für ein intaktes Ökosystem - den Tieflandregenwald. Wenn diese "Umbrella-Art" (engl. umbrella - Regenschirm) ausstirbt, werden unzählige anderen Arten, die unter dem "ökologischen Schutzmantel" des Sabah-Nashorns leben, verschwinden. "Die Wissenschaftler vom IZW werden uns mit ihrer Expertise im Bereich der Reproduktionsmedizin helfen, den Gesundheits- und Fruchbarkeitsstatus der Tiere zu bestimmen", berichtete Dr. Laurentius Ambu, Direktor des Sabah Wildlife Departments nach einem ersten Treffen aller beteiligten Projektpartner in Kota Kinabalu in Malaysia am letzten Freitag. Ambu weiter: "Die Experten werden uns Vorschläge unterbreiten, wie man am erfolgreichsten eine Aufzucht etablieren kann".

Das Sabah-Nashorn ist mit nur einem Meter dreißig Schulterhöhe das kleinste Nashorn der Welt. Es lebt vor allem in den Flachlandregenwäldern des malaysischen Bundesstaates Sabah auf der Insel Borneo. Doch sein Lebensraum ist stark bedroht: Der üppige Regenwald fällt zunehmend Ölpalmplantagen zum Opfer. Dadurch wird das einzelgängerische Tier von seinen Artgenossen getrennt und kann sich nicht mehr fortpflanzen. Die malaysische Regierung hat bereits gemeinsam mit der Bornea Rhino Alliance (BORA) damit begonnen, eine Aufzuchtstation für Sabah-Nashörner zu errichten. In dieser Station sollen sich die Tiere verpaaren. "Zunächst müssen wir untersuchen, ob die Tiere fortpflanzungsfähig sind", so Dr. Petra Kretzschmar vom IZW. Denn es gibt Hinweise darauf, dass durch den Pestizideinsatz beim Anbau von Ölpalmen die Fruchtbarkeit der Tiere beeinträchtigt wurde.

Für die Erhaltung der Art ist es wichtig schnell zu Ergebnissen zu kommen, daher wollen die Forscher die Tiere auch künstlich besamen. Dabei sollen modernste Methoden der assistierten Reproduktion von Großtieren zum Einsatz kommen. Beteiligt ist deshalb auch das IZW-Spezialisten-Tierärzteteam um Dr. Thomas Hildebrandt, das bereits bei der Zucht von Nashörnern in Zoos spektakuläre Erfolge erzielen konnte. Der Zoo Leipzig wird sich vor allem für optimale Haltungsbedingungen der Tiere einsetzen und die lokalen Mitarbeiter der Zuchtstation entsprechend schulen.

Darüber hinaus sind sich alle Beteiligten einig, dass das Projekt auch dem Schutz des Tieflandregenwaldes dienen soll und unter Einbeziehung der Bevölkerung durchgeführt wird. Dazu soll ein lokales und internationales Informations- und Bildungsprogramm entwickelt werden. Ein sanfter Tourismus und die Einwerbung von Spendengeldern sorgen für Aufklärung in der Öffentlichkeit und könnten zu einer wirtschaftlichen Basis der Zuchtstation werden.

Im Jahr 2011 wird im Zoo Leipzig die Tropenerlebniswelt "Gondwanaland" eröffnet. Der hier gepflanzte Regenwald sowie die in ihm lebenden Tierarten werden als Botschafter bedrohter Regenwälder wirken. Das Sabah-Nashorn-Schutzprojekt "Sabah Rhino Conservation Project (SRCP)" wird sich in der Tropenhalle von Gondwanaland einem Millionenpublikum präsentieren und so einen wichtigen Beitrag für den Erhalt des Sabah-Nashorns leisten.

Informationen und Fotos:

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)im Forschungsverbund Berlin e.V., Alfred-Kowalke-Str. 17, 10315 Berlin, GERMANY, www.izw-berlin.de
Dr. Petra Kretzschmar, 0049 30 5168 718, kretzschmar@gmx.de
Steven Seet, 0049 30 5168 108, seet@izw-berlin.de
Zoo Leipzig GmbH, Pfaffendorfer Straße 29, 04105 Leipzig, www.zoo-leipzig.de
Frank Oberwemmer, 0049 341 59 33 515, foberwemmer@zoo-leipzig.de

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.zoo-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie