Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleine Meerestiere erobern Mittelmeerstrände

07.09.2016

Studie zeigt: Kalkschaler passen sich wärmeren Gewässern an / Veröffentlichung in der Zeotschrift Scientific Reports

Für den Erhalt der Artenvielfalt in Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, dass sich einzelne Arten an die veränderten Umweltbedingungen, vor allem an wärmere Temperaturen, anpassen. Entscheidend ist, wie schnell das geschieht.


Nahaufnahme durch das Mikroskop der Foraminiferen-Art Pararotalia calcariformata auf ihrem Algensubstrat. Die Mikroalgen färben die Foraminifere hellbraun, wenn sie durch die Kalzitschale schimmern.

Foto: MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen; C. Schmidt

Besonders empfindlich reagiert der Lebensraum Korallenriff. Viele seiner Bewohner leben in Gemeinschaft mit Algen. Steigt die Temperatur, verlieren Korallen ihre Algen, sie bleichen aus. Ein deutsch-israelisches Team hat jetzt in einer Feld- und Laboruntersuchung nachgewiesen, dass einige winzige Meerestiere, die Foraminiferen, unter extrem warmen Bedingungen überleben können, ohne ihre Algen zu verlieren.

Ihre Studienergebnisse haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Federführung von Dr. Christiane Schmidt vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen jetzt in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Das Mittelmeer gilt als Modellregion für Forschende. Hier untersuchen sie, wie sich der Klimawandel auf Küstenökosysteme auswirkt. Laut Prognosen und Beobachtungen erwärmt sich das östliche Mittelmeer besonders schnell. Arten, die sich in dieser Region nicht anpassen können, müssen in kühlere Gebiete im Westen abwandern – oder sie sterben aus.

In ihrer Studie haben Dr. Christiane Schmidt und Prof. Dr. Michal Kucera vom MARUM mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus Israel winzige Meerestiere von der Küste Israels untersucht. Diese so genannten Foraminiferen leben in Gemeinschaft mit einzelligen Kieselalgen. Die Alge betreibt Photosynthese, versorgt so die Foraminifere mit Nahrung und fördert das Wachstum ihrer Kalkschale. Foraminiferen produzieren Kalziumkarbonat und gelten daher, ebenso wie Korallen, als Ingenieure der Ökosysteme im Meer.

Das deutsch-israelische Team hat dabei von einem gigantischen Experiment profitiert: Seit über fünfundzwanzig Jahren fließt beim Hadera-Kraftwerk Kühlwasser als Abwärme ins Meer. Die Temperatur wird hier auf einem kilometerlangen Abschnitt um das Kraftwerk erwärmt. In diesem Bereich haben die Forschenden eine Foraminiferen-Art gefunden, die auch im Sommer, bei Temperaturen über 36 Grad Celsius, ihre Algengemeinschaft behält.

Die Forscherinnen und Forscher haben am MARUM untersucht, ob Foraminiferen dieser Art auch außerhalb des erwärmten Küstenstreifens bei Hadera hitzetolerant sind. „Im Labor konnten wir nachweisen, dass die Algen auch bei 36 Grad Celsius Photosynthese betreiben und die Foraminifere wächst – ein Zeichen dafür, dass die Art diesen Temperaturen dauerhaft trotzen kann“, erklärt Christiane Schmidt. Messgeräte, die das Team an der Küste aufgestellt hat, zeigen, dass die Temperaturen im Meer im Laufe des Jahres auf natürliche Weise die 32 Grad-Marke nicht übersteigen.

„Das bedeutet, dass die Art besser an Erwärmung angepasst ist als die meisten anderen Meerestiere mit Algengemeinschaften“, resümiert die Bremer Geoökologin. Bei andauernder Erwärmung könnten sie daher den Küstenlebensraum des östlichen Mittelmeers für sich gewinnen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen an, dass die untersuchte Art, die Pararotalia, eine eingewanderte Art ist. Sie vermuten, dass die Hitzetoleranz eine Eigenschaft ist, die aus dem Pazifik mitgeschleppt wurde. „Foraminiferen könnten somit auch woanders die Gewinner des Klimawandels werden“, folgert Michal Kucera.

Christiane Schmidt will die Gründe für die Hitzetoleranz künftig weiter erforschen und der Frage nachgehen, wie sich die Anpassung entwickelt hat. Die Ergebnisse im Feld kombiniert sie dafür mit Laboruntersuchungen. „Dann können wir besser abschätzen, wie Arten des empfindlichen Küstenlebensraums auf den Klimawandel reagieren werden“, ist sie sich sicher.

Publikation:
Christiane Schmidt, Danna Titelboim, Janett Brandt, Barak Herut, Sigal Abramovich, Ahuva Almogi-Labin, Michal Kucera: Extremely heat tolerant photo-symbiosis in a shallow marine benthic foraminifera. Veröffentlicht in: Scientific Reports.
DOI: 10.1038/srep30930

Kontakt:
Dr. Christiane Schmidt
Telefon: 0421 218 65976
E-Mail: cschmidt@marum.de

Weitere Informationen:

http://www.nature.com/articles/srep30930 Veröffentlichung im Internet

Ulrike Prange | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Bestände des invasiven Kalikokrebses reduzieren und heimische Arten schützen
24.04.2018 | Pädagogische Hochschule Karlsruhe

nachricht Plastik stimuliert Bakterien im Meer
17.04.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

24.04.2018 | HANNOVER MESSE

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics